Kapitänin Carola Rackete auf der Brücke des Rettungsschiff "Sea-Watch 3". Kurz nach dem Einlaufen in Lampedusa wird sie festgenommen.
Sea-Watch-Kapitänin Carola Rackete vor dem Einlaufen in den Hafen von Lampedusa in der Nacht zum Samstag. Kurz darauf wird sie von der italienischen Polizei festgenommen. Bildrechte: sea-watch

Italien "Sea-Watch 3" beschlagnahmt - Kapitänin festgenommen

Das Rettungsschiff "Sea-Watch 3" mit Dutzenden Flüchtlingen an Bord ist gegen den Willen der italienischen Behörden in den Hafen von Lampedusa eingelaufen. Die deutsche Kapitänin wurde festgenommen. Ihr wird unter anderem Beihilfe zum Menschenhandel und Widerstand gegen die Staatsgewalt vorgeworfen. Das Schiff wurde beschlagnahmt.

Kapitänin Carola Rackete auf der Brücke des Rettungsschiff "Sea-Watch 3". Kurz nach dem Einlaufen in Lampedusa wird sie festgenommen.
Sea-Watch-Kapitänin Carola Rackete vor dem Einlaufen in den Hafen von Lampedusa in der Nacht zum Samstag. Kurz darauf wird sie von der italienischen Polizei festgenommen. Bildrechte: sea-watch

Das deutsche Flüchtlings-Rettungsschiff "Sea-Watch 3" hat im Hafen der italienischen Mittelmeerinsel Lampedusa angelegt. Kurz nach dem Festmachen sei die deutsche Kapitänin Carola Rackete festgenommen worden, teilte die Seerettungsorganisation mit. Das Schiff sei beschlagnahmt worden. Die Migranten seien von Bord gegangen.

Rackete wurde von Polizisten in Handschellen abgeführt. Ihr wird vorgeworfen, die Anweisungen des Militärs missachtet zu haben, als sie das Schiff ohne Erlaubnis in den Hafen gesteuert hatte. Laut der Zeitung "La Repubblica" hatte ein Boot der Küstenwache vergeblich versucht, die "Sea-Watch 3" am Einlaufen zu hindern.

Kapitänin droht Gefängnis

Die italienischen Behörden hatten zuvor Ermittlungen gegen Kapitänin Rackete eingeleitet. Die Staatsanwaltschaft im sizilianischen Agrigent wirft der Kielerin nach Angaben von Sea-Watch unter anderem Beihilfe zur illegalen Einwanderung und Verletzung des Seerechts vor.

Sea-Watch-Geschäftsführer Johannes Bayer erklärte im Kurzmitteilungsdienst Twitter, Rackete habe "genau das Richtige getan", sie habe das Seerecht eingehalten und die Flüchtlinge in Sicherheit gebracht.

Die "Sea-Watch 3" hatte am 12. Juni insgesamt 53 Menschen vor der Küste Libyens von einem Schlauchboot gerettet. 13 von ihnen, darunter Frauen, Kranke und Kinder, waren in den vergangenen Tagen nach Lampedusa an Land gebracht worden.

Ermittlungen waren erwartbar

Seit zwei Wochen wartete das Schiff auf die Erlaubnis, in einen europäischen Hafen einlaufen zu dürfen. Die italienische Regierung hatte dem Schiff verboten, in seine Hoheitsgewässer einzudringen. Rackete hatte sich diesem Verbot widersetzt und Kurs auf Lampedusa genommen.

In den letzten Tagen hatte sich die Situation an Bord zugespitzt. Zwei Männer durften als medizinische Notfälle das Schiff verlassen. Die italienische Regierung wollte die anderen Flüchtlinge nur an Land lassen, wenn andere Länder sie aufnehmen. Deutschland, Portugal, Frankreich und Luxemburg erklärten sich dazu bereit. Bundesinnenminister Horst Seehofer sagte, er sei sehr zuversichtlich, dass es am Wochenende eine Lösung geben werde.

In den vergangen Jahren hatte es mehrmals Ermittlungen gegen Kapitäne ziviler Rettungsschiffe gegeben.

Böhmermann kündigt Sammelaktion an

Bereits am Freitag hatten der ZDF-Satiriker Jan Böhmermann und sein Pro7-Kollege Klaas Heufer-Umlauf eine Hilfsaktion angekündigt für den Fall, dass Rackete strafrechtlich verfolgt werde. Beide schrieben auf Twitter, man werde Geld für die anfallenden Rechtskosten und Ausgaben der Lebensretter sammeln und spenden.

Eine ähnliche Aktion hatte es bereits vergangenes Jahr gegeben, als sich der "Mission Lifeline"-Kapitän Claus Reisch in Malta vor Gericht verantworten musste. Damals kamen innerhalb weniger Tage knapp 500.000 Euro zusammen. Reisch wurde im Mai zu einer Geldstrafe von 10.000 Euro verurteilt.

