Ralf Seppelt, Professor am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig.
Professor Ralf Seppelt vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig. Bildrechte: UFZ

Rückgang der Artenvielfalt "Der Mensch hat das Artensterben beschleunigt"

"Es gibt ein Massenaussterben", sagt Professor Ralf Seppelt, ein Autor des UN-Reports über die weltweite Artenvielfalt, der gerade mit Regierungsvertretern in Paris diskutiert wird. Im Interview spricht er auch darüber, was die Ursachen dafür sind und sich in Zukunft ändern sollte.

Ralf Seppelt, Professor am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig.
Professor Ralf Seppelt vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig. Bildrechte: UFZ

Der neue UN-Report über die weltweite Artenvielfalt wird in dieser Woche auf einer internationalen Konferenz in Paris diskutiert. 150 Experten haben in jahrelanger Arbeit eine Inventur der Natur gemacht. "Es gibt ein Massenaussterben", sagt einer der Autoren des Reports, Professor Ralf Seppelt vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig. Der Mathematiker und Ökologe wird an den Debatten ebenfalls teilnehmen – etwa, wenn mit etwa 120 Regierungsvertretern darüber gestritten wird, wie im Bericht formuliert werden soll, was sich in Zukunft ändern muss.

Frage: Der Weltbiodiversitätsrat IPBES will erst in einer Woche die Ergebnisse der gemeinsamen Recherche veröffentlichen. Warum nicht bereits jetzt?

Ralf Seppelt: "Gute Frage. Das zielt auf eine Besonderheit des Reportes ab. Dieser ist von der UN in Auftrag gegeben worden und alle Staaten sind verpflichtet, auch danach zu handeln. Für die Konferenz in Paris ist er vorläufig fertig zusammengestellt worden. Erst wenn am Ende der Hammer gefallen ist, und es keine Einsprüche mehr gibt, dann gilt der Bericht als beschlossen und wird veröffentlicht."

Was genau muss dabei noch abgestimmt werden?

"Für mich als Wissenschaftler ist das auch ein ungewohnter Prozess. Denn was wir zusammengetragen haben, basiert auf Fakten. Trotzdem gibt es dabei Nuancen, die auch von Politikern angezweifelt werden. Es geht um die Evaluation – welcher Aspekt hat eine starke Evidenz, welcher nicht?"

Sie dürfen aufgrund des Verbots, etwas über den Bericht zu sagen, nicht konkret werden. Dennoch steht eines bereits fest: Die Artenvielfalt nimmt ab, oder?

"Ja, dieses Ergebnis ist ja bereits durchgesickert, die Anzahl der Arten, die vom Aussterben bedroht sind, ist überraschend groß, und dies ist vor allem durch den Menschen und den von ihm versursachten Klimawandel bedingt."

Wie stark ist dieses Aussterben?

"Es wird sogar bereits von einem Massenaussterben gesprochen. Es gibt auch ein natürliches Aussterben von Arten, sicher. Aber der Mensch hat die aktuell stattfindenden und gerade beschriebenen Aussterbeprozesse beschleunigt – auf das Zehn- bis Hundertfache des natürlichen Artenrückganges."

Was werden die Folgen sein?

"Das wird auch im Bericht detailliert beschrieben. Aber hier ein Beispiel aus einem früheren auch von IPBES verfassten Bericht zu Bestäubern: Was sind die Folgen des weltweiten Sterbens von Insekten, wenn 75 Prozent der Kulturen, die wir essen, bestäubt werden müssen? Wir müssen uns wieder bewusst machen, dass wir von einer großen Anzahl von Funktionen unser Umwelt abhängig sind. Auch unsere Nahrung hängt davon ab. Ohne Bestäuber, insbesondere Bienen, die unser Obst und Gemüse bestäuben, bekommen wir keine Vitamine und lebenswichtige Nährstoffe."

Es hat also auch deutliche Auswirkungen auf den Menschen?

"Nicht nur das. Es geht dabei um die Frage, wie wir mit den Ressourcen umgehen und wie wir sie verwenden. Wir sollten vor allem versuchen die letzten 100 Jahre unserer Existenz zu verstehen und die kommenden 100 Jahre dazu nutzen, mit den Gegebenheiten richtig umzugehen. "

Geht es auf der Konferenz auch um erforderliche Änderungen – etwa auf politischer Ebene?

"Dieser Aspekt wird zu den meisten Diskussionen führen. Die Vorgabe für den Bericht lautet: Relevant für politische Entscheidungen zu sein, aber keine politischen Maßnahmen vorzuschreiben.  Das macht diesen Teil sehr, sehr schwierig. Ich werde zu diesem Zeitpunkt dann auch mit auf dem Plenum sein und mitdiskutieren müssen."

Was erhoffen sie sich persönlich von der Teilnahme an der Konferenz?

"Auch wenn ich schon häufiger auf UN-Konferenzen war, ist dies die erste, bei der ich auch als Autor des Assessments ein Teil der Inhalte und der Ergebnisse mit verantworte. Das ist durchaus aufregend. Ich wünsche mir, zu erfahren, welche der vielen Ergebnisse von den Delegierten der Mitgliedsstaaten aufgenommen werden und damit am ehesten politikrelevant sind. So hoffe ich, mit den Fakten, aber auch vor allem Argumenten aus Paris, zurückzukommen, die helfen, die nötigen Veränderungen umzusetzen."

Dieses Thema im Programm: Das Erste | FAKT | 30. April 2019 | 21:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 30. April 2019, 12:00 Uhr

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20 Kommentare

01.05.2019 19:55 Fragender Rentner 20

@Gerd Müller zu 19

Du hast auch noch die Vögel vergessen, denen es leider auch ähnlich an den Dingern geht.

