Der Tender 'Mosel' läuft ins Mittelmeer aus.
Der Tender 'Mosel' war eines der deutschen Marineschiffe, die sich an der Mission "Sophia" beteiligten. Bildrechte: dpa

Streit mit Italien EU-Rettungsmission "Sophia" vor dem Aus

Zehntausende Flüchtlinge sind in den vergangenen Jahren im Mittelmeer von europäischen Marineschiffen vor dem Ertrinken gerettet worden. Doch nun wird die EU-Rettungsmission "Sophia" teilweise beendet. Grund ist der Streit mit Italien über die Verteilung der Geretteten.

Der Tender 'Mosel' läuft ins Mittelmeer aus.
Der Tender 'Mosel' war eines der deutschen Marineschiffe, die sich an der Mission "Sophia" beteiligten. Bildrechte: dpa

Wegen des Streits über die Aufnahme von im Mittelmeer geretteten Flüchtlingen will die EU ihre Mittelmeer-Mission "Sophia" teilweise aussetzen. Wie EU-Kreise mitteilten, soll die Mission zwar nochmals vorläufig um sechs Monate bis Ende September verlängert werden, allerdings ohne Schiffe.

Stattdessen soll der Seeraum vor der Küste Libyens nur noch aus der Luft beobachtet werden. Die Ausbildung libyscher Küstenschützer soll jedoch fortgesetzt werden. Der "Sophia"-Einsatz vor der libyschen Küste endet nach bisherigem Stand am 31. März. Eine weitere Verlängerung des Einsatzes von Schiffen scheiterte am Veto Italiens.

Keine geregelte Umverteilung

Der Grund für den italienischen Widerstand ist, dass bisher alle geretteten Flüchtlinge automatisch nach Italien gebracht werden. Von dort sollen sie eigentlich in der EU verteilt werden. Da sich aber Mitgliedsstaaten wie Ungarn und Polen einem Umverteilungsschlüssel verweigern, bleiben die meisten in Italien.

Die italienische Regierung hat deshalb zuletzt immer wieder Schiffe mit geretteten Menschen im Mittelmeer blockiert. Damit sollten andere EU-Staaten zur Aufnahme von Flüchtlingen bewegt werden - ohne Erfolg.

Deutschland ist schon ausgestiegen

Stattdessen wurde der Streit an anderer Stelle noch verschärft. Deutschland kündigte im Januar an, vorerst kein Schiff mehr für den Einsatz vor der libyschen Küste zur Verfügung zu stellen.

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen begründete dies mit dem Verhalten der italienischen Einsatzführung, die die deutsche Marine in den vergangenen Monaten nicht mehr in die Nähe von Flüchtlingsrouten geschickt hatte - offensichtlich um auszuschließen, dass Migranten gerettet werden, die dann nach Italien gebracht würden.

Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini hatte die EU-Staaten in den vergangenen Monaten mehrfach eindringlich dazu aufgerufen, eine Fortsetzung der Operation Sophia zu ermöglichen. Sie verwies darauf, dass die Zahl der illegal in Europa ankommenden Migranten im Verlauf des Einsatzes um mehr als 80 Prozent gesunken sei - unter anderem durch die Ausbildung der libyschen Küstenwache.

Lifeline-Kapitän Reisch fordert staatliche Rettung

Seit Beginn der europäischen Marinepräsenz vor der Küste Libyens im Jahr 2015 wurden knapp 50.000 Migranten nach Italien gebracht - mehr als 22.500 von ihnen nach der Rettung durch die deutsche Marine.

Erst am Dienstag hatte der Kapitän des zivilen Seenotrettungsschiffs "Lifeline", Claus-Peter Reisch, den Ausbau staatlicher Rettungsmissionen gefordert. Der in Malta vor Gericht stehende Reisch sagte MDR AKTUELL, wenn es ein funktionierendes staatliches Seenotrettungsprogramm gebe, bräuchte es auch keine zivile Seenotrettung mehr.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 27. März 2019 | 06:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 27. März 2019, 07:33 Uhr

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20 Kommentare

28.03.2019 21:15 Buergerx 20

@19Holger: nicht Sie und Ihre Gesinnungsgenossen legen für die Allgemeinheit fest, was eine "Schande" und ein "Skandal" ist. Für mich ist das Verhalten vom Merkel und Co, der "Seenotretter" etc. eben genau das. Sie sehen, alles ist relativ.

