Istanbul: Recep Tayyip Erdogan (r), Präsident der Türkei, schüttelt die Hand von Jens Stoltenberg, NATO-Generalsekretär, bei einem gemeinsamen Treffen
Der türkische Präsident Erdogan (re.) bei einem Treffen am Freitag mit Nato-Generalsekretär Stoltenberg. Bildrechte: dpa

Türkischer Einmarsch in Syrien Erdogan unbeeindruckt von Kritik des Westens

Bundeskanzlerin Merkel hat die Türkei aufgefordert, die Militäroffensive in Nordsyrien zu beenden. Doch der türkische Präsident Erdogan wies die Kritik zurück. Sein Land werde sich auch von Waffenembargos und Wirtschaftssanktionen nicht vom Kurs abbringen lassen.

Istanbul: Recep Tayyip Erdogan (r), Präsident der Türkei, schüttelt die Hand von Jens Stoltenberg, NATO-Generalsekretär, bei einem gemeinsamen Treffen
Der türkische Präsident Erdogan (re.) bei einem Treffen am Freitag mit Nato-Generalsekretär Stoltenberg. Bildrechte: dpa

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat Kritik und Sanktionsdrohungen des Westens nach dem Einmarsch der türkischen Armee in Nordsyrien zurückgewiesen. Erdogan sagte am Sonntag, wer glaube, die Türkei werde wegen Wirtschaftssanktionen oder Waffenembargos von ihrem Weg abweichen, irre sich.

Erdogan betonte, dass die Türkei ein Nato-Partner sei. Die Kurdenmiliz YPG, gegen die sich die türkische Militäroffensive in Nordsyrien richtet, sei dagegen eine "Terrororganisation". Darüber habe er auch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel  gesprochen.

Seid Ihr auf unserer Seite oder auf der Seite der Terrororganisation?

Frage des türkischen Präsidenten Erdogan an den Westen

Merkel fordert sofortigen Stopp der Invasion

Bundeskanzlerin Angela Merkel verlangte eine "umgehende Beendigung" der türkischen Militäroffensive in Syrien. Eine Sprecherin sagte am Sonntag, ungeachtet berechtigter türkischer Sicherheitsinteressen drohe durch die Operation eine Vertreibung großer Teile der lokalen Bevölkerung. Das destabilisiere die Region und könne zur Stärkung der Terrormiliz Islamischer Staat führen. Den Angaben zufolge kam es auf Wunsch von Erdogan zu dem Telefonat.

Am Samstag hatte Außenminister Heiko Maas angekündigt, dass die Bundesregierung als Reaktion auf den türkischen Einmarsch in Nordsyrien die Rüstungsexporte an den Nato-Partner teilweise gestoppt habe.

USA ziehen weitere Kräfte aus Nordsyrien ab

Neben Deutschland verurteilten weitere EU-Staaten und die USA den türkischen Einmarsch in Syrien. US-Präsident Donald Trump bekräftigte am Wochenende Sanktionsdrohungen: "Ich habe der Türkei klargemacht, dass wir sehr schnelle, starke und harte Wirtschaftssanktionen verhängen, wenn sie ihre Verpflichtungen nicht einhalten." Die EU-Außenminister beraten am Montag in Luxemburg über entsprechende Reaktionen.

Mitglieder der syrisch-kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) hissen ihre Fahne um den Sieg über die IS-Kämpfer zu feiern
In der Anti-IS-Allianz war die Kurdenmiliz YPG ein Verbündeter der USA. Das war auch eine Versicherung gegen einen Militärschlag der Türkei. Bildrechte: dpa

Indes ordnete das Pentagon den Rückzug weiterer US-Soldaten aus Nordsyrien an. Es bestehe die Gefahr, dass die USA zwischen die Fronten gerieten, sagte Verteidigungsminister Mark Esper am Sonntag. Zuvor hatte Washington durch den Abzug eines Großteils der mit den Kurden im Kampf gegen den IS verbündeten US-Kräfte bereits den Weg für einen türkischen Militärschlag freigemacht.

Die Türkei hatte am Mittwoch mit Unterstützung arabisch-syrischer Rebellen eine lange geplante Offensive gegen die Kurdenmiliz YPG begonnen, die auf syrischer Seite der Grenze ein großes Gebiet beherrscht. Die Türkei sieht in der YPG einen Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK und damit eine Terrororganisation.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 13. Oktober 2019 | 16:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. Oktober 2019, 17:13 Uhr

7 Kommentare

Alf09 vor 4 Wochen

Warum wird nicht der türkische Botschafter einbestellt? Unser lächerliche Außenminister labert nur unverbindliche Worte über Exportbegrenzung von Waffen, wären nicht massive wirtschaftliche Sanktionen gegen die Türkei viel wirksamer (u.a. Abbruch EU-Beitritt, Aussetzung Wirtschaftshilfe und Beschränkung aller Exporte/Importe in die Türkei, Reisewarnung für alle Türkei-Urlauber)?

real_silver vor 4 Wochen

Einfach nur heftig. Da wird aufgrund von Kriegstreiberei seitens Erdogan das ohnehin schon gebeutelte Syrien noch weiter geschunden, IS-Anhänger wieder in Scharen befreit. Man kann nur hoffen, die Syrer können auf russische Unterstützung setzen, nachdem sich die Amerikaner nach und nach zurückziehen. Gleichwohl dürfte Europa wohl eine neue Welle an Flüchtlingen drohen.

Leonard vor 4 Wochen

Jahrelang hat Deutschland Waffen geliefert. Die Rüstungsindustrie hat fett verdient. Jetzt fordert Frau Merkel einen Stopp, aber da lacht Erdogan bloß. Waffen sind immer zum Kriegführen da, wozu sonst ??? Und da freuen wir uns auf die nächste Flüchtlingswelle.