Fahnen verschiedener Staaten hängen an einem Gebäude in Davos, im Hintergrund schneebedeckte Berge.
Mehr als 3.000 Teilnehmer kommen nach Davos. Bildrechte: imago/ZUMA Press

Davos Schaulaufen der Mächtigen beim Weltwirtschaftsforum

Exklusiv und geheimnisvoll – so präsentiert sich das Weltwirtschaftsforum. Auch die Kanzlerin und vier ihrer Minister reisen ins schweizerische Davos. Doch was genau bringt das privat organisierte Treffen mit mehr als 3.000 Teilnehmern eigentlich?

von Martin Mair, ARD-Hauptstadtstudio für MDR AKTUELL

Fahnen verschiedener Staaten hängen an einem Gebäude in Davos, im Hintergrund schneebedeckte Berge.
Mehr als 3.000 Teilnehmer kommen nach Davos. Bildrechte: imago/ZUMA Press

Davos hat etwas Malerisches. Das Schweizer Alpenpanorama zeigt sich hier von seiner schönsten Postkartenseite: Die Luft im Winter flirrt kristallklar und kalt, die Idylle des Kurorts ist perfekt. Doch einmal im Jahr wird sie empfindlich gestört. Dann kreisen Hubschrauber über dem Landwassertal, Journalisten drängeln sich um Regierungschefs und Konzerngrößen. Sie alle geben sich beim Weltwirtschaftsforum (WEF) ein Stelldichein der Globalisierung. Ein Schaulaufen der Reichen und Mächtigen, wie Kritiker gerne spotten.

Exklusiver Club der Superlative

Die Zahlen sind tatsächlich beeindruckend: Mehr als 3.000 Teilnehmer aus 110 Ländern sind dabei, es gibt 400 Vorträge und Workshops. Stolz präsentiert WEF-Gründer Klaus Schwab alljährlich Teilnehmerrekorde. Doch das Forum bleibt ein exklusiver Club: Die Veranstalter entscheiden allein, wer kommen darf.

Die Kanzlerin sei wieder dabei, sagt Regierungssprecher Steffen Seibert vergangene Woche. Routinemäßig kündigt er freitags die öffentlichen Termine von Angela Merkel an – im Kalender steht ein zweitägiger Besuch in Davos. "Die Erwartung ist wie jedes Mal, in Davos auf eine Vielzahl von hochinteressanten, internationalen Gesprächspartnern zu treffen", erklärt Seibert. Was seine Chefin von dem Treffen konkret erwartet und mit welcher Botschaft sie auftreten will – dazu schweigt der Sprecher der Kanzlerin.

Bundesregierung gibt sich zu Zielen zugeknöpft

Auch andere Minister bleiben schmallippig. "Ich kann sagen, dass Wirtschaftsminister Altmaier auch reist", heißt es aus dem Haus des CDU-Mannes. Und die Verteidigungsministerin lässt über ihren Sprecher ausrichten, dass Ursula von der Leyen sich in Davos mit sicherheitspolitischen Fragen befassen wird.

Die 60-Jährige fährt aber noch aus einem anderen Grund nach Davos: Sie ist Mitglied des "Board of Trustees". Eines exklusiven Zirkels, der sich als Kreis von Treuhändern des Treffens versteht. Spitzenpolitiker wie der frühere US-amerikanische Vizepräsident Al Gore gehören dem Gremium ebenso an wie Wirtschaftsvertreter und Wissenschaftler. Sie alle beraten das Forum, das für sich selbst in Anspruch nimmt, den Zustand der Welt verbessern zu wollen.

Politische Bedeutung bleibt umstritten

Ein Anspruch, über den Heiner Flassbeck nur müde lächeln kann. Der Wirtschaftswissenschaftler war früher Staatssekretär im Finanzministerium, danach Chef-Volkswirt bei einer UN-Organisation. Und selbst Gast in Davos. Für ihn ist das Treffen ein lockerer Austausch von Reichen und bedeutenden Menschen. "Aber politisch ist die Bedeutung ganz nahe null", urteilt er.

Dennoch reisen allein aus der Bundesregierung die Kanzlerin und vier ihrer Minister an. Neben denen für Wirtschaft und Verteidigung sind auch Gesundheitsminister Jens Spahn und Verkehrsminister Andreas Scheuer in den Schweizer Alpen. Die Antwort nach der konkreten Agenda der deutschen Regierungsmitglieder bleibt bei allen vage. WEF-Kritiker Flassbeck glaub auch zu wissen warum: Es gehe vor allem um eine weltweite Öffentlichkeit, die man sonst nicht bekomme. "Frau Merkel hält ihre Rede, noch drei Small-Talks und dann fährt sie wieder", so Flassbeck. Man dürfe aber nicht glauben, dass in Davos wirklich ernsthaft politisch diskutiert werde.