EKD: Festnahme ist eine "Schande"

Scharfe Kritik an der Festnahme von Carola Rackete kommt von der Evangelischen Kirche in Deutschland. EKD-Ratsvorstizender Heinrich Bedford-Strohm sagte, dass eine junge Frau verhaftet werde, weil sie Menschenleben gerettet habe, sei eine Schande für Europa.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 29. Juni 2019 | 09:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 30. Juni 2019, 10:54 Uhr

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18 Kommentare

29.06.2019 11:32 MDR.de-Redaktion 18

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Die MDR.de-Redaktion

29.06.2019 11:31 Wikreuz 17

Zu Nr. 5 Saxe: Sie haben noch etwas vergessen: Ohne die sogenannten "Retter" gäbe es auch keine Toten mehr vor der lybischen Küste. Nur wenn diese Retter vorhanden sind werden die seeuntauglichen Boote ins Meer geschickt.

29.06.2019 11:24 Bernd L. 16

MDR sollte keine Fakenews nachdrucken: Seerecht bedeutet nächster sicherer Hafen, z.B. Tunesien.
Das hier ist Schlepperei und diese ist eine Straftat.
Man kann nicht Schlepper aus Osteuropa verurteilen und deutsche feiern.
Dass ZDF und Pro 7 - Clowns Straftäter unterstützen, sagt viel über die Sender aus.
Wir sollte nicht vergessen:
Salvini agiert auch im Sinne Deutschlands- die illegale Migration wird eingedämmt (das wollte auch die EU oder?) und es kommen weniger illegale Migranten nach Deutschland-

29.06.2019 11:14 Holger Tretsch 15

Mit dem Kopp durch die Wand wollte die Dame. In der Gefängniszelle sollte sie diesen Versuch nicht erneut unternehmen.

29.06.2019 11:09 winfried 14

Bestehendes vom Parlament beschlossenes Dekret.
... Zuwiderhandlung(?) durch Kapitänin
... Staatsanwaltliche Ermittlungsaufnahme
... Festnahme (wegen Fluchtgefahr?)
... bevorstehende gerichtliche Klärung.

Vorgang vergleichbar mit Rechtsstaat DE ... also ALLES bestens.

29.06.2019 10:59 Contra 13

Ich finde diese Schlepperschiffe müssen beschlagnahmt werden. Seenotrettung heisst in den nächsten Hafen, der ist nicht Italien. Diese Dame unterstützt Schleppemafia. Ausserdem kommen nur Männerhorden, die gewiss nur aus Wirtschaftlichen Gründen nach Germoney wollen.Dann soll diese Dame doch die Afrikaner mit nach Hause nehmen, sie beköstigen, eine wohnung mieten u. Alles für die bezahlen. Sie wird schon sehen, was afrikanische Dankbarkeit heisst. Wenn Sie dann beklaut, verprügelt u. Schlimmeres wird, dann sollte sie das hinnehmen, wie Andere auch. Deutschland kann nicht ganz Afrika aufnehmen, deshalb endlich Widerstand gegen diese Regierung, die Schlepperei unterstützt u. begünstigt. Merkel u. diese ganze Politriege gehört angeklagt. Da die dem eigenen Volk bewusst Schaden zufügen..... 95816

29.06.2019 10:42 Mane 12

Das Schlff sollte für immer beschlagnahmt werden und die Migranten zurück.

29.06.2019 10:41 007 / Mut zur Wahrheit! 11

"Sea-Watch 3" beschlagnahmt - Kapitänin festgenommen.
Richtig so- gut so, so muss ein Rechtsstaat handeln!!!

Wenn ein Kapitän aus Seenot gerettet Menschen aufnimmt ist das seine Pflicht u richtig. Aaaaber wenn er mit Vorsatz zu einem bestimmten Zweck vor einer Küste kreuzt, dort nach Menschen "fischt" nur um diese per-du nach Europa bringen zu wollen, sich noch weigert diese Menschen wieder in naher Küste Afrikas zurück zu bringen oder sie dem zuständigen afrikanischen Küstenschutz zu übergeben, spätestens dann ist allen klar, dass ist keine humanitäre Tat oder Seenotrettung, dass ist gezielte Schlepperei. Eine kriminelle Straftat die geahndet werden muss.
Ich hoffe Kapitäninn u ihre gesamte Mannschaft bekommt dafür endlich mal Knast ...

29.06.2019 10:39 Mj 10

Keep fighting! Gotohl salvini

29.06.2019 10:31 Saxe 9

Wer sich verboten widersetzt Mus auch die Konsequenzen tragen Frau Kapitän so ist das nun mal. Gäbe es diese ganzen privaten sogenanntem Retter nicht gäbe es auch weniger Flüchtlinge . Punkt