Verdacht der Wahlmanipulation Facebook schließt gefälschte Konten

Facebook hat weitere offenbar gefälschte Accounts gelöscht. Es laufen Ermittlungen wegen des Verdachts der Einflussnahme auf die anstehenden US-Kongresswahlen. Facebook hält sich mit Beschuldigungen zurück, doch es gibt eine Spur nach Russland.

Facebook hat nach eigenen Angaben eine Kampagne zur Wahlmanipulation vor den US-Kongresswahlen im November aufgedeckt. Wie der US-Konzern mitteilte, wurden 32 Nutzerkonten in dem Online-Dienst sowie im Bilderdienst Instagram geschlossen.

Die US-Strafverfolgungsbehörden wurden eingeschaltet sowie der Kongress und andere Technologieunternehmen informiert. Nach einem Bericht der "New York Times" arbeitet das Unternehmen mit dem FBI zusammen.

Verbindungen zu russischer Trollfabrik

Nach Erkenntnissen von Facebook geht es um mehr als 10.000 verdächtige Nachrichten. 290.000 andere Nutzer seien den geschlossenen Konten gefolgt. Die Konten gaben demnach 11.000 Dollar für fast 150 Werbeanzeigen aus. Facebook sprach von "entschlossenen, gut finanzierten Gegnern", die ständig ihre Taktik änderten.

Facebook-Sicherheitschef Alex Stamos zufolge wird noch ermittelt. Deshalb wolle man noch keine Länder oder Gruppen benennen, die für die Kampagne verantwortlich sein könnten. Es gebe Hinweise auf Verbindungen zu im vergangenen Jahr geschlossenen Konten der Internet Research Agency (IRA), die als "Trollfabrik" der russischen Regierung angesehen wird. Als Trolle werden Internetnutzer bezeichnet, die bewusst Online-Diskussionen stören und die Atmosphäre in Chatrooms vergiften.

Weiter Ermittlungen zur US-Präsidentschaftswahl

Die IRA kontrollierte vor den US-Präsidentschaftswahlen 2016 zahlreiche Facebook-Konten, die zur Wählerbeeinflussung genutzt worden sein sollen. Die Kampagnen richteten sich vor allem gegen die US-Demokraten. Dazu laufen umfangreiche Ermittlungen, doch die Beweisführung ist schwierig. Moskau weist die Anschuldigungen zurück.

Im vergangenen Herbst hatte Facebook erklärt, etwa zehn Millionen Nutzer in den USA hätten verdächtige gesponserte Beiträge gesehen - diese seien von fast 500 Nutzerkonten aus Russland gekommen.

Der demokratische US-Senator Mark Warner, Vize-Vorsitzender des Geheimdienstausschusses, erklärte am Dienstag, die Enthüllungen von Facebook seien ein weiterer Beweis dafür, dass der Kreml Plattformen wie Facebook zur Verbreitung von Fake-News nutze. Der Chef der Demokraten im Senat, Chuck Schumer, warf der Trump-Regierung vor, "nicht einmal annähernd genug zu tun", um Wahlen zu schützen.

Reaktion aus dem Weißen Haus  

Das Weiße Haus versicherte am Dienstag, US-Präsident Donald Trump toleriere "keine ausländische Einmischung in unseren Wahlprozess durch irgendeinen Staat oder andere böswillige Akteure". Vor zwei Wochen hatte Trump noch für Empörung gesorgt, weil er es bei einem Treffen mit dem russischen Staatschef Wladimir Putin vermieden hatte, die nach einhelliger Erkenntnis der US-Geheimdienste von Russland verübten Cyberattacken während des Wahlkampfs 2016 zu verurteilen.

Facebook-Chef Mark Zuckerberg sagte dem Missbrauch sozialer Netzwerk den Kampf an: "Eine meine obersten Prioritäten für 2018 ist es, einen Missbrauch von Facebook zu verhindern", schrieb Zuckerberg auf seiner eigenen Facebook-Seite. Er wolle Menschen einander näher bringen und alles tun, um jeden daran zu hindern, die Dienste zu missbrauchen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 01. August 2018 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 01. August 2018, 11:21 Uhr

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8 Kommentare

03.08.2018 10:56 Fragender Rentner 8

Na mei, dass die das so schnell herausbekommen haben ist doch toll von ihnen oder nicht? :-(

Die sollen doch schon über Jahre drin sein habe ich im Fernsehen gehört/gesehen.

