Nach Vergiftung Charité: Nawalny aus stationärer Behandlung entlassen

Wochenlang war der russische Oppositionspolitiker Nawalny nach einer Vergiftung im Koma. Gut einen Monat wurde er in der Berliner Charité behandelt. Nun wurde er aus der stationären Behandlung entlassen. Der Kreml äußerte sich erfreut über die Genesung Nawalnys und sprach zugleich die Erwartung seiner Rückkehr aus.

Alexej Nawalny geht  in in der Berliner Universitätsklinik Charité eine Treppe hinunter
Auf Instagram hatte Nawalny seine Besserung dokumentiert. Am Samstag postete er erstmals ein Foto, auf dem er wieder eigenständig stehen kann. Bildrechte: dpa

Der russische Oppositionspolitiker Alexej Nawalny ist aus der Berliner Charité entlassen worden. Wie das Krankenhaus mitteilte, verbesserte sich sein Gesundheitszustand inzwischen soweit, dass die akutmedizinische Behandlung beendet werden konnte. Nawalny und seine Ehefrau hätten der Veröffentlichung seines Gesundheitszustands zugestimmt.

Kreml "erfreut" über Nawalnys Genesung

Aus dem Kreml in Moskau hieß es, man sei erfreut, dass die Genesung des 44-Jährigen voranschreite. Wie jeder andere Russe könne Nawalny nun in sein Heimatland zurückkehren. Man werde sehen, ob er mit russischen Sicherheitsbehörden sprechen und Informationen über seinen Fall teilen wolle. Das Umfeld von Präsident Wladimir Putin habe jedenfalls keinen Zugang zu den verbotenen chemischen Kampfstoffen der Nowitschok-Gruppe.

Ärzte: Vollständige Genesung ist möglich

Insgesamt war Nawalny nach seiner Vergiftung in Russland 32 Tage in der Charité behandelt worden, davon 24 Tage auf einer Intensivstation. Nach Angaben der Klinik halten die behandelnden Ärzte eine vollständige Genesung für möglich. Eventuelle Langzeitfolgen der schweren Vergiftung ließen sich aber erst im weiteren Verlauf beurteilen.

Nawalny war am 20. August auf einem innerrussischen Flug kollabiert. Nach einer außerplanmäßigen Landung im sibirischen Omsk wurde er zunächst in der örtlichen Klinik behandelt. Zwei Tage später wurde er nach Deutschland ausgeflogen. Der Fall verschärfte die Spannungen mit Russland. Unter anderem wurden Forderungen laut, die Gaspipeline Nord Stream 2 auf Eis zu legen. Nach Angaben von Speziallaboren war Nawalny mit einem Nervenkampfstoff der Nowitschok-Gruppe vergiftet worden. Russland weist bisher alle Vorwürfe eines Anschlags auf den Kreml-Kritiker zurück.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 23. September 2020 | 09:30 Uhr