Rauch steigt nach dem Einschlag einer Rakete der syrischen Armee über Duma auf.
Nach dem Einschlag einer Rakete in Duma steigt Rauch auf. Bildrechte: dpa

Ost-Ghouta Berichte über erneuten Giftgaseinsatz in Syrien

Die syrische Armee geht massiv gegen Rebellen in Ost-Ghouta vor. Bei Angriffen auf die Stadt Duma soll das Militär jetzt Chemiewaffen eingesetzt haben. Hilfsorganisationen sprechen von vielen Toten und Verletzten. Die Regierung weist die Vorwürfe zurück. Das US-Außenministerium kündigte eine Untersuchung an.

Rauch steigt nach dem Einschlag einer Rakete der syrischen Armee über Duma auf.
Nach dem Einschlag einer Rakete in Duma steigt Rauch auf. Bildrechte: dpa

Bei einem Luftangriff auf die syrische Rebellenhochburg Duma in Ost-Ghouta soll Giftgas eingesetzt worden sein. Das berichten mehrere Hilfsorganisationen übereinstimmend. Nach ihren Angaben gibt es viele Tote und Verletzte.

Frauen und Kinder unter den Opfern

Die Organisation "Syrian American Medical Society" (SAMS) spricht von mindestens 41 Todesopfern, die Weißhelme sogar von 150. Mehr als 1.000 Menschen seien verletzt worden. Ganze Familien seien in Schutzunterkünften erstickt. Die Zahl der Opfer steige weiter.

Den Weißhelmen zufolge hatte ein Hubschrauber am Samstagabend über Duma eine Fassbombe mit Chemikalien abgeworfen. SAMS erklärte, eine Bombe mit Chlorgas habe ein Krankenhaus getroffen. Zudem habe es einen weiteren Angriff auf ein Gebäude in der Nähe gegeben. Die meisten Opfer seien Frauen und Kinder.

Auch die medizinische Hilfsorganisation UOSSM berichtet von vielen Toten in Folge eines Giftgasangriffs. Vorsitzender Ghanem Tayara sprach wörtlich von einer der schlimmsten chemischen Attacken in der syrischen Geschichte. Die Berichte der Hilfsorganisationen konnten bislang nicht nachgeprüft werden.

Assad-Regierung: Haben das nicht nötig

Die syrische Regierung wies jegliche Verantwortung für den Angriff von sich. Die staatliche Nachrichtenagentur Sana zitiert einen Vertreter mit den Worten, die Armee habe es nicht nötig, bei ihrem Vorstoß in die Rebellenenklave Ost-Ghouta "irgendeine chemische Substanz einzusetzen".

Weiter hieß es bei Sana, Berichte über einen Chemiewaffeneinsatz der Armee dienten nur dazu, das Vorrücken des Militärs zu stoppen. Die Rebellen in der Stadt Duma stünden vor der Niederlage und verbreiteten Unwahrheiten.

Auch Russland erklärte, die syrischen Truppen hätten kein Giftgas im umkämpften Duma eingesetzt. Generalmajor Juri Jewtuschenko sagte der Agentur Interfax, das seien fabrizierte Anschuldigungen.

USA überprüfen Berichte

Die USA erklärten unterdessen, sie wollten die Berichte der Hilfsorganisationen überprüfen. Die Sprecherin des Außenministeriums, Heather Nauert, sagte in Washington, sollten sich die "verstörenden" Meldungen bestätigen, sei eine sofortige Antwort der internationalen Gemeinschaft erforderlich

Das Außenministerium erklärte, die syrische Regierung habe bereits Giftgas gegen das eigene Volk eingesetzt. Dafür trage auch Russland Verantwortung. Moskau müsse seine Unterstützung für den syrischen Machthaber Assad sofort einstellen und mit der internationalen Gemeinschaft zusammenarbeiten. Weitere "barbarische Chemiewaffenangriffe" müssten verhindert werden.

Viele Rebellen schon abgezogen

Die syrische Armee geht seit Wochen massiv gegen Rebellen in Ost-Ghouta vor. Das Gebiet grenzt an die Hauptstadt Damaskus. Ein Großteil der Rebellen hat sich nach Absprachen mit der syrischen Führung inzwischen zurückgezogen. Lediglich die Stadt Duma wird noch von Kämpfern der Gruppe Dschaisch al-Islam gehalten.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 08. April 2018 | 08:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. April 2018, 15:44 Uhr

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32 Kommentare

18.04.2018 13:07 annerose will 32

Die "Weißhelme" gelten schon lange als Handlanger des Westens im Konflikt. Islamisten wurden unterstützt und immer schöne Fotos von (natürlich durch Assads Truppen) verletzten Kindern verbreitet. Infos von denen sind höchst skeptisch zu bewerten. Warum sollte Assad Chlorgas einsetzten und vieles riskieren, wo er doch sowieso das Gebiet nahezu kontrolliert ? Das ist doch völlig unlogisch. Wem nützt also die Meldung "Giftgas eingesetzt" am meisten? Wahrscheinlich pfeifen die sog. "Rebellen", die man eher als Terroristen bezeichnen sollte, die Frauen und Kinder als Geiseln nehmen, auf dem letzten Loch, sodass man mit allen Mitteln an der Propagandafront kämpft.

