Soldaten der sri-lankischen Armee sichern das Gebiet um den St. Anthony's Shrine nach einer Explosion in Colombo.
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Terror Mehr als 200 Tote bei Anschlägen in Sri Lanka

Sri Lanka ist am Morgen von mehreren Bombenanschlägen erschüttert worden. Die Zahl der Toten ist auf mehr als 200 gestiegen. Im Laufe des Tages wurden weitere Explosionen gemeldet. Auch 32 Ausländer sind nach Angaben der Tourismusbehörde unter den Opfern. Mindestens acht Verdächtige wurden festgenommen.

Soldaten der sri-lankischen Armee sichern das Gebiet um den St. Anthony's Shrine nach einer Explosion in Colombo.
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Bei einer Reihe von Explosionen sind in Sri Lanka am Ostersonntag mehr als 200 Menschen getötet worden. Nach Polizeiangaben wurden zudem mindestens 450 Menschen verletzt. Wie die Tourismusbehörde inzwischen mitteilte, seien unter den Toten auch 32 Ausländer aus acht Staaten. Dazu gehörten Reisende aus Indien, den USA, Großbritannien, Portugal, China, den Niederlanden, aus Belgien und der Türkei.

Anschläge gegen Hotels und Kirchen

Den Angaben zufolge ereigneten sich die ersten sechs Detonationen innerhalb einer halben Stunde. Betroffen sind drei Luxushotels sowie die dem heiligen Antonius von Padua geweihte Kirche in Colombo. Sie gilt als Nationalheiligtum der Katholiken in Sri Lanka. Explosionen gab es auch in zwei Kirchen außerhalb der Hauptstadt Sri Lankas. In allen drei Gotteshäusern fanden zu dem Zeitpunkt Ostermessen statt. Später meldete die Polizei zwei weitere Explosionen in Colombo.

Offenbar mindestens zwei Selbstmordattentate

Mindestens zwei der Attentate werden Selbstmordattentätern zugeschrieben. Ein Mitarbeiter des Luxushotels Cinnamon Grand sagte, dort sei ein Mann zum Anfang einer Warteschlange gegangen und habe die Detonation ausgelöst. Nach Polizeiangaben wurde auch die achte - und bislang letzte - Detonation von einem Selbstmordattentäter ausgelöst. Der Mann habe sich in die Luft gesprengt, als Polizisten sein Haus in einem Vorort von Colombo betreten hätten, verlautete aus Polizeikreisen. Drei Beamte seien mit in den Tod gerissen worden.

Mindestens acht Festnahmen

Nach Behördenangaben wurden inzwischen mindestens acht Menschen festgenommen. Bei den Verdächtigen handle es sich um Einwohner des Inselstaats, allerdings gingen die Ermittler auch möglichen Verbindungen ins Ausland nach.

Premierminister Ranil Wickremesinghe erklärte in einer Fernsehansprache am Sonntagabend, der Geheimdienst habe vor den Angriffen Hinweise auf einen möglichen Anschlag gehabt. Es müsse untersucht werden, warum keine entsprechenden Maßnahmen ergriffen worden seien.

Für das Land wurde eine Ausgangssperre bis zum nächsten Morgen verhängt.

Weltweite Betroffenheit und Anteilnahme

International haben die Anschläge tiefe Betroffenheit ausgelöst. EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker sprach den Familien der Opfer sein Beileid aus und bot Hilfe an. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan sprach von einem "Angriff auf die gesamte Menschheit". Russlands Präsident Wladimir Putin erklärte, er gehe davon aus, dass "Täter und Auftraggeber eine verdiente Strafe bekommen".

In dieser schweren Stunde trauern wir mit den Hinterbliebenen und beten für die schnelle Genesung der Verletzten. Religiöser Hass und Intoleranz, die sich heute auf so schreckliche Weise manifestiert haben, dürfen nicht siegen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel
Sicherheitskräfte begutachten die Zerstörungen in der St. Anthony's in Kochchikade in Colombo, Sri Lanka.
Eines der Anschlagsziele: Die Kirche St. Antonius in Colombo Bildrechte: dpa

In Deutschland reagierten Bundespräsident und Bundesregierung tief betroffen. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier erklärte in einem Kondolenzschreiben, er verfolge die "feigen Terroranschläge fassungslos und voller Entsetzen". Bundeskanzlerin Angela Merkel schrieb an Präsident Maithripala Sirisena: "Es ist schockierend, dass Menschen, die sich versammelt hatten, um gemeinsam das Osterfest zu begehen, ein bewusstes Ziel dieser hinterhältigen Angriffe waren".

"Dürfen uns nicht spalten lassen"

Die katholischen Bischöfe Deutschlands erklärten, der Ostertag sei in Sri Lanka zu einem dunklen Karfreitag geworden. Kardinal Reinhard Marx würdigte den Einsatz der katholischen Kirche auf Sri Lanka für nationale Versöhnung. Sie sei ein geschätzter Partner für Dialog und caritative Hilfe, schrieb der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz in einem Brief an seinen sri-lankischen Amtskollegen Julian Winston Fernando.

Auch muslimische Verbände verurteilten die Anschläge. "Wir dürfen uns von Terror und Gewalt nicht spalten lassen", erklärte der Vorsitzende des Islamrates in Deutschland, Burhan Kesici. Gläubige müssten erst recht in solchen Zeiten den Dialog fördern. Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, erklärte, er sei in Gedanken bei den Opfern und Familien. Terrorismus werde niemals siegen.

Der Finanzminister von Sri Lanka, Mangala Samaraweera betonte inmitten der Tragödie, die große Solidarität über alle Konfessionen hinweg sei ein bestärkendes Signal.

Reisehinweise und Hotline für besorgte Angehörige

Die deutsche Botschaft in Sri Lanka steht laut Außenministerium mit den örtlichen Behörden in Kontakt und bemüht sich um Aufklärung, ob auch Deutsche betroffen sind. Reisende werden gebeten, die Anschlagsorte weiträumig zu meiden, die lokalen Medien zu verfolgen, engen Kontakt zu Reiseveranstaltern und Fluggesellschaften zu halten und Anweisungen von Sicherheitskräften Folge zu leisten. Für besorgte Angehörige gibt es eine Hotline unter 030-500 00.

Sri Lanka beliebtes Touristenziel

Sri Lanka ist ein beliebtes Touristenziel, auch für Europäer. Der südasiatische Inselstaat ist vorwiegend buddhistisch geprägt. Sieben Prozent der 22 Millionen Einwohner sind Christen, knapp zehn Prozent sind Muslime, zwölf Prozent sind Hindus.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR AKTUELL | 21. April 2019 | 19:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. April 2019, 12:23 Uhr