"Aquarius" Hilfsorganisationen kritisieren Flaggenentzug für Rettungsschiff

Panama will der "Aquarius", die im Mittelmeer Flüchtlinge aus Seenot rettet, die Flagge entziehen. Hilfsorganisationen sind entsetzt. Unterdessen nahm das Schiff neue Flüchtlinge auf und sucht für sie einen Anlegehafen.

Hilfsorganisationen haben mit scharfer Kritik auf die Ankündigung Panamas reagiert, dem Rettungsschiff "Aquarius" (offiziell "Aquarius 2") die Flagge zu entziehen. "Die Ankündigung verurteilt hunderte Männer, Frauen und Kinder, die verzweifelt versuchen, sich in Sicherheit zu bringen, zu einem nassen Grab", schrieb "Ärzte ohne Grenzen" auf Twitter. Die "Aquarius" wird von den Organisationen "Ärzte ohne Grenzen" und "SOS Méditerranée" betrieben und ist auf dem Mittelmeer unterwegs.

Die Schifffahrtsbehörde Panamas, unter dessen Flagge die "Aquarius" unterwegs ist, hatte am Wochenende mitgeteilt, das Rettungsschiff aus dem Schifffahrtsregister streichen zu wollen. Es gebe Berichte, dass das Schiff internationale rechtliche Vorgehensweisen in Bezug auf Migranten und Flüchtlinge missachtet habe. Eine Beschwerde komme von den italienischen Behörden. Diese hätten mitgeteilt, dass der Kapitän des Schiffes sich geweigert habe, gerettete Flüchtlinge an ihren Herkunftsort zurückzubringen.

"Aquarius" nimmt erneut Flüchtlinge auf

Italiens Innenminister Matteo Salvini bestritt, Druck auf Panama ausgeübt zu haben. Salvini von der rechten Partei Lega verfolgt seit seinem Amtseintritt eine harte Linie gegen Flüchtlinge und Rettungsschiffe im Mittelmeer.

Die "Aquarius" hatte erst am Wochenende wieder 47 Flüchtlinge von einem Boot vor Libyen an Bord genommen. Bisher ist allerdings unklar, in welchem Hafen das Schiff anlegen kann.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 23. September 2018 | 19:11 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 24. September 2018, 08:47 Uhr

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33 Kommentare

26.09.2018 11:41 Ralf112 33

@23 Bronko: "Doch Leute, EINFACHE Antworten gibt es, irgendwann ist Feierabend mit Palaver. Und geht das hier so weiter, ist schneller Schluss als viele jetzt schalten können."

Na selbstverständlich gibt es EINFACHE Antworten! Da hab Sie absolut Recht! 2018 sind bisher etwa 1500 Menschen auf der Flucht im Mittelmeer ertrunken. Und das trotz Seenotrettung. Stellen Sie also diese ein indem Sie die Rettungsboote verschrotten, sterben wahrscheinlich erstmal mehr, bis die Statistiken zeigen, dass es kaum noch ein Schiff bis Europa schafft. Spätestens dann werden es nur noch sehr wenige versuchen. Das dauert ein paar Monate und ein paar Tausend Ertrunkene, aber was solls? Also alles ganz EINFACH. Was geht Sie das auch an, wenn 1500, 5000 oder 10000 Menschen auf der Suche nach einem besseren Leben ertrinken. Ist ja selbstverschuldet... man kann es sich schon EINFACH machen...

26.09.2018 06:27 Ralf112 32

@26 Uwe: "Die Ankündigung ist ein GUTER Beitrag, die Menschen davor zu bewahren, gar nicht erst mit irgendeiner "Nußschale" in See zu stechen, um den Automatismus des "Rettungsschiffes" auszukosten."

Zitat der Tagesschau:
"Bei der Mittelmeer-Überquerung sind in diesem Jahr bereits mehr als 1500 Menschen ertrunken - davon 850 im Juni und Juli. Dabei traten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum nur noch halb so viele Menschen die Flucht über das Meer an."

Irgendetwas scheint mit Ihrem "Automatismus" nicht zu stimmen...

25.09.2018 23:32 Ralf112 31

@29 Buergerx: "Nur weil Sie hier irgendwelche Zitate posten, heißt das nicht, dass das so gültig ist."

