Sultan Haji Hassanal Bolkiah von Brunei inspiziert die Ehrenwache.
Hassanal Bolkiah von Brunei inspiziert seine Ehrenwache: Der Sultan regiert das Land als absoluter Monarch. Bildrechte: imago images / Xinhua

Brief an EU-Parlament Brunei verteidigt Steinigung von Homosexuellen

Brunei hat die Einführung der Todesstrafe gegen Homosexuelle verteidigt. In einem Brief an das EU-Parlament forderte das Sultanat zugleich Toleranz und Respekt gegenüber seiner Rechtssprechung.

Sultan Haji Hassanal Bolkiah von Brunei inspiziert die Ehrenwache.
Hassanal Bolkiah von Brunei inspiziert seine Ehrenwache: Der Sultan regiert das Land als absoluter Monarch. Bildrechte: imago images / Xinhua

Brunei hat die Einführung der Todesstrafe für Homosexuelle gegen alle Kritik verteidigt. In einem vom britischen "Guardian" zitierten vierseitigen Brief des Sultanats an die Abgeordneten des Europa-Parlaments heißt es, im Hinblick auf den Wunsch des Landes, seine traditionellen Werte und seine "Familienlinie" zu bewahren, fordere man "Toleranz, Respekt und Verständnis".

Die Kriminalisierung von Ehebruch und Unzucht soll die Unantastbarkeit der Familienlinie und der Ehe von verschiedenen Muslimen gewährleisten, insbesondere von Frauen.

Brief des Sultanats Brunei an das EU-Parlament "The Guardian"

Steinigung nur selten vollstreckt

Ein Kind geht an der Sultan-Omar-Ali-Saifuddin-Moschee in Bandar Seri Begawan vorüber
Die Sultan-Omar-Ali-Saifuddin-Moschee in der Hauptstadt Bandar Seri Begawan: Zwei Drittel von Bruneis Bevölkerung sind Muslime. Bildrechte: dpa

Zudem wurde darauf verwiesen, dass die für gleichgeschlechtlichen Sex vorgesehene Strafe der Steinigung nur sehr selten vollstreckt werde, da zwei Männer von "hohem moralischem Rang und Frömmigkeit" als Zeugen erforderlich seien.

In dem vom "Guardian" zitierten Brief des Sultanats an das EU-Parlament heißt es weiter, die internationale Kritik sei auf ein Missverständnis zurückzuführen.

Härtere Strafgesetze auf Scharia-Basis

Am 3. April waren im südostasiatischen Sultanat Brunei härtere Strafgesetze in Kraft getreten. Verschärft wurden neben den Strafen für Homosexualität auch die Strafen für Diebstahl. So müssen verurteilte Diebe damit rechnen, dass ihnen Hände und Beine amputiert werden. Das Sultanat beruft sich bei den harten Strafen auf die Scharia, die im weiten Sinne die religiösen und rechtlichen Normen im Islam regelt.

EU-Parlament fordert Abschaffung

Die rigiden Gesetzesverschärfungen in Brunei sorgten weltweit für Empörung. Das EU-Parlament forderte das Sultanat auf, die Todesstrafe für homosexuelle Männer unverzüglich wieder abzuschaffen. Insgesamt müsse das Strafrecht auf Grundlage der islamischen Scharia aufgehoben werden, verlangte das Parlament vergangene Woche in einer Entschließung. Zugleich forderte es den diplomatischen Dienst der EU auf, Sanktionen gegen Brunei zu prüfen, zum Beispiel das Einfrieren von Vermögenswerten, Visa-Verbote und eine schwarze Liste von Hotels.


Prinz Abdul Malik feiert Hochzeit
Sultan Hassanal Bolkiah bei der Hochzeit seines Sohnes Prinz Abdul Malik. Bildrechte: IMAGO

