Seenotrettung Nur ein Rettungsschiff ist im Mittelmeer

Private Seenotretter wollen verhindern, dass immer mehr Migranten auf der Flucht im Mittelmeer ertrinken. Mehrere NGO-Schiffe retteten Tausende. Doch inzwischen sind sie blockiert, werden behindert oder haben aufgegeben.

Die EU-Rettungsmission "Sophia" ist faktisch beendet. Ein Streit zwischen Italien und der EU hat für die Einstellung der Operation geführt. Seit Ende März sind keine Schiffe mehr im Einsatz, sondern es findet nur noch eine Beobachtung aus der Luft statt. Rettung von in Seenot geratenen Migranten erfolgt derzeit fast nur noch durch die libysche Küstenwache. Deren Einsatz ist allerdings umstritten – ihr werden mehrfach schwere Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen. Von den einst zahlreichen Rettungsschiffen privater Hilfsorganisationen ist derzeit nur noch eins unterwegs – die meisten werden in der EU festgehalten.

Aus dem Verkehr gezogen:

 Flüchtlingsschiff Iuventa in Italien beschlagnahmt
Die "Iuventa" als das Schiff beschlagnahmt wird. Bildrechte: imago

Die "Iuventa" der deutschen Organisation "Jugend Rettet" wird seit Anfang August 2017 in Italien festgehalten und ist von den Behörden beschlagnahmt. Gegen zehn Mitglieder der Crew des Seenotrettungsschiffes wird ermittelt. Ihnen droht ein Strafprozess wegen Beihilfe zur illegalen Einreise. Es drohen bis zu 15 Jahre Haft. Nach eigenen Angaben seien bis zur Blockierung des Schiffes 14.000 Menschen gerettet worden.

Die "Mare Junio" ist am 10. Mai 2019 mit 30 geretteten Migranten auf Lampedusa gelandet und von der italienischen Justiz beschlagnahmt worden. Der Crew des Schiffes der privaten italienischen Rettungsorganisation "Mediterranea" wird ebenso wie der Crew der "Iuventa" Beihilfe zur Schlepperei vorgeworfen.

Zum Aufgeben gedrängt:

Ein Boot mit Flüchtlinge schwimmt vor der libyschen Küste neben dem Seenotrettungsschiff Aquarius 2 der Hilfsorganisation SOS Méditerranée.
Bildrechte: Maud Veith/SOS Mediterranee/dpa

Die "Aquarius" war seit 2016 zu Rettungseinsätzen auf dem Mittelmeer unterwegs. Laut eigenen Angaben sind mit dem Schiff von "Ärzte ohne Grenzen" und "SOS Mediterane" fast 30.000 Menschen gerettet worden. Ende 2018 gaben die beiden Hilfsorganisationen das Schiff auf, nachdem auf Druck der Europäischen Union zweimal die Flagge entzogen worden war – von Panama und Gibraltar. Das Schiff musste zudem mehrfach mit geretteten Migranten an Bord tagelang auf See verweilen, da Malta und Italien die Einfahrt verweigerten und die EU-Staaten sich nicht auf die Verteilung der Flüchtlinge einigen konnten. Zum Schluss ordneten die italienischen Behörden die Beschlagnahmung des Schiffes an. Der Vorwurf: nicht ordnungsgemäße Trennung von Bordabfällen. Daraufhin gaben die beiden Organisationen die Seenotrettung mit der "Aquarius" auf.

Das Auslaufen verweigert:

Dem Schiff der Organisation "Proactiva Open Arms" wird seit Anfang diesen Jahres die Ausfahrt verboten. Die "Open Arms" hatte Ende 2018 über 300 Migranten aus dem Mittelmeer gerettet – nach tagelanger Blockade durfte das Schiff schließlich in den Hafen der spanischen Stadt Barcelona einfahren. Allerdings würden technische Gründe ein erneutes Auslaufen nicht erlauben. Ebenso wird die "Aita Mari" in Barcelona festgehalten. Diese sei laut spanischen Behörden nur für 20 Menschen zugelassen, habe aber mehr Personen an Bord gehabt, als es das letzte Mal von einer Rettungsfahrt heimkehrte.

Die "Seefuchs" der deutschen NGO "Sea-Eye" war im Sommer 2018 monatelang auf Malta  beschlagnahmt und festgehalten worden. Die Niederlande hatte dem Schiff die Flagge entzogen. "Sea-Eye" hat die Seenotrettung inzwischen auf ein anderes Schiff verlegt. Seit Dezember 2018 ist die Hilfsorganisation mit der "Alan Kurdi" unter deutscher Flagge im Mittelmeer unterwegs. Derzeit befindet sich das Rettungsschiff zu einem geplanten Check in einer spanischen Werft.

Die "Lifeline" wird seit Ende Juni 2018 im Hafen der maltesischen Stadt Valletta festgehalten. Der Kapitän Claus-Peter Reisch muss sich auf dem Inselstaat vor Gericht verantworten. Er soll das Schiff nicht ordentlich in den Niederlanden registriert haben. Die "Lifeline" des Dresnder Vereins "Mission Lifeline" dient in diesem Prozess als Beweismittel.

Im Mittelmeer unterwegs:

Die "Sea-Watch 3" ist im Sommer 2018 monatelang auf Malta festgehalten worden, obwohl Experten des Flaggenstaates Niederlande einen einwandfreien Zustand bescheinigten. Danach war das Schiff der deutschen NGO "Sea-Watch" wieder zu Einsätzen unterwegs. Anfang April 2019 sorgte eine neue Verordnung der Niederlande für eine erneute Blockade. Erst nach einem Rechtsstreit wurde diese durch ein Gericht aufgehoben – seit Samstag ist das Schiff wieder im Mittelmeer unterwegs.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | exakt | 15. Mai 2019 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. Mai 2019, 09:20 Uhr