Aserbaidschan und Armenien verhängen Kriegsrecht Tote bei Kämpfen in Konfliktregion Berg-Karabach

In der Konfliktregion Berg-Karabach zwischen Armenien und Aserbaidschan ist es zu Kämpfen gekommen. Es soll mehrere Tote geben. Beide Länder beschuldigten sich gegenseitig und verhängten das Kriegsrecht.

Das Standbild aus dem vom armenischen Verteidigungsministerium veröffentlichten Filmmaterial zeigt nach Angaben des Ministeriums, wie armenische Streitkräfte ein aserbaidschanisches Militärfahrzeug an der Kontaktlinie der Republik Berg-Karabach in Aserbaidschan zerstören.
Das Standbild aus dem vom armenischen Verteidigungsministerium veröffentlichten Filmmaterial zeigt nach Angaben des Ministeriums, wie armenische Streitkräfte ein aserbaidschanisches Militärfahrzeug an der Kontaktlinie der Republik Berg-Karabach in Aserbaidschan zerstören. Bildrechte: dpa

In der Unruheregion Berg-Karabach im Südkaukasus ist es zu einer erneuten Eskalation zwischen Armenien und Aserbaidschan gekommen. Die Behörden der Region Berg-Karabach teilten mit, dass die Hauptstadt Stepanakert beschossen worden sei, 16 ihrer Militärs seien bei einem aserbaidschanischen Angriff gestorben und mehr als 100 verletzt worden. Aus Aserbaidschan hieß es, fünf Mitglieder einer Familie seien durch einen Angriff Armeniens ums Leben gekommen.

Der Beschuss habe am frühen Morgen von aserbaidschanischer Seite begonnen, schrieb der armenische Regierungschef Nikol Paschinjan auf Facebook. "Die gesamte Verantwortung dafür hat die militärpolitische Führung Aserbaidschans", teilte die Sprecherin des Verteidigungsministeriums von Armenien mit. Eriwan habe Hubschrauber und Kampfdrohnen abgeschossen. Drei gegnerische Panzer seien getroffen worden.

Die aserbaidschanische Verteidigungsministerium dementierte dies und betonte, es handele sich bei den Gefechten um eine Gegenoffensive an der Frontlinie. Armenien habe die Kämpfe provoziert. Das Ministerium sprach von einem abgeschossenen Hubschrauber.

Beide Länder verhängen Kriegsrecht

Im Laufe des Sonntags spitzte sich die Lage weiter zu: Zunächst verkündete die pro-armenische Regionalregierung in Berg-Karabach das Kriegsrecht und eine Generalmobilmachung. Kurz darauf verkündete Armenien die gleichen Schritte. Regierungschef Paschinjan rief seine Landsleute in einem Facebook-Eintrag auf, sich für die Verteidigung des "heiligen Vaterlandes" bereitzuhalten.

Am Abend verhängte auch Aserbaidschan das Kriegsrecht. Es soll um Mitternacht in Kraft treten.

Maas: Konflikt nur durch Verhandlungen lösbar

Außenminister Heiko Maas zeigte sich angesichts der Gefechte alarmiert. "Ich rufe beide Konfliktparteien dazu auf, sämtliche Kampfhandlungen und insbesondere den Beschuss von Dörfern und Städten umgehend einzustellen", erklärte Maas. Der Konflikt um die Region Berg-Karabach könne nur auf dem Verhandlungsweg gelöst werden. Die OSZE-Minsk-Gruppe mit ihren drei Ko-Vorsitzenden stehe dafür bereit. Armenien und Aserbaidschan müssten "die gewaltsamen Handlungen sofort beenden und den Weg zu substanziellen Verhandlungen begehen", erklärte Maas.

Die Europäische Union forderte ein sofortiges Ende der Kampfhandlungen. EU-Ratspräsident Charles Michel erklärte am Sonntag, die Konfliktparteien müssten "umgehend an den Verhandlungstisch zurückkehren". Die Informationen über die jüngsten Kampfhandlungen seien Anlass zu "größter Besorgnis". Russland rief derweil zu einer sofortigen Waffenruhe in der Region auf.

Seit Jahrzehnten Konfliktregion

Gebietshauptstadt Stepanakert in Berg-Karabach
Die Gebietshauptstadt Stepanakert in Berg-Karabach. Bildrechte: dpa

Die von Armenien kontrollierte Region Berg-Karabach gehört völkerrechtlich zum islamisch geprägten Aserbaidschan. Baku hatte in einem Krieg nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion die Kontrolle über das von christlichen Karabach-Armeniern bewohnte Gebiet verloren. Seit 1994 gilt in der Region eine Waffenruhe, die aber immer wieder gebrochen wurde.

Im Juli kam es an der Grenze zwischen den verfeindeten Republiken zu schweren Gefechten, die Kämpfe lagen jedoch Hunderte Kilometer nördlich von Berg-Karabach. Armenien setzt auf Russland als Schutzmacht, das dort Tausende Soldaten und Waffen stationiert hat.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 27. September 2020 | 10:30 Uhr