Kurdengebiete Erdogan kündigt Militäroffensive in Syrien an

Die Türkei hat bereits Soldaten in Syrien stationiert, nun will Präsident Erdogan offenbar eine neue Militäroffensive in den Kurdengebieten im Norden des Bürgerkriegslandes starten.

Erdogan verkündet neue Offensive in Syrien.
Präsident Erdogan will das türkische Militär offenbar in die Kurdengebiete Nordsyriens schicken. Bildrechte: dpa

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat eine neue Militäroffensive in Nordsyrien angekündigt. Erdogan zählte am Sonntag vor Anhängern im westtürkischen Bursa vergangene Militäreinsätze der Türkei in Syrien auf und sagte: "Meine Geschwister, nun werden wir in den Osten des Euphrats einrücken." Man habe Russland und die USA über den Plan informiert, sagte Erdogan. Die Geduld der Türkei gehe zu Ende.

YPG mit USA verbündet

In der betroffenen Region im Nordosten Syriens leben vor allem Kurden, beherrscht wird das Gebiet von der Kurdenmiliz YPG. Während des Bürgerkriegs in Syrien hatte diese in der Region autonome Strukturen aufgebaut und erhält diese noch immer aufrecht. Die YPG hatte maßgeblich als Verbündete der USA den Bodenkampf gegen die Terrormiliz IS geführt. Der IS gilt in der Region inzwischen als besiegt.

Gespräche über Pufferzone gescheitert

In den Augen der türkischen Regierung ist die YPG ein Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK und damit eine Terrororganisation. Erdogan fordert deshalb schon lange eine Pufferzone in Nordsyrien und hat bereits mehrere Male mit einer Militäroffensive gedroht. Aus der Region Afrin im Nordwesten Syriens hatten türkische Truppen die YPG schon vertrieben.

In den vergangenen Tagen zog die Türkei bereits Truppen an der Grenze zu Syrien zusammen. Vorausgegangen waren Ende Juli Gesprächen mit den USA zur Einrichtung einer Pufferzone, diese scheiterten allerdings. Erdogan hatte danach gesagt: "Wir sind entschlossen, den Terror-Korridor östlich des Euphrats zu zerstören."

Waffenstillstand in Idlib gebrochen

Mitglieder des syrischen Zivilschutzes (Weißhelme), suchen nach Verletzen oder Opfern nach einem Luftangriff in getroffenen Gebäuden.
Zerstörungen nach einem Luftangriff in der Region Idlib. Bildrechte: dpa

In der letzten Rebellenhochburg rund um Idlib hat es unterdessen offenbar wieder einen Angriff auf einen von Rebellen beherrschten Ort gegeben. Das berichtete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Eine Frau sei bei dem Angriff von Regierungstruppen ums Leben gekommen.

Die Region im Osten Syriens ist die letzte, die noch von Rebellen beherrscht wird. Im April hatte die Regierung eine Offensive gestartet, hunderte Zivilisten starben seitdem. Seit Donnerstag galt eigentlich eine Waffenruhe für das Gebiet.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 04. August 2019 | 18:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. August 2019, 19:55 Uhr