Der Tender 'Mosel' läuft ins Mittelmeer aus.
Der deutsche Tender "Mosel" (Archivbild) hat den Kriegshafen Souda mit Kurs auf die Libysche See verlassen. Bildrechte: dpa

"Sophia"-Einsatz EU-Marinemission vor Libyen wieder angelaufen

Die EU-Marinemission "Sophia" vor der libyschen Küste ist wieder angelaufen. Unklar bleibt, was künftig mit den bei dem Einsatz gegen Schlepper und Waffenschmuggler geretteten Migranten geschehen soll. Nachdem Italien weitere Aufnahmen verweigert hatte, könnte es auf eine Umverteilung auf andere EU-Staaten hinauslaufen.

Der Tender 'Mosel' läuft ins Mittelmeer aus.
Der deutsche Tender "Mosel" (Archivbild) hat den Kriegshafen Souda mit Kurs auf die Libysche See verlassen. Bildrechte: dpa

Die EU-Marinemission "Sophia" läuft trotz der Debatte um eine Schließung italienischer Häfen vorerst weiter. Eine Sprecherin der EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini teilte am Montag in Brüssel mit: "Die Operation 'Sophia' setzt ihr Mandat in allen Aspekten fort."

Deutsches Schiff verlässt Kriegshafen Souda

Auch die Deutsche Marine, die an der "Sophia"-Mission im zentralen Mittelmeer mit einem Schiff beteiligt ist, ließ die von ihr gestellte Einheit am Montag wieder auslaufen. Wie das Bundesverteidigungsministerium mitteilte, stach der deutsche Tender "Mosel", der im Mai die Fregatte "Sachsen" im Einsatzgebiet abgelöst hatte, wieder in See. Das Schiff hatte zuletzt länger als geplant im Kriegshafen Souda auf Kreta vor Anker gelegen.

Die Fragatte "Sachsen" wird nach ihrer Rückkehr am Marinestützpunkt von einem Schlepper zur Anlegestelle gezogen. Das Schiff hat bei der Operation "Sophia" Schleusernetzwerke aufgeklärt und zentrale Routen im Mittelmeer überwacht.
Das deutsche Vorgängerschiff der "Mosel" war die Fregatte "Sachsen". Bildrechte: dpa

Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums sagte dazu, der bisherige Operationsplan bleibe in Kraft. Demnach ist das Ziel der Mission der Kampf gegen Schleuser und die Ausbildung der libyschen Küstenwache. Die Rettung von Menschen aus Seenot sei aber nicht ausgeschlossen, sondern bleibe eine "völkerrechtliche Verpflichtung für jeden Seemann".

Vorläufiger Rückzug nach Drohungen aus Rom

Grund für die Aussetzung der EU-Marinemission waren Drohungen der italienischen Regierung, die im Zuge des Einsatzes gegen Schlepper und Waffenschmuggler aus Seenot geretteten Migranten nicht mehr in Italien anlanden zu lassen. Der zuständige Einsatzführer von "Sophia", Enrico Credendino, hatte daraufhin den vorläufigen Rückzug der beteiligten Schiffe aus ihren Einsatzgebieten angeordnet. Damit sollte verhindert werden, dass die EU-Schiffe bei ihren Einsätzen Gerettete an Bord nehmen, die sie später nirgendwo anlanden können.

Bislang keine endgültige Lösung

Wie mit durch "Sophia"-Schiffe geretteten Migranten künftig umzugehen ist, blieb zunächst offen. Bei Krisengesprächen hatten die anderen EU-Staaten Italien zugesagt, in den nächsten Wochen eine neue Strategie zu erarbeiten. Eine Variante könnte nach Angaben der EU die Aufteilung der Menschen auf andere Mitgliedsstaaten sein. Auch könnten künftig andere EU-Staaten als Italien angelaufen werden.

Einsätze weiter von Küste weg

Nach Angaben aus Brüsseler Militärkreisen lässt das "Sophia"-Kommando bereits jetzt die EU-Schiffe nicht mehr so nah an der libyschen Küste operieren. Die Einsatzführung wolle damit erreichen, dass mögliche Rettungseinsätze für die von Schleppern in Schlauchboote gesetzten Migranten von der libyschen Küstenwache organisiert werden, welche die Menschen dann zurück nach Libyen und nicht nach Italien bringt.

Tatsächlich wurden in den letzten Wochen und Monaten im Rahmen der "Sophia"-Mission deutlich weniger Migranten gerettet als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Seit dem Start der EU-Marinemission im Jahr 2015 wurden bislang 49.000 im Mittelmeer aufgenommene Menschen nach Italien gebracht.   

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 23. Juli 2018 | 15:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. Juli 2018, 17:30 Uhr

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27 Kommentare

25.07.2018 18:45 Brigitte Schmidt 27

Besser spät als nie - Erwiderung auf Kommentar 13 (Huber):

Ihre Logik hat einen entscheidenden Denkfehler, die genannten Beispiele sind als Fahrlässigkeit einzuordnen:

Der rasende Autofahrer hatte nicht den Unfall als Ziel, der Krebspatient hat nicht wegen der Krankheit geraucht und/oder getrunken und, nun wird's am deutlichsten, der Bergwanderer hatte nicht das Ziel der Bergnotrettung.

