Erneute Brände Forderung nach europäischer Lösung für Moria

Nach den Bränden im griechischen Flüchtlingslager Moria mehren sich die Stimmen, die eine Änderung der EU-Flüchtlingspolitik fordern. In der Nacht zu Donnerstag hat es im Lager indes erneut gebrannt.

Migranten fliehen vor Feuern mit ihren Habseligkeiten aus dem Flüchtlingslager Moria.
Tausende Menschen verbrachten die erste Nacht nach dem Großbrand auf den Straßen rund um das Lager Moria. Bildrechte: dpa

Nach den Bränden im Flüchtlingslager Moria haben sich Vertreter aus Politik, Kirche und Hilfsorganisationen für eine Änderung der EU-Flüchtlingspolitik ausgesprochen. In der Nacht waren im Lager neue kleinere Feuer ausgebrochen.

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im Gespräch bei MDR Aktuell der Thüringer Migrationsminister Dirk Adams

MDR AKTUELL Do 10.09.2020 07:47Uhr 05:20 min

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Flüchtlingspolitik ist "europäische Schande"

Die Vizepräsidentin des EU-Parlaments, Katarina Barley, sprach von einer "europäischen Schande". Viele EU-Mitgliedstaaten seien nicht bereit, Flüchtlinge aufzunehmen. Der "ungerechte Dublin-Mechanismus" müsse abgelöst werden, sagte sie im "ZDF-Morgenmagazin". Das könnte die Staaten an den EU-Außengrenzen entlasten.

Aus Barleys Sicht könnte der Schlüssel zur Lösung des Problems möglicherweise sein, nicht auf einem Verteilmechanismus zu beharren. Länder, die keine Menschen aufnehmen wollten, müssten sich finanziell an der Aufgabe beteiligen.

Deutschland soll Politik ändern

Der Vertreter des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen (UNHCR) in Deutschland, Frank Remus, appellierte an die Bundesregierung, weitere Flüchtlinge aufzunehmen. Der "Welt" sagte Remus, er verstünde, dass Deutschland auf eine europäische Lösung "poche". In dieser Notsituation würde er es aber sehr begrüßen, wenn die bisherige Politik überdacht würde.

Er sei beeindruckt von der Aufnahmebereitschaft vieler Länder und Kommunen. Zuvor hatten mehrere deutsche Ministerpräsidenten angeboten, Geflüchtete aus Moria aufzunehmen. Auch aus Thüringen wurde Bereitschaft signalisiert. Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Hasseloff sprach sich dafür aus, gemeinsam mit europäischen Partnern Bewohner aufzunehmen. Sachsen-Anhalt werde sich solidarisch zeigen und seinen humanitären Verpflichtungen, die aus einer EU-Einigung entstünden, erfüllen.

EU-Ratspräsidentschaft soll Lösung schaffen

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, forderte Deutschland auf, seine EU-Ratspräsidentschaft zu nutzen, um eine europäische Lösung für die Verteilung der Schutzsuchenden auf aufnahmebereite Länder zu finden.

In der "Passauer Neuen Presse" sagte er, Deutschland müsse im Zweifelsfall mit den Ländern, die dazu bereit seien, vorangehen. Wenn Europa sich auf gemeinsame christliche Grundwerte berufe, dann stehe das Abschotten gegen Menschen in Not in klarem Widerspruch dazu, so der EKD-Ratsvorsitzende

Erneute Brände

Die Feuerwehr konnte in der Nacht zum Donnerstag indes mehrere kleinere neue Brände löschen. Die Feuer hätten übrig gebliebene unbeschädigte Zelte und andere provisorische Unterkünfte von Moria zerstört, berichtete das Staatsfernsehen. Tausende Menschen verbrachten die erste Nacht nach dem Großbrand auf den Straßen rund um das Lager Moria. Wie das Staatsfernsehen berichtet, stoppte die Polizei mit Tränengas mehrere Jugendliche, die versuchten, in die Hauptstadt der Insel zu gelangen.

Die griechische Regierung hat derweil 165 unbegleitete Minderjährige zur griechischen Hafenstadt Thessaloniki bringen lassen. Weitere 240 Minderjährige sollten noch am Donnerstag folgen, berichtete der staatliche Rundfunk ERT.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 10. September 2020 | 07:47 Uhr