Libanon Ausschreitungen im Libanon - Neuwahlen angekündigt

Nach einem zunächst friedlichen Protest haben sich in der libanesischen Hauptstadt Libanon die Ereignisse überschlagen. Erst kam es zu Ausschreitungen, dann stürmten Demonstranten das Außenministerium, und schließlich meldete sich der Regierungschef zu Wort.

Hassan Diab, Premierminister des Libanon
Kündigt Neuwahlen an: Regierungschef Hassan Diab Bildrechte: dpa

Angesichts der regierungskritischen Proteste nach der Explosionskatastrophe von Beirut hat der libanesische Regierungschef Hassan Diab vorgezogene Neuwahlen angekündigt. Nur so könne die Krise in dem Land überwunden werden, sagte Diab am Samstagabend in einer Fernsehansprache. Er werde seinem Kabinett daher am Montag Neuwahlen vorschlagen.

Demonstranten besetzen Ministerien

08.08.2020, Libanon, Beirut: Ein Protestierender wirft Steine in Richtung der Sicherheitskräfte während eines Protests gegen die politischen Eliten und die Regierung nach der tödlichen Explosion im Hafen von Beirut, die diese Woche große Teile der Hauptstadt verwüstete und mehr als 150 Menschen tötete.
Nach friedlichem Protest kam es zu Ausschreitungen in Beirut Bildrechte: picture alliance/dpa

Zuvor hatten Demonstranten das Außenministerium in der libanesischen Hauptstadt Beirut gestürmt. Von ehemaligen Armeeoffizieren angeführte Protestierende drangen in das Gebäude ein und erklärten es zum "Hauptquartier der Revolution". Erst nach Stunden konnte die Armee das Gebäude am Abend schließlich räumen. Auch das Energie- und das Wirtschaftsministerium sowie der Sitz des Bankenverbandes wurden gestürmt. Demonstranten legten Feuer am Sitz des Bankenverbands, bevor sie von der Armee zurückgedrängt und die Flammen gelöscht wurden.

Mehr als 200 Verletzte - Polizist kommt ums Leben

Begonnen hatten die Proteste am Sonnabend mit einem friedlichen Marsch durch die Stadt, um nach der Explosionskatastrophe vom Dienstag gegen die Regierung zu demonstrieren. Später kam es zu Zusammenstößen zwischen Sicherheitskräften und Demonstranten. Letztere versuchten, die Absperrung zum Parlament zu durchbrechen. Dabei warfen sie Steine. Sicherheitskräfte setzten massiv Tränengas ein. Mehr als 200 Menschen seien verletzt worden, teilte das libanesische Rote Kreuz mit. Laut der staatlichen Nachrichtenagentur ANA kam ein Polizist ums Leben. Er sei von "randalierenden Mördern" angegriffen worden, als er anderen Menschen habe helfen wollen.

 Protestierende machen Regierung für Explosion verantwortlich

Menschen in der teilzerstörten Stadt Beirut
Bildrechte: dpa

Die Protestierenden machen die Regierung für die Explosion mit mehr als 150 Toten und mehr als 6.000 Verletzten verantwortlich. Vier Tage nach dem Unglück sind noch immer 60 Menschen vermisst. Viele Libanesen werfen der politischen Elite aber schon seit Langem Korruption und Unfähigkeit vor und sehen in dem Unglück nur einen weiteren Beleg für das Versagen der Regierung. Der Libanon steckt schon seit Jahren in einer schweren Wirtschafts- und Währungskrise, die durch die Corona-Pandemie noch verschärft wurde.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 08. August 2020 | 17:00 Uhr