Flüchtlinge halten sich am Dienstag (05.06.2012) in einem Lager für Flüchtlinge am Stadtrand von Tripolis auf.
Migranten in einem Flüchtlingslager nahe der libyschen Hauptstadt Tripolis. Bildrechte: dpa

Humanitäre Katastrophe EU und Afrikanische Union wollen Migranten aus Libyen holen

Bis zu einer Million Migranten sitzen in Libyen fest. Die EU und afrikanische Länder wollen die Menschen aus ihrer Misere befreien. Freiwillige sollen in die Heimat, Schutzbedürftige in andere Länder gebracht werden.

Flüchtlinge halten sich am Dienstag (05.06.2012) in einem Lager für Flüchtlinge am Stadtrand von Tripolis auf.
Migranten in einem Flüchtlingslager nahe der libyschen Hauptstadt Tripolis. Bildrechte: dpa

Angesichts der unhaltbaren Zustände in libyschen Flüchtlingslagern wollen afrikanische und EU-Staaten so schnell wie möglich gestrandete Migranten aus dem Bürgerkriegsland  ausfliegen.

Lager bei Tripolis wird evakuiert

Wie der Kommissionschef der Afrikanischen Union (AU), Moussa Faki Mahamat, am Donnerstag auf dem EU-Afrika-Gipfel in der Elfenbeinküsten-Hauptstadt Abidjan sagte, soll zunächst ein mit rund 3.800 Westafrikanern belegtes Flüchtlingslager bei Tripolis evakuiert werden. Nach Angaben von AU-Präsident Alpha Condé erklärte sich Marokko bereit, die entsprechende Zahl an Flugzeugen für die Aktion bereitzustellen.

Bis zu einer Million warten auf Überfahrt

In Libyen sollen verschiedenen Schätzungen zufolge zwischen 400.000 und einer Million Migranten festsitzen und auf eine Überfahrt nach Europa hoffen. Angesichts der dramatischen Menschenrechtslage und Berichten über Sklaverei hatten sich die Teilnehmer des EU-Afrika-Gipfels am Mittwochabend darauf geeinigt, so schnell wie möglich ausreisewillige Migranten aus Libyen zurückzufliegen. Flüchtlinge, die internationalen Schutz brauchten, sollten über Umsiedlungen in sichere Drittstaaten wie Tschad und Niger gebracht werden. Erst von dort könnten sie in aufnahmewillige andere Staaten umgesiedelt werden.

"Notfall-Evakuierungen" in kommenden Wochen

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sagte dazu, die "Notfall-Evakuierungen" sollten in den kommenden Tagen oder Wochen stattfinden. Zudem solle die Zusammenarbeit von Polizei und Geheimdiensten verstärkt werden, um gegen Schlepperbanden vorzugehen.

Kritik von Pro Asyl

Die Flüchtlingsorganisation Pro Asyl  kritisierte die Evakuierungspläne scharf. Stiftungsvorstand Günter Burkhardt sagte dazu: "Es ist unmöglich, in einem nicht existenten Staatsgefüge zu prüfen, wer Schutz braucht und wer nicht." Es gehe Ländern wie Deutschland und Frankreich bei den Plänen einzig und allein darum, Europa abzuschotten. Dass dies die Abschaffung des Asylrechts in Europa bedeute, sei ihnen egal.

137.000 Bootsmigranten in einem Jahr

Libyen ist das Hauptdurchgangsland für Flüchtlinge auf dem Weg nach Europa. Allein in diesem Jahr erreichten nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR bereits 137.000 Menschen über Nordafrika Italien und Spanien. Die meisten kamen über Libyen, wo die Zentralregierung keine Kontrolle über weite Teile des Landes hat. In vielen Gebieten haben bewaffnete Milizen das Sagen. Sie verdienen vielfach auch am Schleusergeschäft kräftig mit. Die Gewinne aus der Schleusung von Menschen in Richtung Europa finanzieren so gesehen auch den anhaltenden Bürgerkrieg in Libyen.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Fernsehen | 30.11.2017 | 19:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 30. November 2017, 18:04 Uhr

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18 Kommentare

02.12.2017 16:04 Fragender Rentner 18

Wieviele Menschen verträgt die Erde?

Bevor sie kollabiert?

02.12.2017 11:55 Klarheit 17

08:43 H.B. 14 , bringt es auf den Punkt , ein stabiles Land mit Schulsystem und medizinischer Versorgung wurde von den USA und ihren europ. Vasallen zerbombt - jetzt sollten sich die Franzosen , Engländer und Italiener gefälligst darum kümmern und DE mit den Folgen verschonen ... was allerdings mit Merkel nicht machbar ist ........

und der Hr. Gabriel hat ja auch schon seine Spinnereien geäußert - 100 000 te Afrikaner her holen zur Ausbildung ... und keiner wird jemals zurück gehen -- verschone uns damit !!