28.03.2019 12:21 Holger 19

Wer hier lautstark begrüßt, dass die italienische Regierung keine Schiffe mehr in die Nähe von Flüchtlingsbooten lässt, der nimmt stillschweigend den Tod von Tausenden Menschen im Mittelmeer in Kauf!!! Das ist ein Skandal, genauso wie die EU keine Einigung erreicht im Punkt Flüchtlingsverteilung und daher auch die Rettungsmission "Sophia" einstellen will. Man handelt hier in Europa (ein Großteil der Mitgliedsstaaten) nach dem Motto " Immer schön wegschauen und den Dingen seinen Lauf lassen!"
Die Hartliner gewinnen immer mehr die Oberhand und die Schreie nach einer Art militärischen Festung um Europa nehmen zu.
Eine Schande wie hier mit Menschen umgegangen wird!!!

28.03.2019 12:01 D.o.M. 18

Die Aussage ist wieder (gewolltt?) lückenhaft:
" Zehntausende Flüchtlinge sind in den vergangenen Jahren im Mittelmeer von europäischen Marineschiffen vor dem Ertrinken gerettet worden "
Vollständig muß es heißen:
" Zehntausende Flüchtlinge sind in den vergangenen Jahren im Mittelmeer von europäischen Marineschiffen vor dem Ertrinken gerettet und nach Europa verbracht worden". Ganz abgesehen davon, dass man nicht davon ausgehen muss, dass bei allen Ageholten tatsächlich akute Seenot bestand.

28.03.2019 10:52 winfried zu MDR-"Zwischenruf" bei (15) 17

Sie haben Recht.
Ich habe den MDR-Artikel "Maltas Marine übernimmt Kontrolle über entführtes Tankschiff"
erst danach entdeckt, und dort auch kommentiert.

28.03.2019 10:41 Bingo 16

Man kann es nur begrüßen, das dem Schlepperwesen im Mittelmeer die Grundlage entzogen wird. Es wäre in den "Starterländern", der illegalen Überfahrt bekanntzugeben, um Menschen von der lebensgefährlichen Überfahrt abzuhalten.

28.03.2019 09:29 winfried zu (13) und (14) 15

Soviel ich aus dem MDR-Parallelbeitrag entnehmen konnte handelt es sich um ca. 100 Personen.
Meine Prognose ...
... einmal in der EU --> am Ende in DE;
... in DE: das Asylverfahren erfolgt unabhängig vom Strafverfahren, i.d.R. "Refugees welcome".

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28.03.2019 08:20 Marlis 14

Das diese privaten Schiffe verschwinden die illegal Migranten Betonung Migranten ins Land bringen ist richtig, aber gerade gelesen diese Migranten Kapern jetzt ein Schiff und setzen die Besatzung unter druck und wollen Italien oder Malta anlaufen. Die Armee in Malta steht bereit und das ist richtig es kann ja wohl nicht angehen das die jetzt zu Piraten werden. Keine Schiffe mehr dorthin . Es mus doch irgendwann mal Schluss sein. Wir können doch nicht die ganze Welt aufnehmen und auch noch versorgen und bezahlen, jetzt ist genug das sind für mich Verbrecher Menschen die helfen jetzt unter Druck oder wer weis was noch. Zu setzen, zurück.79887

27.03.2019 20:47 böse-zunge 13

Die Mission zu beenden wurde heute abend durch "Elhiblu 1" zumindest in Zweifel gezogen - wenn Gerettete ihre Retter kapern und dann übers Mittelmeer davon schippern wollen ... dann braucht es Marine auf Patrouille.
Die Nöte in Lybien auf der einen Seite, die Angst noch aus Seenot zu retten nun auf der anderen.
Dann kann das nur noch von Marinen geleistet werden, da ist Selbstschutz noch möglich.

27.03.2019 17:17 Frido_Freimann 12

Bravo Italia !
Diesen Schlepperbanden gehört endlich das Handwerk gelegt !
Die vom Steuerzahler finanzierten Schiffe sind nicht dafür gedacht, Wirtschaftsflüchtlinge illegal nach Europa zu holen !

27.03.2019 15:40 Morchelchen 11

1, die sind doch schon besetzt. Und außerdem sind derartige Reisen ziemlich teuer bezahlt, was sie wohl gar nicht wissen? Sehr fleißiges asiatisches Personal ist übrigens vorwiegend dort tätig. Denen es nicht in den Sinn gekommen ist, als Asylsuchende in Europa den bequemen Weg zum Weltsozialamt einzuschlagen.