Großbritannien EU-Abgeordnete werben für Exit vom Brexit

In einem offenen Brief haben EU-Abgeordnete die Briten zu einem Brexit-Verzicht aufgerufen. Einem Bericht zufolge bereitet sich Brüssel bereits auf eine Verschiebung des Austritts Großbritanniens aus der Union vor. Die britische Regierungschefin May warnte vor den wirtschaftlichen Folgen eines ungeordneten Brexits.

Vor der für Dienstag angesetzten entscheidenden Brexit-Abstimmung im britischen Unterhaus haben mehr als 100 EU-Abgeordnete in einem offenen Brief für einen Verzicht auf den Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union geworben.

"Gemeinsam reformieren und verbessern"

"Wir bitten darum, im Interesse der nächsten Generation den Austritt zu überdenken", heißt es in einem Entwurf des Schreibens, aus dem die Zeitungen der Funke Mediengruppe am Montag zitierten. Jede britische Entscheidung, in der EU zu bleiben, würde man begrüßen und unterstützen. Auch sei man bereit, mit Großbritannien zusammenzuarbeiten, um die EU zu reformieren und zu verbessern, schreiben die EU-Abgeordneten.

May warnt vor Ablehnung

heresa May (M), Premierministerin von Großbritannien, spricht während der Fragestunde Prime Minister's Questions im britischen Parlament
Am Dienstag geht es für May im Unterhaus um den Brexit-Deal und ihr politisches Überleben. Bildrechte: dpa

Das britische Parlament wird am Dienstag in einem entscheidenden Votum über das Brexit-Abkommen zwischen London und Brüssel abstimmen. Eine Ablehnung gilt als sehr wahrscheinlich. In einer Rede vor Fabrikarbeitern in der Brexit-Hochburg Stoke-on-Trent in den englischen Midlands warnte Premierministerin Theresa May am Montag davor, dass im Falle einer Ablehnung des Deals durch die Abgeordneten des Unterhauses der Brexit insgesamt in Gefahr geraten könnte. Im Falle eines ungeregelten EU-Austritts drohten gravierende Folgen für die Wirtschaft.

EU rechnet mit Brexit-Verschiebung

Laut einem britischen Medienbericht bereitet sich die EU bereits auf eine Verschiebung des Brexits vor. Wie der "Guardian" unter Berufung auf hohe EU-Beamte berichtete, halte es Brüssel für unwahrscheinlich, dass die geplante Austrittsfrist bis zum 29. März eingehalten werden könnte. Man erwarte daher, dass London in den kommenden Wochen eine Verlängerung der Austrittsfrist nach Artikel 50 der EU-Verträge beantragen werde. Eine Fristverlängerung bis Juli wäre ein erster Schritt, um May Extrazeit zu geben, das Abkommen zu überarbeiten und durch das Parlament bestätigen zu lassen.

Weber: Keine Verschiebung bis Europawahl

Der Spitzenkandidat der europäischen Konservativen für die Europawahlen in Mai, Manfred Weber, appellierte unterdessen an das britische Unterhaus, dem Brexit-Deal zuzustimmen. In diesem Falle werde auch das EU-Parlament dem Vertrag zustimmen, sagte der CSU-Politiker am Rande der CDU-Bundesklausur in Potsdam.

Zuvor hatte Weber in einem Interview mit der "Bild"-Zeitung allerdings klar ausgeschlossen, dass sich ein EU-Austritt der Briten solange verzögert, dass die Briten noch an der Europawahl im Mai teilnehmen könnten. "Die Deadline 29. März 2019 ist von der britischen Regierung selbst gewählt", sagte der CSU-Politiker dem Blatt: "Wenn es zu einer Frist-Verlängerung kommt, sagen wir: Nicht über die Europawahl hinaus."

CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer hat sich gegen eine Debatte über eine Verschiebung des Brexit-Datums zum jetzigen Zeitpunkt ausgesprochen. Man dürfe der Entscheidung des Unterhauses nicht vorgreifen. Dagegen plädiert die Grünen-Chefin Annalena Baerbock dafür, Großbritannien gegebenenfalls mehr Zeit für für einen geordneten Brexit zu gewähren.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 14. Januar 2019 | 07:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. Januar 2019, 13:38 Uhr

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21 Kommentare

15.01.2019 11:41 INFO 21

Die Autoindustrie arbeitet heute quasi ohne Lagerhaltung. Zulieferer stellen Teile "just in time" bereit, die direkt nach Ankunft verarbeitet werden. Mit Wartezeiten wegen der Zollabfertigung wird dies kaum möglich sein, wie der europäische Autoherstellerverband Acea warnt. Unternehmen arbeiten deshalb an Notfallplänen. BMW kündigte bereits an, die jährliche Schließung seines britischen Werks für den Mini zu Wartungszwecken direkt auf die Zeit nach dem Brexit zu verlegen.

