David Lidington, Theresa May und Philip Hammond
Wird Vize-Premier Lidington (links) Mays Nachfolger? Finanzminister Hammond (rechts) dementiert die Gerüchte. (Archivbild) Bildrechte: dpa

Zeitungsberichte Britisches Kabinett will May ablösen

Britischen Medienberichten zufolge planen Mitglieder des Kabinetts die Ablösung von Premierministerin May. Mehrere Nachfolgekandidaten sind im Gespräch. Vom Ausgang hängt ab, ob es einen harten oder weichen Brexit gibt.

David Lidington, Theresa May und Philip Hammond
Wird Vize-Premier Lidington (links) Mays Nachfolger? Finanzminister Hammond (rechts) dementiert die Gerüchte. (Archivbild) Bildrechte: dpa

Mehrere Mitglieder des britischen Kabinetts planen Medienberichten zufolge die Ablösung von Premierministerin Theresa May. Die "Sunday Times" berichtete, May sei einem "ausgewachsenen Kabinettscoup" ausgeliefert. Elf Minister hätten bestätigt, dass sie wollen, dass May für einen Interimsnachfolger Platz macht. Die Regierungschefin solle demnach am Montag in der Kabinettssitzung mit den Rücktrittsforderungen konfrontiert werden.

Lidington, Hunt und Gove im Gespräch

Dem "Times"-Bericht zufolge könnte der EU-freundliche Vize-Premier David Lidington als Interimsregierungschef einspringen. Der 62-jährige bisherige Kabinettschef von May soll demnach einen neuen Kurs für den EU-Austritt ausloten und im Herbst für einen neuen Premierminister Platz machen. Auch Außenminister Jeremy Hunt wird demnach als Kandidat gehandelt.

Michael Gove
Auch Brexit-Befürworter Gove wird als Kandidat für die Nachfolge gehandelt. Bildrechte: dpa

Die "Mail on Sunday" berichtete, May könne "binnen Tagen" abgelöst werden. Das Blatt bringt dabei Umweltminister Michael Gove als potentiellen May-Nachfolger ins Spiel. Nach dem Brexit-Referendum 2016 unterstützte der frühere Justizminister zunächst Brexit-Hardliner Boris Johnson bei seiner Kandidatur für das Amt des Premierministers. Im letzten Moment entschied sich Gove jedoch, selbst zu kandidieren, wenn auch zunächst ohne Erfolg.

Finanzminister weist Putschgerüchte zurück

Eine Regierungssprecherin bezeichnete die Zeitungsberichte als "Spekulationen". Auch Finanzminister Philip Hammond rechnet seinen Worten nach nicht mit einem Putsch gegen May. "Nein, ich glaube gar nicht, dass dem so ist", antwortete er dem Sender Sky am Sonntag auf die Frage nach den Absetzungsgerüchten. Ein Austausch der Premierministerin würde nicht helfen, sondern sei derzeit reine Selbstbeschäftigung.

Frage von entscheidender Bedeutung

Für den Brexit ist die Frage um Mays politisches Überleben dennoch von entscheidender Bedeutung. Die Europäische Union hatte vorige Woche einem Aufschub des geplanten EU-Austritts des Vereinigten Königreiches bis mindestens 12. April zugestimmt.

Sollte im innerbritischen Machtkampf ein Brexit-Hardliner die Premierministerin stürzen, würde ein baldiger chaotischer No-Deal-Brexit immer wahrscheinlicher. Würde hingegen ein gemäßigter Konservativer wie Lidington May als Regierungschef ersetzen, könnten die Chancen eines geregelten Brexits oder eines noch längeren Aufschubs für den EU-Austritt sogar steigen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL FERNSEHEN | 24. März 2019 | 10:55 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 24. März 2019, 14:08 Uhr

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17 Kommentare

25.03.2019 20:56 Klaus 17

@ { 25.03.2019 15:51 Fragender Rentner }
Nein, von Besorgtenpolitiker ist das nicht zu erwarten.
Die bekommen nichts gebacken.
Dabei wäre die Lösung so einfach, man müsste sich nur an Norwegen oder der Schweiz orientieren.
Stattdessen überlegen die, ob die sich gegenseitig austauschen oder absetzen.

