Lage in Belarus Tichanowskaja bittet um mehr Unterstützung

Die Opposition in Belarus setzt nach neuen Massenprotesten gegen den autoritären Staatschef Alexander Lukaschenko auf Unterstützung aus Deutschland. Am Dienstag traf sich Bundeskanzlerin Angela Merkel in Berlin mit der belarussischen Oppositionspolitikerin Swetlana Tichanowskaja. Diese forderte mehr Unterstützung des Westens.

Angela Merkel trifft Swetlana Tichanowskaja
Swetlana Tichanowskaja bei Kanzlerin Angela Merkel Bildrechte: Jesco Denzel/Bundespresseamt/dpa

Die belarussische Oppositionsführerin Swetlana Tichanowskaja hat bei einem Besuch in Berlin zu mehr Unterstützung des Westens aufgerufen. Tichanowskaja sagte: "Wir möchten, dass Deutschland als eines der mächtigsten Länder der Welt bei Verhandlungen helfen kann". Sie sei dankbar, dass die EU Sanktionen gegen Personen aus dem Umfeld von Machthaber Alexander Lukaschenko verhängt habe.

Angela Merkel trifft Swetlana Tichanowskaja
Angela Merkel und Swetlana Tichanowskaja im Gespräch Bildrechte: Jesco Denzel/Bundespresseamt/dpa

Tichanowskaja traf sich in Berlin zu einem Vier-Augen-Gespräch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel. Auch ein Treffen mit der Grünen-Bundesspitze stand auf dem Programm.

Die Grünen-Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Katrin Göring-Eckardt, zeigte sich "beeindruckt vom Mut und der Kraft" Tichanowskajas und ihrer Mitstreiter. Sie hätten die volle Unterstützung dafür, dass dort freie und geheime Wahlen stattfinden müssten und die volle Unterstützung dafür, dass endlich die Gefangenen freikommen müssten.

Deutschland soll vermitteln

Tichanowskaja hatte vor den Gesprächen in Berlin auf die Bedeutung des Treffens verwiesen. So sei der Austausch mit Merkel für die Bürgerbewegung extrem wichtig, erklärte die Bürgerrechtlerin in einem Interview.

Es ist ein sehr gutes Zeichen für die Welt, wenn Deutschland die Absicht erklärt, als Vermittler in Belarus zu agieren.

Swetlana Tichanowskaja

Unterstützung aus Frankreich

Unterstützung bekommt die belarussische Opposition zudem aus Frankreich. Mit Präsident Emmanuel Macron hatte sich Tichanowskaja in der vergangenen Woche in Litauen getroffen. Macron versprach, sich für die Belange des belarussischen Volkes einzusetzen und bot sich als Vermittler an. "Als Europäer werden wir unser Bestes tun, um bei der Vermittlung zu helfen", sagte Macron nach dem Treffen.

Tichanowskaja: Seit der Wahl im Exil

Die 38-jährige Tichanowskaja lebt derzeit im Exil in Litauen. Angesichts des brutalen Vorgehens der Sicherheitskräfte in Belarus war sie kurz nach der Wahl in das Nachbarland geflohen, nachdem sie anstelle ihres Ehemannes Sergej Tichanowsky gegen Lukaschenko angetreten war. Der regierungskritische Blogger Tichanowsky war bereits im Mai festgenommen worden.

Seit der Wahl am 9. August protestieren teils Zehntausende gegen das offizielle Wahlergebnis. Präsident Lukaschenko hatte sich nach 26 Jahren im Amt erneut zum Wahlsieger erklären lassen. Die Opposition hält dagegen Tichanowskaja für die Siegerin. Auch international stießen die Vorgänge in Belarus auf scharfe Kritik, die EU erkannte das Wahlergebnis nicht an.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 06. Oktober 2020 | 02:20 Uhr

36 Kommentare

jochen1 vor 21 Wochen

Man hat den Eindruck, das die Merkel jetzt selbsternannt auf dem alleinigen Thron von Europa sitzt. Man kann die Person und ihr Handeln doch nicht für voll nehmen.

Holu vor 21 Wochen

Deutschland, die EU und im Besonderen sollte sich die NATO aus den inneren Angelegenheiten heraushalten. Sonst passiert das Gleiche wie in der Ukraine. Denn Weißrussland und auch die Ukraine haben schwerwichtige militärische Geschichte mit dem Überfall und der Befreiung von der Deutschen Wehrmacht von 1941-1944. Dies wird sich Russland nie nehmen lassen. Außerdem sind diese 3 Völker Geschwister im wahrsten Sinne. Auch gehört dazu zur Geschichte von Weißrussland im Militärischen der Überfall Napoleons und den Kampf gegen ihn. Diese Geschichte, ein kleiner Auszug, kann man nicht unbeachtet lassen. Diese Geschwister zanken sich zwar, aber wenn man sie überfällt stehen sie zusammen! Dies mit der Krim und der jetzige noch währende Krieg hätte nie sein brauchen.

Chemnitzer vor 21 Wochen

Peter, ich war sogar an der Nahtstelle zwischen den beiden Systemen 89. Ausserdem ist das ein Prozess gewesen, fliessend...wir konnten gar nicht so schnell gucken, wie es plötzlich nicht mehr um Veränderungen des Landes ging, sondern um die Einheit und die D- Mark. Da war die Gier so gross, das kleine Land abzuwickeln.