Fahnen des Vereinigten Königreichs Großbritannien hängen 2017 in einem Geschäft vor einem Schild mit der Aufschrift 'Exit'.
Für den EU-Austritt gibt es derzeit viele Szenarien. Bildrechte: dpa

Mögliche Szenarien Neuwahl, zweites Referendum oder Rückzug vom Brexit

Nach der klaren Ablehnung des Brexit-Vertrags im britischen Unterhaus, ist völlig offen wie es weitergeht. Denkbar sind verschiedene Szenarien. Doch die Zeit bis zum Austrittstermin Ende März wird immer knapper.

Fahnen des Vereinigten Königreichs Großbritannien hängen 2017 in einem Geschäft vor einem Schild mit der Aufschrift 'Exit'.
Für den EU-Austritt gibt es derzeit viele Szenarien. Bildrechte: dpa

Erneute Abstimmung

Nach der klaren Niederlage mit 432 zu 202 Stimmen hat eine zweite Abstimmung über den Brexit-Deal derzeit kaum Aussicht auf Erfolg. Allerdings könnten immer mehr Brexit-Hardliner ins Wanken geraten, je näher der Brexit-Termin kommt. Sie könnten sich dann doch davon überzeugen lassen, dass ein Austrittsvertrag alle mal besser ist, als ein ungeregelter Austritt.

Die EU könnte mit Zugeständnissen ebenfalls dafür sorgen, dass Abgeordnete ihre Ablehnung aufgeben und dem Vertrag im zweiten Anlauf zustimmen.


Zweites Brexit-Referendum

In Großbritannien gibt es quer durch die Parteien Rufe nach einem zweiten Referendum. Es ist allerdings unklar, über was dabei abgestimmt werden soll - ob erneut über den Austritt aus in der EU oder über den Brexit-Deal.


Verschiebung des Austritts

Egal ob es Neuwahlen, ein zweites Referendum oder Nachverhandlungen geben sollte, die Zeit dafür bis zum Austrittstermin Ende März ist knapp. Deshalb wird auch über eine Verschiebung des Austritts nachgedacht. Dem müssten aber die anderen EU-Staaten einstimmig zustimmen.

Für ein zweites Referendum etwa müsste der Termin um mindestens fünf Monate verschoben werden. Diesen Zeitraum schreibt die britische Wahlkommission vor. Das würde wiederum mit den Wahlen zum Europaparlament Ende Mai kollidieren. Würde der EU-Austritt über diesen Termin hinaus verschoben, müssten erneut auch britische Abgeordnete ins EU-Parlament gewählt werden.


Rückzug vom Brexit

Möglich ist auch, dass die britische Regierung den Antrag auf Austritt aus der Europäischen Union zurückzieht. Das wäre selbst kurz vor dem Austrittstermin möglich. Im Dezember hatte der Europäische Gerichtshof so entschieden.

Ein EU-Austritt wäre damit aber nicht vom Tisch. Die britische Regierung und die EU hätten aber Zeit für weitere Verhandlungen gewonnen. Allerdings stehen die Chancen für einen Rückzug eher schlecht. Denn das britische Parlament müsste ihm zustimmen und bisher spielte ein Rückzieher in der Diskussion auf der Insel keine Rolle.


"Halbe" Mitgliedschaft nach dem Norwegen-Modell

Einige britische Politiker liebäugeln auch mit der "Norwegen-Option", die eine Art "halbe" EU-Mitgliedschaft ermöglichen würde. Großbritannien bliebe dabei im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) und im EU-Binnenmarkt.

Dann müssten die Brexit-Befürworter aber auf ihre Forderung verzichten, die Arbeits- und Niederlassungsfreiheit für EU-Bürger zu beschränken. Zudem müsste Großbritannien weiter Mitgliedsbeiträge an die EU zahlen, hätte aber kein Stimmrecht mehr bei Entscheidungen zur Weiterentwicklung des Binnenmarktes.


Brexit ohne Abkommen

Kommt kein Brexit-Deal zustande, droht ein chaotischer Austritt. Beziehungen aus 45 Jahren EU-Mitgliedschaft würden schlagartig am 29. März 2019 gekappt: Flugzeuge müssten womöglich am Boden bleiben, Waren würden am Zoll feststecken und Reisende in Grenzkontrollen.

Sollte es soweit kommen, könnten beide Seiten lediglich Notvereinbarungen schließen. Einige Regelungen könnten nach Angaben von EU-Diplomaten auch für ein paar Monate verlängert werden. Die EU-Kommission hat dabei insbesondere den Luftverkehr, Aufenthalts- und Visafragen sowie Finanzdienstleistungen als vorrangige Bereiche ausgemacht.

Zuletzt aktualisiert: 16. Januar 2019, 20:32 Uhr