Ach, es soll ja Geld für jeden Eintrag gegeben haben? :-(

01.08.2018 21:17 Peter 7

@6 Colditzer: Sie scheinen immer noch nicht begriffen zu haben, was Facebook ist.
Facebook ist ein US-amerikanisches Unternehmen, das Geld verdienen will.
Es stellt eine Plattform zur Verfügung, auf der Menschen, Unternehmen u.a. kommunizieren und werben können. An der Werbung verdient Facebook Geld.
Wenn allerdings eine solche Plattform negativ in die Schlagzeilen gerät, zum Beispiel durch die Fake News russischer Trolle, dann ist das schlecht fürs Geschäft.
Also schaltet Facebook die Accounts dieser für Facebook schädlichen Trolle ab. Als privates Unternehmen muss Facebook niemanden fragen.
Und Ihr Hinweis auf die Pressefreiheit ist in diesem Zusammenhang lächerlich. Facebook ist keine Zeitung, Facebook beschäftigt keine Journalisten.
Sie selbst können entscheiden, ob Sie Facebook nutzen oder nicht. Wenn Sie allerdings Facebook schaden, wird Ihr Account gelöscht.

01.08.2018 19:37 colditzer 6

Eine Sache muß man mir doch mal erklären:
"1.Als Trolle werden Internetnutzer bezeichnet, die bewusst Online-Diskussionen stören und die Atmosphäre in Chatrooms vergiften."
"2.Nach Erkenntnissen von Facebook geht es um mehr als 10.000 verdächtige Nachrichten. 290.000 andere Nutzer seien den geschlossenen Konten gefolgt. Die Konten gaben demnach 11.000 Dollar für fast 150 Werbeanzeigen aus."

Was bitte haben die angeblichen Trolle - Störer in Online-Diskussionen und Chatrooms- mit Konten und bezahlten Werbeanzeigen zu tun?
In Amerika gibt es angeblich das hohe Gut der Pressefreiheit-man pocht auf jeden Fall sehr darauf herum.
Und FB legt dann mal fest, was Pressefreiheit betrifft, ja?
Was dem Bürger zumutbar ist und was nicht.

01.08.2018 13:24 Krause - "lieber nackt als rechtsextremistisch!" 5

Fratzenbuch hat ein System erschaffen, das auch mißbraucht wird - und versucht nun, diesen Mißbrauch auszuschließen.

Ganz ausschließen wird man das 'Getrolle' nie, und so wird ein bestimmtes Maß an 'Getrolle' eben "hingenommen" und für dieses Maß die allseits bekannten und realen Gefahren des Trollens ausgeblendet.

Es ist gut, daß Fratzenbuch in dem Zusammenhang mit den Emittlungsbehörden zusammenarbeitet.
Sollte sich die 'russische Einflußnahme' tatsächlich mal bestätigen lassen, brechen damit einige Aussagen von Putin und Lawrow krachend zusammen.

01.08.2018 13:07 colditzer 4

Ehrlich,
sind die Amerikaner geistig so labil, so das sie sich von jeder Anzeige bei FB, Instagram oder wo auch immer beinflussen lassen?

"Im vergangenen Herbst hatte Facebook erklärt, etwa zehn Millionen Nutzer in den USA hätten verdächtige gesponserte Beiträge gesehen..."
Gesehen, gelesen , verinnerlicht , oder was?
10 Millionen von 300 Millionen Einwohnern.
Und wieviel davon waren Wähler?
In der heutigen Zeit werden in den USA nicht mehr Kommunisten gejagt sondern , sondern Leute, welche angeblich Fake-News verbreiten.
Nur, damit meint man keine Amerikaner, welche zu hunderttausenden im Netz verbreiten, die Erde sei eine Scheibe und Jesus steigt morgen herab.

01.08.2018 12:40 ralf meier 3

Da lese ich: 'Facebook-Sicherheitschef Alex Stamos zufolge wird noch ermittelt. Deshalb wolle man noch keine Länder oder Gruppen benennen. '

Das muß er auch nicht. Das übernehmen unsere stets meinungsfreudigen Qualitätsmedien.
Die Russen waren's.. wer hätte das gedacht .. äh vielleicht, denn nichts genaues weiß man nicht.

Erstaunlich auch der Aufwand mit dem die Russen, pardon vermutlich die Russen, diese Trollfabriken unterstützt haben. Fast 11.000 Euro.

Zum Vergleich die Zeit vom 06.10.2016 Artikel 'Clinton und Trump sammeln Spenden in Rekordhöhe' : 'Mehr als eine Milliarde US-Dollar spendeten Geldgeber bisher für die US-Präsidentschaftswahlkämpfe'

Da stellt sich mir die Frage: 'Muß man den obigen Artikel ernst nehmen' Warum wird er trotzdem veröffentlicht ?

01.08.2018 11:53 Blumenfreund 2

Es gibt eine Spur nach Russland? Na wer hätte das gedacht. Wenn die Wahlergebnisse mal nicht so ausfallen, wie von Demokraten gedacht, dann muss natürlich eine fremde Macht dahinter stecken.

01.08.2018 09:42 Peter 1

Gibt´s eigentlich solche "Trollfabriken" nur in Russland?

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