Ein Volkswagen Arteon steht während eines WLTP-Abgastests auf einem Rollenprüfstand im VW-Hauptwerk.
Abgastest auf einem Rollenprüfstand im VW-Hauptwerk. Bildrechte: dpa

EU-Umweltminister CO2-Ausstoß von Neuwagen soll um 35 Prozent sinken

Nach zähen Verhandlungen wollen die EU-Umweltminister den CO2-Ausstoß bei Neuwagen um 35 Prozent senken. Zustimmen muss neben der EU-Kommission auch das Europäische Parlament, das bislang eine schärfere Reduzierung der Emissionen forderte. Mehrere Länder hatten jedoch auf die Bremse getreten - darunter auch Deutschland.

Ein Volkswagen Arteon steht während eines WLTP-Abgastests auf einem Rollenprüfstand im VW-Hauptwerk.
Abgastest auf einem Rollenprüfstand im VW-Hauptwerk. Bildrechte: dpa

Im Streit um schärfere Kohlendioxid-Grenzwerte für Neuwagen haben die EU-Umweltminister bei ihrem Treffen in Luxemburg einen Kompromiss erzielt. Nach dem Willen der Mitgliedsstaaten soll der CO2-Ausstoß von 2020 bis 2030 um 35 Prozent sinken.

Bisher ist in der EU festgelegt, dass Neuwagen im Flottendurchschnitt 2020 nicht mehr als 95 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer ausstoßen sollen. Ziel der Senkung ist es, die Klimaziele der Europäischen Union insgesamt zu erreichen.

EU-Parlament und Kommission müssen zustimmen

Mit der Einigung könnten noch am Mittwoch die Verhandlungen mit dem EU-Parlament beginnen. Dieses muss zustimmen, hatte jüngst jedoch eine weitergehende CO2-Reduktion um 40 Prozent gefordert. Auch die EU-Kommission muss dann einer Neuregelung zustimmen. Sie hatte eine geringere Senkung des CO2-Ausstoßes um 30 Prozent vorgeschlagen.

Kompromiss geht mehreren Ländern nicht weit genug

Svenja Schulze
Stimmte dem 35-Prozent-Kompromiss zu: Bundesumweltministerin Svenja Schulze. Bildrechte: IMAGO

Der Einigung in der Nacht zum Mittwoch waren zähe Verhandlungen vorausgegangen. Auch der erzielte Kompromiss ging mehreren Ländern vor dem Hintergrund des neuen UN-Klimaberichts nicht weit genug. Ein irischer Vertreter sagte, er hoffe, dass in den Gesprächen mit dem EU-Parlament noch Nachbesserungen möglich seien - ähnlich sehen es Luxemburg, Schweden, Slowenien, Dänemark und die Niederlande.

Es fühlt sich so an, als ob wir bei diesem Kompromiss ein altes, fossiles Auto grün anstreichen. (...) Kratzt man ein bisschen am Lack herum, sieht man, dass das hier nicht grün ist, sondern komplett schwarz.

Dänemarks Umweltstaatssekretär Morten Baek

Deutschland tritt erst auf die Bremse - stimmt aber zu

Mehrere Länder hatten auf die Bremse getreten und eine Senkung um weniger als 40 Prozent gefordert - darunter auch Deutschland. Von mehreren Ländern mit ambitionierten Zielen gab es den Vorwurf, die Bundesregierung übe Druck auf andere Regierungen aus, um die Autoindustrie zu schützen:

Das Kanzleramt telefoniert mit den Hauptstädten. (...) Ich weiß nicht, ob es so etwas schon einmal in dieser Schärfe gab in der deutschen Umweltpolitik.

Luxemburgs grüner Umweltstaatssekretär Claude Turmes

Am Ende stimmte Deutschland zu, obwohl die Bundesregierung eigentlich ein 30-Prozent-Ziel anstrebte. "Das war heute wirklich, wirklich schwierig", sagte Umweltministerin Svenja Schulze nach den 13-stündigen Verhandlungen. Die SPD-Politikerin hatte vor der Sitzung deutlich gemacht, dass sie mit der Koalitoins-Position hadere und selbst ehrgeizigere Ziele für richtig halte.

