Berg-Karabach Armenien und Aserbaidschan einigen sich auf Waffenruhe

Armenien und Aserbaidschan haben sich unter Vermittlung Russlands auf eine Waffenruhe in der umkämpften Kaukasusregion Berg-Karabach geeinigt. Diese sollte Samstagmittag in Kraft treten, scheint aber brüchig zu sein.

Jeyhun Bayramov, Sergej Lawrow und Sohrab Mnazakanjan
Russlands Außenminister Sergej Lawrow (Mitte) mit seinen Amtskollegen Jeyhun Bayramov (Aserbaidschan, links), und Sohrab Mnazakanjan (Armenien, rechts). Bildrechte: dpa

Die vereinbarte Waffenruhe in der Kaukasusregion Berg-Karabach ist offenbar brüchig. Die Konfliktparteien Armenien und Aserbaidschan werfen sich gegenseitige Angriffe vor. Armenische Kämpfer erklärten, Aserbaidschan habe nur fünf Minuten nach Inkrafttreten der Waffenruhe eine neue Offensive gestartet. Die aserbaidschanische Führung sprach dagegen von feindlichen Angriffen.

Unter Vermittlung Russlands

Die Waffenruhe war unter Vermittlung Russlands nach zehnstündigen Gesprächen in Moskau zustande gekommen. Sie gilt eigentlich seit Samstagmittag. Zur Vereinbarung gehört auch ein Gefangenen-Austausch und die Übergabe von Gefallenen. Zudem erklärten sich beide Seiten bereit, "ernsthafte Gespräche" zur Beilegung des Konflikts aufzunehmen. Nach tagelangen Kämpfen hatten die Außenminister von Armenien und Aserbaidschan am Freitag direkte Gespräche unter der Schirmherrschaft von Russlands Außenminister Sergej Lawrow aufgenommen.

Trotzdem Rakentenangriffe auf Stepanakert

Bereits kurz vor dem Inkrafttreten der vereinbarten Waffenruhe wurde Berg-Karabachs Hauptstadt Stepanakert nach Angaben der dortigen Regierung das Ziel von Raketenangriffen. Aserbaidschan habe "zivile Gebiete mit Raketen getroffen", schrieb ein Regierungsvertreter auf Twitter. Auch ein Journalist der Nachrichtenagentur AFP berichtete, das die Stadt am Morgen von zwei Explosionen erschüttert worden sei. Das aserbaidschanische Außenministerium meldete seinerseits Angriffe auf bewohnte Gebiete durch die armenische Seite.

Zankapfel seit Jahrzehnten

Karte Bergkarabach
Die Region Berg-Karabach (rote Eingrenzung) gehört völkerrechtlich zu Aserbaidschan wird aber von Armeniern bewohnt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Berg-Karabach ist seit Jahrzehnten zwischen Armenien und Aserbaidschan umstritten. In Berg-Karabach leben überwiegend christliche Armenier. Das Gebiet war aber in der Stalin-Ära dem mehrheitlich islamischen Aserbaidschan zugeschlagen worden, von dem es sich jedoch während des Zerfalls der Sowjetunion 1991 losgesagt hatte. Darauf folgte in den 90er-Jahren ein Krieg mit 30.000 Toten. Die selbsternannte Republik Berg-Karabach wird bis heute international nicht anerkannt und gilt völkerrechtlich als Teil Aserbaidschans.

Einmischung der Türkei

Am 27. September diesen Jahres waren um Berg-Karabach erneut schwere Kämpfe ausgebrochen. Hunderte Menschen sollen dabei ums Leben gekommen sein. Da Armenien mit Russland verbündet ist und Aserbaidschan von der Türkei - übrigens auch mit Kämpfern aus Syrien - unterstützt wird, drohte eine Ausweitung des Konflikts über die Region hinaus. Durch den Südkaukasus laufen wichtige Erdgas- und Öl-Pipelines

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 10. Oktober 2020 | 06:00 Uhr