Recep Tayyip Erdogan
Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan droht den Europäern mit der Öffnung der Grenzen für syrische Flüchtlinge. Bildrechte: dpa

Wegen Kritik an Militäroffensive Erdogan droht EU-Staaten mit Grenzöffnung

Die Türkei hat im Nordosten Syriens eine Offensive gegen die Kurdenmiliz YPG gestartet, die dort gegen den IS kämpft. Die Europäer haben deshalb den Einsatz kritisiert. Präsident Erdogan reagierte mit einer Drohung.

Recep Tayyip Erdogan
Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan droht den Europäern mit der Öffnung der Grenzen für syrische Flüchtlinge. Bildrechte: dpa

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat den EU-Staaten erneut gedroht, die Grenzen für syrische Flüchtlinge zu öffnen. Grund ist die Kritik der Europäer an der türkischen Militäroffensive im Nordosten Syriens. Erdogan sagte, die EU solle aufwachen. Wenn sie die Offensive weiter als Invasion darstelle, würde die Türkei die Türen öffnen und Millionen Menschen kämen dann in die EU.

Vorwürfe gegen die Europäer

Erdogan wiederholte zudem seinen Vorwurf, die Europäer hätte ihre Versprechen aus dem Flüchtlingsdeal von 2016 nicht gehalten. Die Türkei hat seit Beginn des Bürgerkriegs im Nachbarland Syrien offiziellen Angaben zufolge rund 3,6 Millionen syrische Flüchtlinge aufgenommen - mehr als jedes andere Land der Welt. Die EU hatte im Flüchtlingsdeal sechs Milliarden Euro zur Versorgung der Flüchtlinge zugesagt.

Offensive gegen die Kurdenmiliz

Die Türkei hatte am Mittwoch trotz Kritik der Europäer und der USA eine angekündigte Offensive in Nordsyrien begonnen. Unterstützt wird sie dabei von verbündeten syrischen Milizen. Laut Erdogan richtet sie sich gegen die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) und die Terrormiliz IS.

Die Türkei betrachtet die YPG als Ableger der verbotenen Arbeiterpartei PKK und damit als Terrororganisation. Die kurdische Miliz war der wichtigste Verbündete des Westens im Kampf gegen die IS-Terrormiliz. Außerdem will Erdogan in Nordsyrien eine Sicherheitszone einrichten und dort syrische Flüchtlinge ansiedeln.

Europäer befürchten Erstarken des IS

Deutschland und andere EU-Staaten befürchteten erhebliche negative Folgen durch die Offensive, darunter ein Wiedererstarken der IS-Terrormiliz. Zudem besteht die Sorge, dass die Offensive die YPG dazu zwingt, ihre Truppen vom Kampf gegen die IS-Miliz abzuziehen. Insbesondere wird ein Ausbruch von Tausenden IS-Kämpfer in kurdischer Haft befürchtet.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 10. Oktober 2019 | 14:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. Oktober 2019, 17:41 Uhr