Premierministerin Theresa May und Labour-Chef Jeremy Corbyn.
Premierministerin May hat Oppositionsführer Corbyn dazu aufgerufen, auf Kompromisssuche im Brexit-Streit zu gehen (Archivbild). Bildrechte: dpa

Nach Wahldebakel Brexit: May will Deal mit Opposition

Nach dem Kommunalwahl-Debakel ihrer Konservativen hat die britische Premierministerin May Labour-Chef Corbyn zu einem Brexit-Deal aufgerufen. Sie ist bereit, eine begrenzte Zollunion mit der EU zu akzeptieren.

Premierministerin Theresa May und Labour-Chef Jeremy Corbyn.
Premierministerin May hat Oppositionsführer Corbyn dazu aufgerufen, auf Kompromisssuche im Brexit-Streit zu gehen (Archivbild). Bildrechte: dpa

Nach dem Debakel ihrer Konservativen Partei bei den Kommunalwahlen in Großbritannien hat Premierministerin Theresa May Oppositionsführer Jeremy Corbyn zu einer gemeinsamen Lösung in der Brexit-Krise aufgerufen. In einem Gastbeitrag für die "Mail on Sunday" schlug die Tory-Vorsitzende dem Labour-Chef einen "Deal", ein Geschäft, vor.

May begründete ihre Offerte damit, dass die Öffentlichkeit über die Verzögerungen beim EU-Austritt Großbritanniens frustriert sei. Sie forderte Corbyn auf, auf das Wählervotum zu hören und die gemeinsamen Differenzen vorübergehend zur Seite zu schieben. Corbyn bezeichnete die Wahlergebnisse als "Anstoß" für die festgefahrenen Gespräche.

Zollunion, Warenverkehr, Arbeitnehmerrechte

Die britische Premierministerin Theresa May spricht während einer Debatte vor einem Misstrauensvotum gegen ihre Regierung, das von Oppositionsführer Corbyn beantragt wurde.
Bislang hat May eine vorübergehende Zollunion strikt abgelehnt. Bildrechte: dpa

Laut einem Bericht der "Sunday Times" wäre May unter anderem bereit, bis zur nächsten Parlamentswahl 2022 in einer Zollunion mit der Europäischen Union zu bleiben. Zudem könne sie EU-Regulierungen beim Warenverkehr weitgehend akzeptieren. Außerdem könnte die Regierungschefin zugestehen, Arbeitnehmerrechte der EU in nationales britisches Recht zu übernehmen. May strebte bislang einen Rückzug aus der Zollunion und aus dem europäischen Binnenmarkt an.

Konflikte innerhalb der Parteien

Jeremy Corbyn
Auch Corbyn riskiert, mit einem Deal einen Großteil seiner Parteifreunde zu verprellen. Bildrechte: Jessica Taylor/UK Parliament/dpa

Ein Kompromiss zwischen Mays Torys und Corbyns Labour Party für einen baldigen EU-Austritt könnte allerdings auf beiden Seiten die innerparteilichen Konflikte weiter anheizen. Konservative Brexit-Hardliner lehnen einen Verbleib in einer Zollunion mit der EU klar ab. Ein Großtiel der Labour-Abgeordneten wiederum hat ebenfalls kein Interesse an einer Einigung im Brexit-Streit, allerdings aus einem ganz anderen Grund. Sie streben ein zweites Brexit-Referendum mit der Option eines Verbleibs Großbritanniens in der EU an.

Wahlschlappe für Konservative

Bei den Kommunalwahlen in Großbritannien am Donnerstag hatten Mays Konservative mehr als ein Drittel ihrer bisher 4.000 Mandate eingebüßt. Auch die Labour-Partei büßte Sitze ein, wenn auch deutlich weniger als die Torys. Klare Gewinner waren die EU-freundlichen Liberaldemokraten mit mehr als 700 zusätzlichen Sitzen sowie die britischen Grünen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 05. Mai 2019 | 12:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. Mai 2019, 17:05 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

4 Kommentare

06.05.2019 17:15 Fragender Rentner 4

Haben wir nicht tolle Politiker in der EU?

06.05.2019 06:24 Carolus Nappus 3

Entweder lebt May da in einer eigenen Blase oder ihr Geschäft ist es, der Öffentlichkeit zu zeigen, wie dumm der Brexit wäre. Dann betreibt sie ihr Geschäft natürlich sehr geshickt.
"Die Öffentlichkeit" ist mitnichten über die Verzögerungen beim Brexit frustriert. Das kann gemessen am Abstimmungsergebnis nur für den Teil der Bevölkerung gelten, die sich damals für den Brexit entschieden haben. Gemessen an der Bevölkerung gab es ja nichtmal dafür eine Mehrheit. Dieser Teil der Bevölkerung dürfte eher noch kleiner geworden sein.
Im dümmsten Fall läuft es auf einen Brexit hinaus und es spalten sich dann Landesteile ab. Dann sind die Austrittsbefürworter vielleicht wirklich endlich in der Mehrheit, zumindest im verbliebenen Restkönigreich.

05.05.2019 18:26 Anton 2

Mit Zirkus sollte man Schluss machen. Sie wollten weg, so müssen sie weg, und zwar schnell.

05.05.2019 18:12 Klaus 1

Ich bin nur froh, dass über solche überflüssigen Fragen bei uns erst gar nicht gestritten wird.
Wenn ich mir das Abstimmungs-Chaos im Vorfeld der Wahlen und jetzt die Wahlergebnisse anschaue, dann kann ich da an keinem Punkt etwas gutes entdecken.
Das hat Cameron sicherlich nicht bedacht, dass man nach 3 Jahren immer noch heftigst über den Brexit streitet.
Und die Sache mit dem Deal hat man doch schon besprochen und ist kläglich gescheitert. Was soll da jetzt besser funktionieren?