Nach Referendum Chilenen feiern Weg zu einer neuen Verfassung

Nahezu gleich aufgeteilt sollen 155 Frauen und Männer in Chile eine neue Verfassung entwerfen, unter ihnen sollen aber keine Parlamentsabgeordneten sein. Das haben die Bürger in einem Referendum über den Weg beschlossen, auf dem die 40 Jahre alte Verfassung aus der Diktatur durch eine neue ersetzt werden soll.

Chile, Dutzende von Menschen feiern, nachdem sie von den Teilergebnissen der Volksabstimmung über die Verfassung erfahren haben
Sonntagnacht in Santiago de Chile: Menschen feiern, nachdem sie von Teilergebnissen der Volksabstimmung über die neue Verfassung erfahren haben. Bildrechte: imago images / Agencia EFE

In Chile haben zehntausende Menschen unter anderem in der Hauptstadt Santiago de Chile die Entscheidung für eine neue Verfassung gefeiert. Am Sonntag hatten sich nach vorläufigen Ergebnissen 78 Prozent der Wähler dafür ausgesprochen, die noch aus der Zeit von Diktator Augusto Pinochet stammende Verfassung zu ersetzen.

Im Ergebnis der Volksbefragung soll nun eine Versammlung aus 155 Mitgliedern gebildet werden, die je zur Hälfte von Männern und Frauen besetzt werden muss. Die Wähler verwarfen dabei den Vorschlag, auch Parlamentarier an der Bildung der neuen Verfassung zu beteiligen, was als Zeichen des Misstrauens gegen die Politiker gilt.

Wasser und Kapitalismus

Feiernde Menschen auf den Straßen in Chile
Politische Demonstration in Chile Bildrechte: imago images / Aton Chile

Anlass für das Referendum waren die angespannte wirtschaftliche Lage in Chile sowie massive und oft gewalttätige Proteste vor allem gegen die sozialen Verhältnisse im vergangenen Jahr. Viele Wähler verbinden mit einer neuen Verfassung die Hoffnung, dem in Chile eher ungeregelten Kapitalismus einige Schranken auferlegen zu können.

Dabei geht es vor allem um die Gesundheitsversorgung, um Renten und Bildung. Eine der Forderungen richtet sich auch auf eine Reform der privatisierten Wasserversorgung, in der viele Kleinbauern einen erschwerten Zugang zu Wasser haben. Zudem soll die Minderheit der indigenen Mapuche anerkannt werden.

Im April des kommenden Jahres soll die Verfassungsversammlung nun gewählt werden. Sie hat dann ein Jahr Zeit, einen Verfassungsentwurf zu erarbeiten. Danach soll das Volk in einem weiteren Referendum darüber abstimmen. Die derzeit gültige Verfassung von 1980 hatte die Militärregierung erarbeitet und in einem Referendum durchgesetzt.

Eine Frau zeigt einen Stimmzettel mit der Frage - Wollen Sie eine neue Verfassung?
Ein einfaches "Zugestimmt" oder "Abgelehnt" - wird damit eine neue politische und wirtschaftliche Ära in Chile eingeläutet? Bildrechte: dpa
Salvador Allende
Salvador Allende feiert seinen Wahlsieg. Von 1970 bis 1973 ist er Chiles Präsident. Bildrechte: Camera Work/Thomas Bildhardt

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 25. Oktober 2020 | 23:30 Uhr

2 Kommentare

Eulenspiegel vor 5 Wochen

Also ich wünsche den Chilenen das sie den Weg zu einem sozialen Rechtsstaat finden in dem nicht die Ausbeutung des Volkes bestimmend ist.

Imam geh ham vor 5 Wochen

Wir haben nicht mal eine, und die vom Volk gewählt wurde.