25.03.2019 19:29 Jakob 16

Außerdem wäre das kein Putsch. Da stehen ja keine Militärs mit Maschinenpistolen, die die Macht an sich reißen wollen.

25.03.2019 19:27 Jakob 15

Ich gebe nicht besonders viel auf diese Putsch-Weissagungen. Welcher Politiker klaren Kopfes möchte sich in dieser Situation selbst zum Verlierer machen. Das Parlament bleibt zerstritten, egal wie der Premiereminister heißt. Das ist es doch viel praktischer, die May weiter als Sündenbock dastehen zu lassen. Viel interessanter ist die Frage, ob das Parlament in dieser Woche endlich über verschiedene Brexit-Varianten abstimmt und für irgend etwas eine Mehrheit finden kann. Wenn es für den May-Deal weiter keine Mehrheit gibt - und so sieht es aus, dann läuft das auf eine weitere Brexitverschiebung hinaus. Denn gegen den No-Deal-Brexit haben sie ja schon votiert.

25.03.2019 15:51 Fragender Rentner 14

Will, wollen, werden usw. !!!

Tuen sie es auch ???

25.03.2019 11:35 Wessi 13

@ 11 Wer ist "niemand"? Ihnen geht es doch nur um eines: die EU kaputt zu machen.Allein die Unwahrheit "es sei denn es bleibt auf London beschränkt" ignoriert z.B. Schotten+Nord-Iren. Und es gibt tatsächlich erstens Menschen in GB die die Lügen, die zum Votum führten, begriffen haben, zweitens sind aus natürlichen Gründen eine Reihe von Brexit-Befürwortern heute nicht mehr da+die Jugend ist ohnehin pro EU. Drittens bleibt der britischen Regierung vllt. gar nichts anderes mehr übrig als Art.50 zurückzuziehen, denn es gab eine Mehrheit im frei gewählten Parlament die besagte, daß man "ohne deal" nicht austritt.May würde sich also noch mehr gg. das eigene Parlament stellen.Da GB keine Verfassung hat, kann sie ganz allein entscheiden.Klar ist auch,daß die EU nicht neu verhandelt+auch,daß es bis z.12.04. eine Entscheidung geben muß,sonst muß GB mitwählen.

25.03.2019 10:46 Klaus 12

@ { 25.03.2019 09:22 Wo geht es hin? }
Unsere Besorgten schreiben immer wieder den selben Unsinn.
Nicht wählen bis es passt, sondern mal eine Abstimmung wo die Fakten und eben nicht die Lügen auf dem Tisch liegen.
Aber wie schon geschrieben, taugt diese Brexit-Abstimmung und das nachfolgende Chaos zumindest als abschreckendes Beispiel und jeder kann sehen wohin Besorgtenpolitik führt, nämlich ins Chaos.

25.03.2019 09:22 Wo geht es hin? 11

@Federico - Zitat von Ihnen: "Peoples Vote wird diesen Brexit " verschrotten." Zitat Ende. Was macht Sie da so sicher? Ich glaube nicht einmal, dass dieses "Peoples Vote" kommen wird. Es gab ja schon eine Volksabstimmung und es wäre niemandem glaubhaft vermittelbar, warum das noch mal gemacht werden sollte und hätte ausserdem ein höchst undemokratisches Geschmäckle. Wählen, bis es passt und so. Und selbst wenn - der Ausgang wäre höchst ungewiss. Ausser, es wird auf London beschränkt...

25.03.2019 09:19 Klaus 10

@ { 25.03.2019 06:29 Horscht }
Bei uns läuft so ziemlich alles besser, weil klar ist, dass wir in der EU bleiben.
In GB weiß man überhaupt nichts. Man weiß nur, dass alle Vorschläge der Regierungschefin abgelehnt werden. Und ob die Regierungschefin in GB nächste Woche noch im Amt ist, ist auch nicht sicher.
Von daher sehe ich schon erhebliche Unterschiede zum Brexit-Chaos in GB.

25.03.2019 06:29 Horscht 9

@6 Klaus, ich weiß nicht was bei uns besser läuft? Auch wir wissen nicht was morgen ist, denn unsere Politiker treiben doch auch jeden Tag eine neue Sau durch Dorf.

24.03.2019 22:21 Hossa 8

Wer will sich diese Rute aufs Kreuz binden lassen?