Darüber kamen auch schon Berichte im Fernsehen, einen hatte ich mal im BR oder HR gesehen.

01.05.2019 18:32 Gerd Müller 19

Stimmt, 1,5 Milliarden Insekten werden an warmen Tagen durch Windräder geschreddert!
Das hat eine Studie der DLR in Deutschland berechnet, das sind im Jahr 1200 Tonnen Insekten, was sagen da die hochgejubelten Grünen dazu?
Nichts

01.05.2019 12:45 007 18

Maria A. 14 ... "es ist hinreichend bekannt, dass die Menschheit an sich der größte Umweltschädling ist."
< Stimmt, der Mensch ist der größte Umweltschädling u genau deshalb bin ich als Naturfreund u Patriot entschieden gegen Zuwanderung nach DE u EU. Wir können unsere einzigartige Erde, die noch etwa 500 Mio Jahre bewohnbar ist bevor die Sonne verbrennt nur erhalten, wenn die gesamte Weltbevölkerung schrumpft. Und genau hier sollten wir Deutschen u Europäer mit gutem Beispiel voran gehen. Kein Volk wird deshalb aussterben nur weil es schrumpft, dass ist links-populistischer Käse. Völker bzw Kulturen sterben aber in ihrer Einzigartigkeit ganz gewiss aus, wenn man sie vermischt. Wie viel Einwohner hatte DE 1900?, ca 56 Mio. Und die Erde?, ca 1,6 Milliarden. Da müssen wir hin. Das heißt, den "explodierenden" Ländern dieser Welt die Verhütung bringen anstatt ihnen ihren Überschuss abzunehmen. Kriege werden kommen weil wir zu viele sind ...

01.05.2019 11:51 007 17

"Der Mensch hat das Artensterben beschleunigt" ...

... u gezeigt werden Kühltürme eines KW. Hahaha wie lustig. Was wohl die Wenigsten wissen, daraus kommt nur WASSERDAMPF. Es sind, wie der Name schon sagt, Kühltürme. Wenn es um Artensterben geht sollten hier Monokulturen für "BIO"-Kraftstoffe + Windanlagen zu sehen sein. Die Mono-Anbauflächen + diese Tierschredder Maschinen sind unser Insekten Tot. Diese Windräder töten JEDES JAHR 1 BILLIONEN Insekten (=1200 Tonnen) + Schmetterlinge+ Zugvögel+ Bienen+ Fledermäuse usw. Die Windparks werden unter Jägern deshalb schon als Aasfresser Gebiete bezeichnet.

Mein Fazit; diese links-grüne Politik ist wider unserer Natur u Tier-feindlich. Und was fordern alle Kartellparteien stattdessen? Noch mehr Windparks noch mehr Biosprit (d.h. noch mehr Tiersterben).

Die einzige Partei die dagegen ist u unsere Fauna & Flora wirklich schützen will ist die AfD ...

01.05.2019 11:30 H.E. 16

Ca. 2,5 Prozent CO2 - Ausstoß kommt nur von Deutschland gemessen am weltweiten CO2-Ausstoß und wir müssen deshalb unbedingt das Weltklima retten. Ich habe lange Zeit GRÜN gewählt, aber die können mich inzwischen, ebenso eine Svenja Schulze von der SPD!

01.05.2019 07:45 Sascha10 15

Im gegensatz zum invantilen glauben an den vom vom menschen gemachten klimawandel ist das durch den menschen gemachte artensterben belegt und bewiesen

30.04.2019 22:41 Maria A. 14

13, es ist hinreichend bekannt, dass die Menschheit an sich der größte Umweltschädling ist. Ich finde jedoch, wir Deutschen tun sehr viel für Klima und Umwelt. Seit Jahren schrumpft unsere Bevölkerung. Wir bemühen uns dazu, weniger Schadstoffe zu erzeugen. Unter den Vermögenden ist ein regelrechter Wettbewerb entstanden, auf das bequeme Leben zu verzichten. Sicher, viele Europäer müssen um ihre Existenz bangen, denen muss egal sein, wie sie heizen oder herum fahren. Hauptsache, sie können es noch bezahlen. Auch auf anderen Kontinenten wird dahingehend munter in den Tag hinein gelebt. Haben Sie denn einen Vorschlag, wenn wir ziemlich verloren dastehen im hehren Kampf um die Rettung der Welt?

30.04.2019 20:21 Peter W. 13

Schön, wie die Zweifler emsig menschgemachte Entwicklungen von wenigen Jahrzehnten mit den natürlichen Vorgängen von vielen zigtausend Jahren gleichsetzen. So unerträglich scheint der Gedanke zu sein, dass der eigene liebgewonnene Lebensstil der Erde so gar nicht gut tut. Wo soll auch schon das Problem sein, wenn die Menschheit an einem Tag so viel fossile Energie verbraucht und CO2 in die Atmosphäre entlässt, wie die Sonne in tausenden Jahren benötigt hat, diese in Pflanzen zu binden...

30.04.2019 20:07 Klaus Pfister 12

Wenn "Arten" unfaehig sind sich an ein veraendertes Eco System anzupassen dann sind diese "Arten" Evolutionsmaessig aus zusterben...!
Ob das von Menschen beschleunigt ist oder nicht ist total
bedeutungslos!

30.04.2019 19:58 Horst 11

Die 150 Experten aus aller Welt hätten sich mal von dem ein oder anderen Kommentator hier beim MDR erkundigen sollen. Denn die haben ganz klar den Durchblick.