15.01.2019 09:06 emil 20

die eu deren abgeordnete und die roten um corbyn in england werden alles torpedieren, ohne das ein gran verbesserung der britischen lage damit erreicht wird.
das ist das eigentlich traurige in dem spiiel.

14.01.2019 22:30 annerose will 19

Ich würde dies so interpretieren: Die ganze Kanonade der westlichen Globalisierer gegen die Wahrung der nationalen Interessen GB's war möglicherweise erfolglos. Offenbar hat die EU mehr Angst vor einem "Brexit" als die Briten selbst...Übrigens der Satz "Im Falle eines ungeregelten EU-Austritts drohten gravierende Folgen für die Wirtschaft." ist absolut unbewiesen. GB wird sehr wohl in der Lage sein wieder viele Dinge nach und nach selbst im Lande herzustellen. Im Gegenteil- die Globalisierung schadet in vielen Regionen der Erde den einfachen Menschen mehr ,als daß sie ihnen nützt. Nutzen ziehen v.a. die globalen Konzerne und die mit ihnen verwobenen Eliten. Auch schadet die ungehemmte Globalisierung der Umwelt: Was machen Äpfel aus Südafrika, Stahl und Granit aus China u.v.m. in großem Stil in Deutschland ? Nur weil es billiger ist ? Es kann auch alles hier regional hergestellt werden von hier arbeitenden Menschen auch wenn es vielleicht etwas mehr kostet.

14.01.2019 22:24 Peter 18

@16 007: Es scheint in Ihrer alternativen Gedankenwelt nicht vorstellbar, dass die Freunde Großbritanniens den Briten helfen wollen, aus einem selbstverschuldeten Dilemma herauszufinden.

14.01.2019 22:17 Theo Clüver 17

GB hatte ja schon immer Sonderstellung in der EU, die könnten bei Verbleib ausgeweitet werden wenn sich Insel auf erneuten Deal mit Festland 'gnädig' bereiterklärt.

14.01.2019 21:05 007 16

EU-Abgeordnete werben für Exit vom Brexit.

Ist das nicht erbärmlich dieses Anbiedern Freunde? Erst macht die EU alles unmögliche möglich um den Briten den Brexit so schwer wie möglich zu machen u jetzt so ein Katzengejammer? Pfui. Die EU wird bald an gekrochen kommen u Abkommen mit England suchen, weil diese Brüsseler Borniertheit allen nur schadet. Die Eurokraten haben es immer noch nicht gerafft. Wir alle sind, u wollen, ein verwobenes Europa bleiben, aber keine Brüsseler EU. Ups mein Ischias klemmt ...

14.01.2019 21:01 CDU Wählerin 15

lt Kalender noch paar tage bis APRIL APRIL ^^

unverständlich das sich hier Laien aufregen, bleibt GB ist das für ganz Europa super und billiger

14.01.2019 20:46 Peter 14

@10: Noch ein Hinweis: Vor einem Jahr skandierte die alternative Gemeinde, als Jamaika in den Sand gesetzt wurde, "Neuwahlen".
In Bezug auf den offenen Brief meint man: "Gewählt ist gewählt".
Hier trifft wieder mal zu: Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern.

14.01.2019 20:28 JanoschausLE 13

@8...traurig zu sehen, wie Sie offensichtlich von nix nen Plan haben, hier aber "klug" schreiben (möchten)

14.01.2019 19:21 Hannoveraner 12

@8
Der einzige, der Demokratie nicht verstanden hat und diese offenbar ablehnt sind offenkundig nur Sie. Die genannten Parlamentarier haben wie jeder andere Bürger das demokratische Recht, ihre Meinung zu äußern, auch wenn Ihnen oder den Brexiteers diese nicht gefällt. Es ist typisch für die Brexit-Fans, die seit dem Referendum 48% der Abstimmenden die Meinung verbieten wollen. Wahre Demokratiefeinde!