Anlage zur Urananreicherung im iranischen Isfahan
Anlage zur Urananreicherung im iranischen Isfahan. Bildrechte: IMAGO

Atomstreit Iran startet Uran-Anreicherung in Anlage Fordo

Der Iran macht seine Drohung wahr und verstößt gegen weitere Auflagen aus dem internationalen Atomabkommen. In der Anlage Fordo wird jetzt wieder Uran angereichert. Die EU und Russland reagierten besorgt.

Anlage zur Urananreicherung im iranischen Isfahan
Anlage zur Urananreicherung im iranischen Isfahan. Bildrechte: IMAGO

Der Iran hat die Urananreicherung in seiner Atomanlage Fordo offiziell wiederaufgenommen. Präsident Hassan Ruhani erklärte, es werde wieder Urangas in die 1.044 Zentrifugen der unterirdischen Anreicherungsanlage eingeleitet. Die iranische Atomenergiebehörde sprach von einem weiteren Schritt zur Abkehr vom internationalen Atomabkommen als Reaktion auf den Ausstieg der USA.

Ein Sprecher sagte, mit den Zentrifugen werde Uran auf einen Grad von bis zu 4,5 Prozent angereichert. Waffenfähiges Uran muss bis auf 90 Prozent angereichert sein. Vor Abschluss des Atomabkommens hatte es der Iran bis auf 20 Prozent geschafft.

Trumps Alleingang löste Krise aus

Nach dem 2015 geschlossenen Atomabkommen war die Urananreicherung in der unterirdischen Anlage von Fordo eingefroren worden. Die Anzahl der Zentrifugen in den Anlagen Fordo und Natans wurde um mehr als zwei Drittel auf gut 5.000 reduziert worden. Im Gegenzug hatte der Westen die Wirtschaftssanktionen gegen den Iran gelockert.

Jedoch war US-Präsident Donald Trump im Mai 2018 aus dem gemeinsamen Atomabkommen mit dem Iran ausgestiegen und verfolgt seitdem mit immer neuen Sanktionen eine Politik des "maximalen Drucks" gegenüber Teheran. Der Iran hielt sich zunächst weiter an die Vereinbarungen, um das Abkommen mit den verbliebenen Vertragspartnern Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Russland und China retten zu können. Ein Jahr nach Trumps Austritt verkündete Teheran jedoch, seine Verpflichtungen schrittweise zu reduzieren.

Paris und Moskau besorgt

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron kritisierte Teheran. Das sei erstmals ein "eindeutiger und unverblümter" Schritt, aus dem Atomabkommen auszusteigen, sagte Macron am Rande eines China-Besuchs. Russlands Außenminister Sergej Lawrow bezeichnete in Moskau das Vorgehen als äußerst alarmierend. Er rief Teheran auf, sich an die Vereinbarungen von 2015 zu halten. Schuld an der Situation seien aber die USA, die sich aus dem Vertrag einseitig zurückgezogen hätten.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 05. November 2019 | 20:19 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 07. November 2019, 08:26 Uhr

5 Kommentare

Wachtmeister Dimpfelmoser vor 5 Tagen

Sie dürfen aber nicht vergessen, dass Barack Obama den Atomvertrag mit dem Iran am Kongress vorbei per Präsidentenerlass als sogenannte Executive Order verfügt hat. Solch eine EO ist für nachfolgende Präsidenten nicht bindend; sie können quasi mit einem Federstrich außer Kraft gesetzt werden. Und die Zustimmung des Kongresses hätte er nie und nimmer bekommen. Insofern ist im konkreten Fall USA ein Gesetz erst dann ein Gesetz, wenn Kongress und Senat es durchgewunken haben.

GerdMueller vor 5 Tagen

Richtig, jedes Land so seine Atombomben haben, was der eine kann, kann auch der andere.
Die Welt geht eines Tages sowieso dem Bach runter, da ist es auch egal wodurch.
Deutschland braucht auch welche, damit wir uns verteidigen können, wenn der „böse“ Russe in Berlin steht.

Leachim-21 vor 5 Tagen

nach meiner Meinung nach sind die Staaten die diesen Vertrag unterzeichnet hatten doch selber schuld das der Iran jetzt aussteigt, denn wer hat bis jetzt seine Zusagen nicht erfüllt. das waren doch die Unterzeichnerstaaten des Vertrages. die sich von den USA erpressen lassen wer mit den Iran Geschäfte macht . für mich ist deren angebliche Sorge nur Heuchelei. man hätte sich an den Zusagen halten sollen und sich somit gegen die USA-Regierung stellen .