Polizisten der katalanischen Regionalpolizei Mossos d'Esquadra wird in Barcelona mit Farbbeuteln beworfen
Polizisten der katalanischen Regionalpolizei Mossos d'Esquadra werden in Barcelona mit Farbbeuteln beworfen. Bildrechte: imago/ZUMA Press

Vor Katalonien-Jahrestag Schwere Zusammenstöße von Separatisten und Polizei in Barcelona

In Barcelona ist es kurz vor dem Katalonien-Jahrestag zu schweren Zusammenstößen von Separatisten und der Polizei gekommen. Katalanische Regionalpolizisten wurden bis zur Unkenntlichkeit mit Farbe und Eiern eingedeckt. Die Beamten schützten eine Demonstration nationalspanischer Polizisten, die ihren Einsatz vor einem Jahr würdigten und eine bessere Besoldung forderten.

Polizisten der katalanischen Regionalpolizei Mossos d'Esquadra wird in Barcelona mit Farbbeuteln beworfen
Polizisten der katalanischen Regionalpolizei Mossos d'Esquadra werden in Barcelona mit Farbbeuteln beworfen. Bildrechte: imago/ZUMA Press

In Kataloniens Regionalhauptstadt Barcelona ist es am Samstag zu gewaltsamen Zusammenstößen von Separatisten mit der Polizei gekommen. Bereitschaftspolizisten der katalanischen Regionalpolizei Mossos d'Esquadra wurden von Anhängern der Separatisten mit Farbbeuteln und Eiern attackiert, als sie eine Demonstration von Beamten der nationalspanischen Polizeieinheiten Policía Nacional und der Guardia Civil gegen Angriffe der Separatisten schützten.

Demonstration nationalspanischer Polizisten

Spanische Polizeibeamte von Policía Nacional und Guardia Civil demonstrieren in Barcelona
Beamte von Policía Nacional und Guardia Civil demonstrieren in Barcelona für ihre Ehre und mehr Geld. Bildrechte: imago/ZUMA Press

Rund 2.000 nationalspanische Polizeibeamte waren auf die Straßen gegangen, um den Polizeieinsatz zur Verhinderung des Unabhängigkeitsreferendums am 1. Oktober 2017 zu würdigen und eine Erhöhung ihrer Bezüge zu fordern. Nach Angaben der nationalspanischen Beamten verdienen sie in Katalonien deutlich weniger als die Angehörigen der Regionalpolizei Mossos d'Esquadra.

14 Verletzte und sechs Festnahmen

Die katalanische Polizei hatten eine Kette gebildet, um die Demonstration der zentralstaatlichen Sicherheitskräfte und die Gegendemonstration der Separatisten auf Abstand zu halten. Wie verschiedene Medien unter Berufung auf die Behörden berichteten, versuchten zahlreiche der rund 6.000 Separatisten mit Gewalt, die Polizeikette zu durchbrechen. Dabei seien auch Demonstranten aneinander geraten. Örtlichen Medienberichten zufolge wurden 14 Menschen leicht verletzt. Insgesamt sechs Menschen wurden festgenommen.

Erster Jahrestag von Unabhängigkeitsreferendum

Am Montag jährt sich das vom Spanischen Verfassungsgericht als verfassungswidrig eingestufte Unabhängigkeitsreferendum zum ersten Mal. Nach der Abstimmung und einem anschließenden Beschluss zur Abspaltung der wohlhabenden Region von Spanien hatte die Zentralregierung in Madrid Katalonien im Herbst 2017 unter Zwangsverwaltung gestellt.

Der damalige Regionalpräsident Carles Puigdemont floh ins Exil nach Belgien. Mehrere Minister der damaligen Regionalregierung und weitere Aktivisten der Separatistenbewegung sitzen seither in U-Haft. Nach dem Amtsantritt der neuen katalanischen Regionalregierung im Mai dieses Jahres wurde die Zwangsverwaltung über Katalonien beendet. Aber auch der neue Regionalpräsident Quim Torra besteht auf dem "Recht auf Selbstbestimmung" der Katalanen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 29. September 2018 | 20:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 29. September 2018, 21:42 Uhr