Ich kann also jetzt für mich entscheiden, ob ich der "Zeit" glaube, die sich auf die Genfer Flüchtlingskonvention und die Europäische Menschenrechtskonvention bezieht oder ob ich Ihnen glaube, der Sie sich auf sein Gefühl und seine Interpretation des Seerechts beruft... da fällt mir die Entscheidung leicht:

"Nur weil Sie hier irgendwelche Aussagen posten, heißt das nicht, dass das so gültig ist."

25.09.2018 19:52 Fragender Rentner 30

Eben kam beim MDR-Fernsehen, dass das Schiff in Malta anlegen darf und auch Deutschland welche aufnimmt.

25.09.2018 18:15 Buergerx 29

@112Ralf: Nur weil Sie hier irgendwelche Zitate posten, heißt das nicht, dass das so gültig ist.
Und dann kommt nur ein EU-Hafen in Betracht? Warum kein türkischer, marokkanischer, albanischer....?
Das Seerecht ist außerdem nicht für Leute gedacht, die sich wissentlich in sehr wahrscheinliche Seenot begeben. Lesen Sie das Seerecht einfach mal richtig durch. Nicht das Sie mich falsch verstehen, retten muss man trotzdem aber das klassische Seerecht greift mit sicheren Hafen etc. mMn nicht. Und selbst wenn, der HAFEN muss sicher sein. Was im Hinterland passiert, ist für Kapitäne irrelevant, diese müssen nicht wissen, welches Land welches Asylsystem betreibt. Wenn der libysche Küstenwache die Migranten in Ihren Hoheitsgewässern freiwillig übernimmt, weil zuständig, hat das ein Kapitän zu akzeptieren und nicht von sicheren Häfen zu schwadronieren und juristisch zu palabern.

25.09.2018 14:59 Ralf112 28

@1 Skywalker: "Einen Anlegehafen braucht man nicht zu suchen - da gibt's nur einen...Tripolis."

Als Antwort ein Zitat der Zeit:
"Ob ein Ort für Flüchtlinge "sicher" ist, muss auch nach den Vorgaben der Genfer Flüchtlingskonvention und der Europäischen Menschenrechtskonvention beurteilt werden. Zu beachten ist vor allem das Verbot, Flüchtlinge dort an Land zu bringen, wo ihnen Folter, politische Verfolgung, Tod oder menschenunwürdige Behandlung drohen. Nach Libyen darf also niemand zurückgebracht werden."

Noch Fragen?

25.09.2018 02:02 Buergerx 27

Immer wenn NGO's, Gewerkschaften, Kirchen etc. (politische) Entscheidungen kritisieren oder darüber entsetzt sind, ist das ein Erkennungszeichen, dass die Entscheidung richtig war.

24.09.2018 22:01 der Uwe 26

ZITAT:""Die Ankündigung verurteilt hunderte Männer, Frauen und Kinder, die verzweifelt versuchen, sich in Sicherheit zu bringen, zu einem nassen Grab", schrieb "Ärzte ohne Grenzen" auf Twitter"Zitatende- Falsch! - Die Ankündigung ist ein GUTER Beitrag, die Menschen davor zu bewahren, gar nicht erst mit irgendeiner "Nußschale" in See zu stechen, um den Automatismus des "Rettungsschiffes" auszukosten. Wenn im Zeitalter der Massenmedien am "Ausgangshafen" klipp und klar propagiert wird, dass der Kahn jetzt angepflockt oder verschrottet ist, sollte es seine Wirkung auch nicht verfehlen.Hilfe ja,- aber vor Ort und nicht in Europa, das hat jetzt auch Italien kapiert .

24.09.2018 20:12 ein schon länger in Deutschland lebender 25

in der Tagesschau kam gerade, das, wenn sie kein andres Land finden unter deren Flagge sie fahren dürfen, das Schiff verschrottet wird.

zwei Möglichkeiten,
1. das Land unter welcher Flagge es fährt nimmt die Migranten auf
2. das Schiff wird verschrottet, was die bessere Lösung wäre, dann müssen nicht mehr so viele Migranten im Mittelmeer ertrinken.

24.09.2018 19:48 R.W. 24

@ 16.Fragender Rentner.
Googeln Sie : "Ausflaggung-Wikipedia". Dafinden Sie alle Antworten.