Die Entscheidung ist für die Autoindustrie von großer Bedeutung. Strengere Grenzwerte bedeuten, dass Hersteller neben Diesel und Benzinern möglichst viele Elektrofahrzeuge verkaufen müssen, um den niedrigeren Emissions-Durchschnitt zu erreichen. Die Bundesregierung befürchtet Jobverluste, falls der Umstieg auf neue Antriebe zu schnell vollzogen wird.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 10. Oktober 2018 | 00:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. Oktober 2018, 07:36 Uhr

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22 Kommentare

10.10.2018 20:53 Ludwig 22

Mein persönlicher Beitrag zur Senkung der CO2-Emission um 35 % ist, die Atmung um 35% zu senken. Schaffe ich ganz einfach, indem ich die sportlichen Aktivitäten einstelle und mich tags auf Arbeit ruhig verhalte und mich abends auf dem Sofa rekele. Natürlich funktioniert auch das nur begrenzt. Wollte ich die CO2-Emission gegen Null herunterfahren, müsste ich aufhören zu atmen. Das ginge dann aber an meine Existenzgrundlage.

10.10.2018 16:06 Fragender Rentner 21

@Lilly zu 18

Werden da die Abgase auch durch den Fahrgastraum gelenkt ? :-)

Würde bestimmt der Umwelt helfen, wenn da schon ein Teil weggeschnuppert wird, bevor es das Auto verläßt. :-)

10.10.2018 16:02 Fragender Rentner 20

Zitat von Oben: Nach dem Willen der Mitgliedsstaaten soll der CO2-Ausstoß von 2020 bis 2030 um 35 Prozent sinken.

Na ob der Wille etwas bewirken wird, ob da die Autoindustrie nicht auch noch ein paar Wörter mitreden wird? :-)

Das dürfte nicht nur auf den CO² Wert beschrenkt werden, es muß sich auch beim NOX vieles tuen und nicht nur Reden !!!

10.10.2018 15:18 Ludwig 19

Mal ein paar Zahlen und Fakten, die nachdenklich stimmen könnten:
- die natürliche CO2- Emission auf der Erde beträgt jährlich ca. 750 Gigatonnen (750 Mrd. Tonnen CO2).
- Menschengemacht sind etwa 36 Gigatonnen (Industrie + Verkehr)
- davon auf den Straßenverkehr entfallen ca. 17,5 % ; also etwa 6,3 Gigatonnen.
Der einzelne Mensch selbst erzeugt infolge seiner Atmung vorsichtig gerechnet ca. 1 Tonne CO2 jährlich.
D. h., die 7,5 Mrd. Menschen dieser Erde erzeugen 7,5 Gigatonnen CO2 durch ihre Lungenatmung und damit eine gute Tonne mehr als durch den Straßenverkehr. Ein Mehrfaches an CO2 erzeugen dann natürlich auch alle Tiere.
Je höher der CO2-Anteil in der Luft, desto rascher und besser wachsen übrigens die Sauerstoff produzierenden Pflanzen. Was diese erst recht dann tun, wenn es dazu noch wärmer und feuchter wird - dann also noch mehr Sauerstoff produzieren, wenn man sie nur ließe.

10.10.2018 13:28 Lilly 18

@Max W. - Das ist ja schon ein Zumutung 11

"Die deutsche Bundesregierung im Auftrag der Abgasbetrüger und für deren Profite."

nö!

im übrigen bekomme ich noch im Oktober meinen Q5 / 3,0 TDI ;-)

10.10.2018 13:10 Ekkehard Kohfeld 17

@ Max W. - Das ist ja schon ein Zumutung 11 Was sie natürlich AfD-typisch nicht daran hindert, absurde Lobbyvorwürfe an die exakt falsche Fraktion zu richten.##Echt erstaunlich für alles und jedes oder wenn einem die Meinung nicht passt wir die AFD herangezogen scheint besser zu sein als Argumente zu liefern.Zumindestens braucht sie selber keine Wahlwerbung machen,sie ist auch so in aller Munde:-)))))

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10.10.2018 13:08 Brennabor 16

Dann dürfte ab heute kein einziger SUV mehr vom
Band rollen. Geht nicht, alle wollen SUV fahren.

10.10.2018 12:17 Kulturbeflissener 15

Ich vermute, 35 % Reduzierung sind nur mit einer illegalen Abschalteinrichtung zu erreichen (wie auch schon die Reduzierungen davor).

10.10.2018 11:58 Montana 14

Nur wenn ich zu Fuß gehe. Punkt

10.10.2018 11:56 Bernd L. 13

Man müsste viel rigoroser vorgehen, um das Klima für die Welt zu retten: die Autohersteller sollen endlich Autos ohne Schadstoffausstoß herstellen (man könnte hier auf die Expetrise der Grünen zurückgreifen), denn laut Klimarat brauchen wir eine Absenkung des CO2-Ausstoss auf 0.