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11 Kommentare

01.10.2018 18:38 Krause - "lieber nackt als rechtsextremistisch!" 11

@ 10. JJT:
Im Grunde gebe ich Dir bei Deiner Aussage recht, daß nicht jeder Staat "das Böse" und nicht jeder 'Unabhängigkeitskämpfer' "das Gute" ist. Im anderen Extrem wird es jedoch nicht 'richtiger':
der Staat ist (leider) nicht immer "das Gute" und der 'Unabhängigkeitskämpfer' glücklicherweise nicht immer "das Böse".
Was hätte dagegen gesprochen, das Referendum nicht 'gewaltsam' zu verhindern und es trotzdem nicht anzuerkennen? Die Aussage, daß es nicht anerkannt würde, wurde schon vor der (versuchten) Durchführung getätigt. Von daher war der 'Bundespolizei'-Einsatz - vor allem in dieser Härte - mE. nicht angemessen.
Daß nun eine Demonstration der 'Bundespolizei' für mehr Gehalt in Katalonien in Verbindung mit der "Würdigung ihres Einsatzes im letzten Jahr" bei den Katalanen auf wenig Gegenliebe stößt, verwundert mich nicht.
Auch "Unabhängigkeitskämpfer" und "Extremisten" sind für die Durchführenden eines Referendums in meinen schönen Augen "nicht ganz treffend formuliert".

01.10.2018 12:47 JJT 10

@Michael Möller:
ich wundere mich immer wieder, wieviele Mitmenschen sich auf die Seite des vermeintlich "kleineren" schlagen. Der Staat ist der Böse, der "Unabhängigkeiskämpfer" der Gute. Das hier ist nicht Asterix und Obelix gegen die bösen Römer und so funktioniert ein Staat nicht. Wenn jemand gegen die Verfassung verstößt, begeht er eine Straftaat. Diese muss vom spanischen Staat verfolgt werden. Und nein, nicht alle Katalenen wollen die Unabhängigkeit. Die meisten Stimmen als Einzelpartei hat damals ein Pro Spanien Partei ( Ciudadanos) erhalten. Das wollen die Extremisten aber nicht hören...

30.09.2018 19:21 Sabine Sonntag 9

Und die vorlaute EU? Die sich in alle Nachbarländer fröhlich und dreist einmischt? Was sagt sie diesmal?

30.09.2018 18:51 Qwerleser 8

Man kann es nur als Verhöhnung der katalanischen Zivilisten bezeichnen wenn ausgerechnet in Barcelona die knüppelnden Büttel der Macht aus Madrid Ihren letztjährigen Einsatz feiern.
Meine Sympathie ist bei den Katalanen.

30.09.2018 17:15 Fragender Rentner 7

@Montana zu 6

Super dein Vergleich !!! :-(((

30.09.2018 15:13 Montana 6

30.09.201810:37 Fragender Rentner : Wie kann man solche Farbbeutelwerfer usw. noch bezeichnen?
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Das entzieht sich meiner Kenntnis. Aber in Indien gibt es ein Fest der Farben. Googlen Sie mal.

30.09.2018 12:15 Krause - "lieber nackt als rechtsextremistisch!" 5

Die Eskalation der Gewalt ging mE. 2017 von Zentralregierung in Madrid aus, die das 'illegale Referendum' der Katalanen unterbinden wollten und die 'Bundespolizei' offensichtlich angewiesen hatte, diese Unterbindung durchzusetzen - eben auch gewalttätig. Ihre Ehre wiederherzustellen ist sicherlich lobend zu erwähnen - die Frage ist, ob eine Demonstration in diesem Sinne dafür förderlich ist.

Daß sie weniger 'verdienen' als ihre katalanischen Landeskollegen, liegt wohl nicht an Katalanien, sondern wiederum an der Zentralregierung in Madrid.

Wiederum sicherlich sind 'Eier und Farbbeutel' nicht der beste Weg, um seine Meinung auszudrücken: wie Joschka Fischer erlebte, können daraus ernste Verletzungen resultieren.
Solange dadurch keine Verletzungen entstehen, ist es einfach eine "farbenfrohe Sauerei".

30.09.2018 10:37 Fragender Rentner 4

Wie kann man solche Farbbeutelwerfer usw. noch bezeichnen?

30.09.2018 10:03 Michael Möller 3

nach meiner Meinung nach wird sich an den Zuständen in Spanien nichts ändern solange einen Teil der Bevölkerung das UNO-Recht auf Selbstbestimmung nicht zugestanden wird , denn man kann nicht für andere Regionen bzw. Bevölkerungsschichten in der Welt das fordern , jedoch einen Teil seiner eigenen Bevölkerung dies verwehren. man sollte diese Bestrebung endlich auf politischen Weg klären und zwar auf Augenhöhe würde ich sagen bzw. behaupten.

30.09.2018 09:44 Montana 2

29.09.201822:03 REXt
Vielleicht ein kleiner Vorgeschmack, auf Zustände in D?
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Ich bin kein Nostradamus, aber damit könnten Sie Recht haben.