Frankreich Ausschreitungen nach Demo gegen Polizeigewalt in Paris

In Paris sind trotz Versammlungsverbot am Dienstagabend gut 20.000 Menschen zu einer Demo gegen Polizeigewalt zusammengekommen. Die Demonstranten solidarisierten sich mit den Protesten in den USA und prangerten Missstände im eigenen Land an. Nach der Kundgebung kam es zu Ausschreitungen.

Frankreich, Paris: Ein Demonstrant rennt während einer Demonstration durch eine Tränengaswolke.
In Paris kam es nach einer Kundgebung gegen Polizeigewalt zu Ausschreitungen. Bildrechte: dpa

In Paris sind am Dienstagabend mehr als 20.000 Menschen zu einer Demonstration gegen Polizeigewalt auf die Straße gegangen. Mit der Kundgebung solidarisierten sich die Demonstranten mit den Protesten in den USA nach dem Tod von George Floyd. Gleichzeitig beklagten sie Polizeigewalt im eigenen Land. Anlass waren auch neue medizinische Befunde zum Tod des  jungen dunkelhäutigen Franzosen Adama Traorè, der 2016 in Polizeigewahrsam ums Leben kam.

Demonstranten ziehen Verbindung zwischen Polizeigewalt in Frankreich und USA

Einer der an der Festnahme Traorés beteiligten drei Polizisten hatte ausgesagt, dass die Beamten den jungen Mann mit ihrem vereinten Körpergewicht heruntergedrückt hätten. Traoré verlor im Polizeiwagen das Bewusstsein und starb später auf einer Wache.

Laut einem am Dienstag veröffentlichten Untersuchungsbericht, der von Traorés Familie in Auftrag gegeben worden war, soll der junge Mann als Folge der von der Polizei angewendeten Methoden erstickt sein. Dies hatte bereits eine vorherige Untersuchung im Auftrag der Familie festgestellt.

Viele Demonstranten zogen eine direkte Verbindung zum Tod von George Floyd bei einem brutalen Polizeieinsatz in den USA. Ein Polizist hatte Floyd fast neun Minuten lang das Knie in den Nacken gedrückt, obwohl dieser immer wieder gesagt hatte, dass er nicht atmen könne.

Ausschreitungen in Paris

Nach der Kundgebung in Paris kam es zu Ausschreitungen, wie Reporter der Nachrichtenagentur AFP beobachteten. Polizeiwagen wurden mit Steinen und Flaschen beworfen, Barrikaden, Mülleimer und Fahrräder angezündet. Die Polizei setzte Tränengas und Gummigeschosse gegen Demonstranten ein.

Die Pariser Polizeipräfektur hatte die Proteste aus Sorge vor  Ausschreitungen, aber auch aus Infektionsschutzgründen untersagt. Versammlungen von mehr als zehn Menschen sind als Anti-Coronavirus-Maßnahme in Frankreich derzeit verboten. Dennoch gab es auch in anderen Städten kleinere Demonstrationen gegen Polizeigewalt.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL FERNSEHEN | 02. Juni 2020 | 17:45 Uhr