18.04.2018 09:47 Bernd L. 31

Die Stadt Duma ist jetzt von Islamisten befreit, die Menschen jubeln, feiern Assad (laut britischen TV-Sender, der vor Ort berichtet hat), über
60 T Menschen sind nach Duma zurückgekehrt.
Wird das auch mal berichtet?
Ebenso gab es keine Hinweise auf einen Giftgasanschlag (Dirk Emmerich von ARD, ebenso britischer TV-Sender), alles Fakenews von den Weissen Helmen.
Wann gibt es dazu Berichte?

18.04.2018 08:16 Frank 30

Wieso erscheint ein Artikel vom 8.4.18 hier nochmals am 17.4.18 ?

Was genau wurde wurde, wenn überhaupt, gegenüber dem Artikel vom 8.4. eigentlich geändert bzw. aktualisiert ?

Die Überschrift "Berichte über erneuten Giftgaseinsatz in Syrien" sugeriert dem Leser, dass nach dem 7.4. nun am 17.4. schon wieder ein Angriff stattgefunden haben soll.

Ist das vom MDR so gewollt ?

[Vielen Dank für den Hinweis. Im Artikel wurde lediglich ein Link eingesetzt. Die irritierende Webzeit wurde entsprechend korrigiert. Herzliche Grüße aus der MDR.de-Redaktion]

17.04.2018 19:53 artep 29

Wenn der mdr ein eigenständiger Sender sein will, sollte er seine Journalisten beauftrsgen, die von der funke medien Gruppe oder ähnliches erstellten Artikel zunächst zu prüfen bevor er sie freigibt.

17.04.2018 19:21 Bernd L. 28

In ausländischen Medien gibt es Berichte darüber, dass - nach Überprüfung durch Inspektoren- überhaupt kein Giftgasanschlag stattgefunden hat. Was bringt der MDR dazu?

17.04.2018 17:55 HERBERT WALLASCH, Pirna 27

Was soll uns denn aktualisiert im Artikel erklärt werden, wie ist der aktuelle Stand? Oder sollen wir für jegliche vorbeugenden Angriffe eingestimmt werden?

09.04.2018 20:40 Manuel 26

Würde man geistig dem westlichen Dogma in dieser Geschichte folgen, wäre Assad der wohl seltsamste Kriegsstratege der Neuzeit. Einer, der jedesmal vor einem wichtigen Sieg eine (!) Fassbombe mit Kampfgift über dem fast befreiten Territorium abwerfen läßt. Wahrscheinlich ging ihm alles zu schnell, und er hofft, dass die 'internationale Gemeinschaft' noch auf ein paar Raketen vorbeischaut, weil's sonst zu langweilig ist.
Diese Geschichte versucht man der Öffentlichkeit nun zum... wievielten mal zu verhökern?

09.04.2018 13:22 Lothar_B 25

Es ist alles ein wenig unlogisch. Warum sollte die syrische Armee Giftgas einsetzen, wenn sie auf dem Vormarsch ist? Hier scheint etwas faul zu sein! Aber die Leute lassen sich nicht mehr so einfach für dumm verkaufen.

09.04.2018 09:08 ralf meier 24

@Manistbestandteildesmediensystems Nr 22: Hallo,

Sie schreiben: 'Für die Erklärung dieser Verbrechen braucht es nämlich keine "Dienste" und Verschwörer, da reichen die Herrschenden Verhältnisse vollkommen aus...'

Sie haben ja recht, es braucht keine Interventionen von außen, um sich die Gewalt in diesen Regionen zu erklären. Aber es erleichtert Interventionen interessierter Kreise von außen ganz ungemein.

Zu Ihrer Frage: 'Wer GENAU steckt also hinter der Schweinerei? ' Diese Frage betrachte ich mal als rethorisch. Einige Länder, die sich zur Zeit dort 'engagieren' sind ganz sicher auch Ihnen bekannt .

Die Aussage des Herrn Wallasch: 'Man kennt auch die Dienste, die absolut keine Skrupel haben im Produzieren angeblicher Beweise, denen Menschenleben nur Mittel zum Zweck sind' kann ich mit der Sicherheit desjenigen, der auf seinen Kopf und Sekundärinformationen angewiesen ist bestätigen. Siehe dazu mein Kommentar Nr . 8

09.04.2018 08:18 Paule 23

Endlich darf wieder gebombt werden von den Wächtern des Friedens! Einfach widerlich die Politik und der Journalismus. Kein Verantwortungsgefühl!