25.07.2018 17:27 Krause - "lieber nackt als rechtsextremistisch!" 26

@ 23:
Zitat "Der Krause und seine Religionsausgrenzung."

Fehler! Ich grenze keine Religionen aus - das macht nur die 'Partei der Religionsausgrenzung'.

Punkt 7.6.1 des Parteiprogramms der 'Partei der Religionsausgrenzung' beschreibt genau das:
eine Ausgrenzung einer Religion.
Wenn man sich dann mal traut, ins Grundgesetz zu schauen, erkennt man den Konflikt dieses Programmpunktes der 'Partei der Religionsausgrenzung' mit dem Grundgesetz.

Solange die 'Partei der Religionsausgrenzung' ihre Religionsausgrenzung beibehält, ist es einfach nur passend, die Partei, die sich die Religionsausgrenzung ins Parteiprogramm geschrieben hat, als 'Partei der Religionsausgrenzung' zu bezeichnen.

Wenn einem von Religionsausgrenzung 'schlecht' wird, dann sollte man nicht die 'Partei der Religionsausgrenzung' wählen oder ihre Standpunkte vertreten/verteidigen.
So viel Logik kann man sich ruhig antun.

25.07.2018 17:15 Fragender Rentner 25

Wurde auch Zeit, dass ich mal Urlaub auf See machen kann.

Wie ging das Lied, eine Seefahrt die ist lustig. :-)

24.07.2018 22:19 Wessi 24

Sagte ich doch: Italien knickt still und heimlich ein.Irgendwann steht Salvini bei Orbán und der PIS auf der Matte+sagt"Dublin muß weg" und dann als zweiter Schritt "Italien zahlt nicht mehr für Euch, denn Ihr entlastet uns nicht".Wetten?@ 23 ...na wenn ich die Veränderungen in der Bayernumfrage sehe?NIX an Plus für den blaubraunen Verein, minus bei den Religionsausgrenzern...nicht einmal zur SPD, sondern...oh Schreck, Ihr Besorgten: zu den Grünen!

24.07.2018 19:05 Ich bins 23

Der Krause und seine Religionsausgrenzung. Wenn ich das schon wieder höre.....

24.07.2018 18:05 Krause - "lieber nackt als rechtsextremistisch!" 22

@ 7:
Na, dann schau Dir nochmal die Definition von 'sicherer Hafen' an und vergleiche diese mit den derzeitigen Realitäten in Libyen...

@ 16:
In der Tat: die nächsten Wahlen werden wohl (mal wieder) Aufschluß über die dann derzeitige Stimmung in der Bevölkerung geben. Bis zur nächsten BT-Wahl ist es noch etwas hin, aber wir haben einen heißen Sommer: mal sehen, wieviel davon bis zur Bayern-Wahl die Köpfe erhitzt?

Es wird sich zeigen, wieviel Menschen die 'Partei der Religionsausgrenzung' wählen werden und wie die 'gemäßigt Konservativen' mit dieser um das 'rechte Spektrum' - wahlkampfbezogen - kämpfen werden.

Die 'Partei der Religionsausgrenzung' ist dabei, eine 'europäische Rechte' aufzubauen - Unterstützung von Bannon lehnt Meuthen allerdings ab...
Bis dahin werden erstmal wieder Flüchtlinge aus dem Mittelmeer gerettet - und das ist auch gut so! ;-)

24.07.2018 15:13 jochen 21

Bravo - Es ist geschafft - Die EU - Schlepperflotte kann so weitermachen wie bisher.
Die Merkle. wird sich über genügend Nachschub riesig freuen. Ich kann nicht verstehen, das ein Volk so was von blind ist ? Unglaublich

24.07.2018 12:13 Lilly 20

@Peter 18

"@6: Ich weiss ja nicht, wo Sie aufgeschnappt haben, dass Frankreich DIE (Sie meinten übrigens in @4 ALLE) Flüchtlinge zurückschickt."

nicht so schüchtern, suchen sie im Netz nach
"frankreich schickt flüchtlinge aus Italien zurück"

und darum geht es hier gerade, Frankreich nimmt keine Schutzsuchenden aus Italien auf!.

24.07.2018 11:07 Beate G. 19

ich verstehe immer nicht,was die Begrifflichkeiten Seenot und Seenotretter hier zu suchen haben---die Situation ist doch hausgemacht---Afrikaner begeben sich in Schlauchbooten auf See,mit denen sie zwangsläufig binnen kürzester Zeit in" Seenot"geraten---auf See warten auf dieses vorprogrammierte Szenario wiederum Schiffe,die die armen,sich selbst in die Situation Gebrachten aufnehmen und dann endlich ab nach Europa---eigentlich Deutschland!Dümmer gehts nimmer ---oder...

24.07.2018 10:38 Peter 18

@6: Ich weiss ja nicht, wo Sie aufgeschnappt haben, dass Frankreich DIE (Sie meinten übrigens in @4 ALLE) Flüchtlinge zurückschickt.
Die offiziellen Daten, aber auch die Verlautbarungen aus Frankreich sagen zumindest, dass es einfach nicht stimmt.
Ich zitiere den Tagesspiegel: "Am Mittwoch kündigte Premierminister Philippe nun an, dass 12.500 neue Aufnahmeplätze für Flüchtlinge bis zum Jahr 2019 geschaffen werden sollen."