NATO-Manöver Was von "Defender 2020" übrig blieb

Insgesamt 37.000 Teilnehmer waren für das NATO Manöver "Defender 2020" erwartet worden. Doch dann kam im März Corona. Was blieb übrig von der Übung der Superlative?

Ein Lastwagen der US-Army verlässt die Clausewitz-Kaserne.
Die Corona-Pandemie verkürzte das Nato-Manöver "Defender 2020". Bildrechte: dpa

Es sollte ein Manöver der Superlative werden. Eigentlich. Die USA wollten 20.000 Soldaten über den Atlantik schicken, insgesamt 37.000 Teilnehmer wurden erwartet. Es ging um die größte US-Verlegung seit einem Vierteljahrhundert - bis ins Baltikum, an die Ostgrenze der Nato.

Corona unterbrach das Manöver

"Ja, wir konnten das mal. Wir haben es 25 Jahre lang nicht gemacht. Es wird Zeit, dass wir uns diese Fähigkeit wieder erarbeiten." Hohe Erwartungen formuliert Generalleutnant Martin Schelleis im Januar. Deutschland im Zentrum: als logistische Drehscheibe, als Bündnis- und Manöverpartner. Dann aber kam bekanntlich Corona. Im März stieg die Bundeswehr aus, die Amerikaner verlegten nur noch etwa 5.000 bis 6.000 Soldaten nach Europa.

Trotz der Pandemie sei das Ganze kein Schlag ins Wasser gewesen, sagte Generalleutnant Jürgen Weigt im Gespräch mit dem ARD-Hauptstadtstudio: "Die Übung hat für uns etwa anderthalb Jahre vorher begonnen, in zahlreichen Abstimmungsgesprächen. Alles in allem kann ich nur sagen, dass wir auf diese Aufgabe vorbereitet sind." Das habe man auch mit der Verlegung von immerhin etwa 90 Prozent des Materials bewiesen.

Trotz Trump: USA und Europa starke Partner

"Defender 2020" hat für Henning Otte zudem große symbolische Kraft – trotz des Teilabzugs der in Deutschland stationierten US-Truppen, so der verteidigungspolitische Sprecher der Union.

"Die transatlantische Brücke ist von herausragender Bedeutung zwischen Europa und insbesondere dem starken Partner USA", sagt Otte. "Daran ändert auch nichts, dass Präsident Trump sehr sprunghaft ist in seinen Äußerungen."

Tobias Lindner, Verteidigungsexperte der Grünen, ist da nicht so optimistisch: "Meine Sorge ist nur, je länger Trump solche Verhaltensweisen fortsetzt, desto mehr wird natürlich irgendwann auch die militärische Zusammenarbeit einfach Schaden nehmen."

Aber auch die Grünen unterstützen das Großmanöver oder das, was davon übrigblieb. Eine solche Verlegeübung könne umfangreiche und dauerhafte Stationierungen in Osteuropa überflüssig machen. "Ich glaube, das wäre dann wirklich ein Problem für die Sicherheitslage", meint Lindner.

Keine Provokation: Russland war umfangreich eingebunden

Zudem habe man Russland umfangreich eingebunden, informiert und Beobachter eingeladen – kein Grund also, von einer Provokation zu reden. Generalleutnant Weigt formuliert das ganz diplomatisch. "Zunächst einmal, glaube ich, war das nicht in erster Linie ein Signal gegen Russland, sondern ein Signal für die Leistungsfähigkeit der Nato. Also es war nicht ein 'gegen', sondern ein 'dafür'", fasst Weigt zusammen.

Bordeinsatzkompani auf dem Weg zu einem Schiff 7 min
Bildrechte: NATO Allied Maritime Command

Nicht vergleichbar mit eigentlichem Übungsziel

Die Bundeswehr habe unterm Strich einen guten Job gemacht, findet CDU-Mann Otte, der selbst eine Ausbildung als Reserveoffizier absolviert hat und in dessen Wahlkreis der Nato-Truppenübungsplatz Bergen liegt. "Die Bundeswehr hat die Erwartungen voll erfüllt. In der Planung für Defender und auch in den ersten Anfängen."

Nun schicken die Amerikaner doch noch einmal einige Soldaten nach Deutschland – statt in Bergen sollen die aber in Polen trainieren.

Für Tobias Lindner von den Grünen ohnehin nur noch eine Mini-Verlegung im Nachklapp zu "Defender 2020": "Wenn da 600 US-amerikanische Soldaten üben – ja: sollen sie machen. Hilft nicht, schadet nicht – in Anführungsstrichen", meint er. "Es ist auf jeden Fall nicht vergleichbar mit dem Übungsziel, das 'Defender' eigentlich mal hatte."

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 10. Juli 2020 | 06:25 Uhr

3 Kommentare

MikeS vor 4 Wochen

Alles gut? Zweifelhaft Aussage eines "Dienstherrentreuen Soldaten", nichts weiter. NATO-Übung auf dem Gelände eines Staates, auf dem es laut Einigungsvertrag sowas nicht geben dürfte. Dort dürfen nicht mal NATO-Einheiten sein, geschweige denn, Übungen abhalten. Und wem verdanken wir das? Den USA-Vassallen aus Polen, die sich wohl fühlen, wenn der Trump flotte Sprüche ablässt. Dabei fahren die Polen noch teilweise mit Russentechnik! Wo kaufen die denn ihre Ersatzteile? Doch nicht etwa bei Putin?

Gerd Mueller vor 4 Wochen

ALLES GUT, Russland war umfangreich eingebunden, informiert und Beobachter eingeladen – kein Grund also, von einer Provokation zu reden; es war das nicht in erster Linie ein Signal gegen Russland, sondern ein Signal für die Leistungsfähigkeit der Nato. Also es war nicht ein 'gegen', sondern ein 'dafür.

Mooie geest vor 4 Wochen

Polen ist seit 20 Jahren in der Nato und bestiimmt selbst. Unter russischer Zwangsknechtschaft seit 1945 endlich die Ketten los schützt es auch uns.