01.12.2017 16:13 Fragender Rentner 16

Zitat von Oben: EU und Afrikanische Union wollen Migranten aus Libyen holen

Wo sollen sie hin?

Jetzt gefällt der EU schon wieder nicht was Ungarn macht.

01.12.2017 10:07 Knuffl 15

wartet mal auf das Einwanderungsgesetz?

Was denkt ihr warum so darauf gedrängt wird?

01.12.2017 08:43 H.B. 14

Die meisten Migranten kommen über Lybien, wo es viele kriminelle Clans u. Milizen gibt. Und wer war schuld, daß Lybien ein failed state ist, was vorher kein demokratischer aber ein stabiler Staat war "die ehemalige Außenministerin H. CLINTON unter OBAMA". Clinton hat den Konflikt mit Hilfe von Frankreich u. Großbritannien angezettelt, aber von den USA gibt es keine Hilfe u. wie sieht es mit GB und Frankreich aus: Auch nur mäßig bis gar nicht. Man darf sich sowieso fragen, wieso wir uns in Afrika überhaupt so stark engagieren sollen, nachdem D die wenigen ehemaligen Kolonien bereits nach dem 1. Weltkrieg abgenommen wurden, aber die anderen dafür umso mehr diese Länder ausgebeutet und sich die Taschen damit vollgestopft hatten.
Pro Asyl will natürlich uns immer mehr zumuten. Es ist jedenfalls sinnvoll, wenn die Leute in Lybien in ihre Heimatländer zurückgeführt oder evakuiert werden in sichere afrikanische Staaten und es versucht wird, daß sie dort sich eine Existenz aufbauen können.

01.12.2017 05:46 Harzer 13

Merkel, Merkel sie ist noch nicht gewählt,soll sich besser um DE kümmern. Das ist für Afrika wieder eine
Einladung, kommt ins gelobte Land DE !

30.11.2017 22:44 Norbert 12

Völlig verblendet das ganze, wer soll das denn Bitte schön erledigen ?
Dort agieren Milizen, korrupte Militärs und Leute die nie etwas anderes als Krieg erlebt haben. Unsere desolate BW oder die nicht existierende EU Eingreiftruppe soll da evt. was regeln ? Mir wird Angst und Bange bei solchen Staatsoberhäuptern. Wie viel braucht es eigentlich noch um zu kapieren das dieser Kontinent völlig durchdreht. Das ist nicht mehr regelbar egal aus welchem Grund es dort so zugeht....

30.11.2017 22:17 ewa 11

Greift Frau Merkel jetzt auf die alte DDR Vertragsarbeiterregelung zurück?

30.11.2017 21:30 Natürlich nicht. 10

@30.11.2017 18:27 GEZE (1 Kann mir mal jemand erklären, warum wir keine Hilfe vor Ort leisten können? Bin ich wirklich zu dumm, so etwas zu verstehen?)

Nein, Sie verstehen das auch ganz genau: Es darum, die Leute NACH Europa zu holen, um hier den "Arbeitsmarkt" Verwertungs"gerecht" zu "gestalten" - da nützen den Profiteuren die Leute jenseits des Mittelmeeres nicht viel. Es geht also nicht um "Hilfe", sondern um die Interessenlage des Kapitals und seiner politischen Handlanger. Oder haben Sie jemals auch nur ein einziges Mal erlebt, dass ein Staat "selbstlose Hilfe" geleistet hat? Auch nur einen Fall? Richtig, es gibt keinen. Die Sache soll einfach unter leicht veränderter Überschrift weiterlaufen, das ist alles. Sonst könnte, man Libyen nämlich einfach "die Geräte zeigen" und an ein paar sehr wirksamen Stellschrauben drehen.

30.11.2017 21:13 Was heisst das GENAU? 9

"Freiwillige sollen in die Heimat, Schutzbedürftige in andere Länder gebracht werden."

"Freiwillige sollen" und "gebracht werden"?
Finde die sprachlogischen Antinomien...
Und bei der Gelegenheit: Definiere "Schutzbedürftige" PRÄZISE. Bei "Freiwilligen" ist ohnehin klar, wie die Freiwilligkeit "generiert" wird.
Ausserdem hätte ich gerne ein eindeutiges Kriterium für beide Gruppen.

Es wird offensichtlich, dass das eintritt, was i.d.R. nicht veröffentlichte Kommentatoren schon vor Monaten gemutmaßt haben: Die Sache soll zunächst ausgesessen werden und nach Abflauen der öffentlichen Aufmerksamkeit wieder anlaufen wie geplant. Die mangelnde sprachliche Präzision in den wolkigen Einlassungen ist notwendig, um nicht auf Erklärungen und Aussagen festgenagelt werden zu können.

Das Vorhaben wird entweder sofort scheitern oder politische Verwerfungen in Europa erzeugen, deren dafür Verantwortliche wir uns gut merken sollten.