Weltwirtschaftsforum ruft Kritiker auf den Plan

Der Vorwurf, dass das Weltwirtschaftsforum nur eine gigantische Show sei, ist so alt wie das Treffen. Auch Verschwörungstheorien ranken sich um die Veranstaltung. Hier, so glauben manche, werde die heimliche Weltordnung festgelegt. Eben weil sich die Reichen und Mächtigen jährlich in Davos versammeln. Abgeschirmt hinter Stacheldraht in einem Luxushotel.

Draußen, im Kern des Schweizer Dorfs, wird es regelmäßig laut. Demonstranten ziehen mit Transparenten und Trillerpfeifen durch die Straßen. Die wenigsten treiben Verschwörungstheorien auf die Straße, sondern vielmehr handfeste Kritik an der Globalisierung. Umweltzerstörung und Ausbeutung sind die Schlagworte des Protestes. Auch der ist inzwischen ein Ritual geworden – so wie das Weltwirtschaftsforum selbst.

Bleibende Beschlüsse oder gar bahnbrechende Erkenntnisse sind aus der fast 50-jährigen Geschichte des WEF nicht überliefert. Doch Davos versinkt alljährlich für vier Tage im hektischen Trubel. Danach kehrt die Stille zurück in den malerischen Ort. Und im nächsten Jahr kommen alle wieder.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 22. Januar 2019 | 08:39 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. Januar 2019, 05:00 Uhr

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9 Kommentare

23.01.2019 14:24 CDU Wählerin 9

Unsere Volkskanzlerin spricht live 'ntv' in Davos. Ihr Wort hat weltweit Gewicht und sie wird weltweit wertgeschätzt.
Man weiss erst was man hatte wenn man es verloren hat, werden sich heute kleingeistig Jammernde merken. Ihre klaren Worte und Weitsichtigkeit im Denken und Handeln sollten alle endlich begreifen die populistischen Parolen nachkeifen

22.01.2019 16:16 Jakob 8

Warum soll denn nicht "ernsthaft diskutiert werden", wenn sich politische Menschen treffen? Es erschließt sich auch nicht, wie ein Wirtschaftswissenschaftler das ein für alle mal für alle Zukunft ausschließen können möchte ("Bedeutung nahezu null"). Und gibt es etwas unpolitischeres, als wenn jemand einflussreichen Personen und dazu noch einer breiten medialen Öffentlichkeit seine Ideen vermittelt?

Also: Sollen sie die Weltordnung miteinander ausmachen. Und Donald Trump bleibt dieses mal außen vor. Vermutlich, weil es anstrengend ist, wenn man ständig gesagt bekommt, worin man irrt.

22.01.2019 15:38 Fragender Rentner 7

Zitat von Oben: Schaulaufen der Mächtigen beim Weltwirtschaftsforum

Was bringt dies für uns außer Kosten?

Was kommt schon positives für die Bürger heraus?

22.01.2019 14:19 Spottdrossel 6

Diese Herrschaften können meinethalben sooft sie wollen, ihre Apresskiparty in Davos feiern, aber dann auch diese selber bezahlen!!! Und nich bei der Steuer tricksen!

22.01.2019 12:10 Franzi 5

schöne Urlaubsreise würde mir auch gefallen mehr ist das nicht außer natürlich wie immer die klasse verarschung.

22.01.2019 10:23 Ekki 4

BILDERBERGER Treffen? oder werden nur deren Beschlüsse abgesegnet?
Wer demonstriert dort? Werden Arbeitende vom Chef freigestellt oder zahlen Gewerkschaften Anfahrt Unterkunft und Heimfahrt?

22.01.2019 09:49 kleinerfrontkaempfer 3

Der weltweite "Innere Zirkel" versammelt sich wieder.
Denn die gewählt sind haben nichts zu entscheiden, und die entscheiden sind nicht gewählt.

22.01.2019 08:36 Blumenfreund 2

Irgendwie erinnert dieser Zirkus an das jährliche Bilderberger Treffen. Gut das Trump nicht teilnimmt.

22.01.2019 07:15 Lilly 1

"das privat organisierte Treffen "

bezahlt die Teilnahme die BK und ihre Minister das aus eigener Tasche?
Wie hoch ist die Teilnahmegebühr?

Und hoffentlich wurde nicht der Regierungsflieger genutzt um in Davos Schnittchen zu essen!