Brunei: Religion und Rechtssystem Das auf der südostasiatischen Insel Borneo gelegene Sultanat Brunei ist eine absolute Monarchie. Sultan Hassanal Bolkiah regiert das Land seit 1984 an der Spitze eines Ministerrats. Staatsreligion ist der sunnitische Islam. Zwei Drittel der mehr als 420.000 Einwohner sind Muslime (Malaien). Zehn Prozent sind Christen. Seit der Unabhängigkeit von Großbritannien 1984 basiert das Strafgesetz von Brunei auf dem islamischen Scharia-Gesetz und dem britischen Common Law. Höchste Strafe ist die Todesstrafe. Sie wurde allerdings seit 1984 nicht vollstreckt. Auch seit der Einführung einer verschärften Scharia-Gesetzgebung 2014 ist kein Fall einer vollstreckten Todesstrafe bekannt. Schwule und Lesben werden in der ehemaligen britischen Kolonie seit Langem unterdrückt. Bislang standen auf homosexuelle Beziehungen bis zu zehn Jahre Haft.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 23. April 2019 | 02:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. April 2019, 10:50 Uhr

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59 Kommentare

25.04.2019 07:20 Querdenker 59

siehe „tagesspiegel Todesstrafe für gleichgeschlechtlichen Sex: Brunei will Homosexuelle steinigen lassen“

Zitat: „In Brunei gab es in jüngerer Zeit mehrfach Todesurteile. Hingerichtet wurde aber schon seit Jahren niemand mehr.“

Was werden wohl Homosexuelle den lieben langen Tag machen, wenn gegen sie die Todesstrafe verhängt und (wenn sie Glück haben) nicht vollstreckt wird? Im Prinzip ist das psychische Folter und das unter mutmaßlich schlechten Haftbedingungen. Wie hoch wird die Selbstmordrate sein? Jederzeit können in so einem muslimischen Land Kräfte Einfluss gewinnen, bei denen dann das Urteil auch vollstreckt wird. Auch führt der Staat diese Scharia Gesetze nicht aus lange Weile ein, man kann daran eine Tendenz bzw. Richtung erkennen.

Wer den Islam insgesamt und sehr konservativ lebt, wacht in einem islamischen Staat mit islamischen Recht (Scharia) auf. Der politische Islam ist ein natürlicher Teil vom Islam.

24.04.2019 14:59 Klaus 58

@ { 24.04.2019 14:22 Bernd }
Da haben Sie recht, es ist auf jeden Fall ein Fortschritt, dass die Exekutionen in den USA zurückgehen. Leider gilt das nicht für die Versorgung radikaler Staaten mit Waffen.
Da hat Brunei ein komplett weiße Weste und daran könnte sich auch Europa ein Beispiel nehmen.
Von daher gilt nach wie vor, dass man hier die eigene Doppelmoral übersieht.
Ich bin dafür, dass auch in Brunei die Menschen wegen ihrer sexuellen Ausrichtung nicht benachteiligt werden. Aber ich bin auch dafür, dass man die Missstände beseitigt und radikalen Staaten nicht bei Mord und Krieg mit Waffenlieferungen behilflich ist.
Von daher meine Aufforderung an die EU, nicht nur bei anderen einfordern, auch die eigene Politik überprüfen und dringend korrigieren.

24.04.2019 14:22 Bernd 57

@48 man muss nicht sein Herz fuer Schwule entdecken sofern man toleriert dass sie eben bei der Beziehung und Partnerschaft andere Praemissen haben. Aber deswegen kann man auch trotzdem wenn Schwule gesteinigt werden, was ja lt. Gesetzgebung moeglich waere. Und da hilft es auch nicht zu kommen dass auch andere Laender die Todesstrafe anwenden. Wobei in den USA ist es ja staatenspezifisch ist, immer mehr Staaten die Todesstrafe abschaffen und auch die Zahl der Executionen zurueckgeht.

24.04.2019 11:00 Klaus 56

@ { 23.04.2019 22:21 Walter }
Ob der Islam zu Europa gehört, das ist hier nicht die Frage.
Die Realität ist nun mal, das der Islam in Europa ist und die Mehrheit der Moslems die hiesigen Werte akzeptiert.
In Brunei werden andere Werte gelebt und das spiegelt sich in der örtlichen Gesetzgebung wieder. Wenn Minderheiten unterdrückt werden, dann ist das nicht gut und auch nicht mit unseren Werten vereinbar.
Aber wenn es um das Geschäft geht, da kann man auch bei uns eine gewisse Doppelmoral erkennen, beispielsweise bei der Waffenpolitik.
Europa muss erst mal lernen seine eigenen Werte überall bei sich selbst einzubringen, bevor man andere Länder belehren will.

24.04.2019 07:19 Mentor an 48 55

Selbst wenn es so wäre, empfehle ich Ihnen als "Denkschnecke" sich mal über den Unterschied zwischen Ablehnung und Hinrichtung zu informieren. Selbt wenn beides auf "ung" endet, ist das nicht dasselbe. Sich das Maul zerreissen und jemanden mit Steinen erschlagen ist noch nicht mal so ähnlich.

Was Syrien angeht, beschweren sie sich bitte bei der Bundesregierung, die 2014/15 ihre UN-Lebensmittelhilfe für Syrien von 28 Mio. US-Dollar auf NULL und für die gesamte Region von 301 auf 143 Mio. gekürzt hat und damit maßgeblich dazu beitrug, die Fluchtwelle auszulösen.

- Heise Telepolis: "EU-Staaten hatten 2015 fast durchweg Hilfen für syrische Flüchtlinge gekürzt ", 25.09.15
- FAZ: "Wie der Hunger die Syrer in die Flucht trieb", 08.11.15

23.04.2019 23:06 Norbert NRW 54

@48 typisch Deutsch ? Gibt's das noch ? Oder sollten Sie vielleicht mal selber ihren Post lesen ? Denn das ist für mich typisch deutsch, sich in so wenigen Zeilen selbst mehrmals zu widersprechen und Themen zu verstricken die nichts miteinander zu tun haben, nur um ein Statement für was auch immer abzugeben.

23.04.2019 23:03 Dieter 53

Denkschnecke:
Es geht nicht primär um Schwule, sondern um die Scharia, die unseren Werten konträr gegenüber steht.
"Syrische Ärzte mindern unseren Ärztemangel" hat nicht nur nix mit dem Thema zu tun, sondern ist auch falsch (ein syrischer Arzt hat nicht die Ausbildung, die wir brauchen, ist aber von gewaltigem Nutzen für sein Heimatland.)
Sie sollten ihren Nick ändern- der erste Teil passt nicht.

[Liebe User,
bitte bleiben Sie beim Thema.
Kommentare ohne Bezug zum Thema des Artikels werden entsprechend unserer Kommentarrichtlinien (http://www.mdr.de/service/kommentarrichtlinien100.html) nicht freigegeben.
Ihre MDR.de-Redaktion]

23.04.2019 22:56 Klaus 52

@ { 23.04.2019 19:25 Norbert NRW }
Wenn sich jemand selbst regeln auferlegt und dabei nicht gegen gültige Gesetze des jeweiligen Landes verstößt, dann ist das auch nicht zu beanstanden. Das gilt für alle Religionen. Und bei der Rechtsprechung gelten sowieso nur die Gesetze des jeweiligen Staates. Ich kenne da keine anderslautende Forderung.

23.04.2019 22:21 Walter 51

Erst einmal ist Brunei ein souveräner Staat, welcher seine eigenen Gesetze machen kann. Das hat auch die EU zu akzeptieren.

Jetzt sehen aber die ganzen Gutmenschen das wahre Gesicht des islam. Und das sind keine Einzeldinge, sondern für den Islam gemäß Sharia Gesetz.

Der Islam gehört einfach nicht zu Europa und schon gar nicht zu Deutschland. Was braucht man eigentlich noch für Beispiele?

23.04.2019 22:16 Mentor 50

Selbst wenn es so wäre, empfehle ich Ihnen als "Denkschnecke" sich mal über den Unterschied zwischen Ablehnung und Hinrichtung zu informieren. Selbt wenn beides auf "ung" endet, ist das nicht dasselbe. Sich das Maul zerreissen und jemanden mit Steinen erschlagen ist noch nicht mal so ähnlich.

Was Syrien angeht, beschweren sie sich bitte bei der Bundesregierung, die 2014/15 ihre UN-Lebensmittelhilfe für Syrien von 28 Mio. US-Dollar auf NULL und für die gesamte Region von 301 auf 143 Mio. gekürzt hat und damit maßgeblich dazu beitrug, die Fluchtwelle auszulösen.

- Heise Telepolis: "EU-Staaten hatten 2015 fast durchweg Hilfen für syrische Flüchtlinge gekürzt ", 25.09.15
- FAZ: "Wie der Hunger die Syrer in die Flucht trieb", 08.11.15