Hintergrund US-Angriff auf iranischen General und die Folgen

Bei einem US-Raketenangriff in der irakischen Hauptstadt Bagdad ist der hochrangige iranische General Soleimani getötet worden. Irans Führung droht mit Vergeltung. Worum geht es?

Demonstranten halten bei einem Protest gegen den US-Luftangriff im Irak Bilder des iranischen Generals Soleimani.
Proteste im Iran nach der Tötung von Qassem Soleimani. Bildrechte: dpa

Wer ist der getötete iranische General Soleimani?

Bei einem US-Angriff ist in der Nacht auf Freitag der hochrangige iranische General Qassem Soleimani getötet worden. Der 62-Jährige war der Kommandant der Al-Kuds-Brigaden – einer iranischen Militäreinheit, die im Ausland agiert, wie beispielsweise im Irak. Über schiitische Milizen verfügte er über einen riesigen Einfluss im Nachbarland und bekämpfte mit ihnen jahrelang die dortigen US-Truppen.

In seiner iranischen Heimat galt Soleimani als einflussreicher Strippenzieher. Er war einer der wichtigsten Berater des iranischen Revolutionsführers Ajatollah Ali Chamenei und galt nach ihm als zweitmächtigster Mann des Landes. Die Nachricht seines Todes brachte am Freitag in der iranischen Hauptstadt Teheran zehntausende Menschen auf die Straße. Sie riefen "Tod Amerika!"

Was passierte beim Angriff auf Soleimani?

Zu dem Angriff auf Soleimani kam es am Flughafen der irakischen Hauptstadt Bagdad. Wie es von den örtlichen Sicherheitskräften hieß, trafen drei Raketen den Fahrzeugkonvoi des Generals, als dieser gerade das Flughafengelände verließ. Insgesamt starben acht Menschen. Darunter war auch der hohe irakische Milizenanführer Abu Mahdi al-Muhandis, ein enger Verbündeter des Irans und ein Schwiegersohn Soleimanis.

Die Raketen sollen von einer amerikanischen Drohne angefeuert worden sein. Von wo genau sie gesteuert wurde, ist nicht bekannt.

Wer sind die iranischen Al-Kuds-Brigaden?

Sie sind de facto eine Militäreinheit des Irans im Ausland und damit auch ein mächtiger Akteur der iranischen Außenpolitik. Seit 1998 wurden sie von Soleimani angeführt. Der Westen wirft den Al-Kuds-Brigaden vor, die politischen Interessen des Irans in den islamischen Ländern umsetzen zu wollen. Sie fungieren wiederum unter dem Dach der iranischen Revolutionsgarden, die direkt dem geistlichen Oberhaupt Ayatollah Ali Chamenei unterstellt sind und im Iran selber große Teile der Politik und Wirtschaft kontrollieren.

In welchen Ländern sind die Al-Kuds-Brigaden aktiv?

Der Iran verfolgt seit Jahren eine militärisch ausgerichtete Außenpolitik und nutzt dafür die Al-Kuds-Brigaden. Mit Hilfe der Einheit sind die Iraner wichtige Akteure in mehreren militärischen Konflikten im Nahen Osten. Im Irak kontrollieren die Al-Kuds-Brigaden indirekt verschiedene, mehrere zehntausend Mann starke, schiitische Milizen. Dort hatte der nun getötete Soleimani zuletzt sogar in die Regierungsbildung eingegriffen.

Auch in Syrien engagieren sich die Brigaden seit Jahren militärisch: Dort stützen sie ihren Verbündeten, den Diktator Baschar al-Assad, einerseits direkt mit Truppen der Al-Kuds-Brigaden und andererseits mit Hilfe der schiitischen Hisbollah-Milliz aus dem Libanon. Die Hisbollah wird vom Iran ebenso unterstützt wie vermutlich die radikalislamische Palästinenserorganisation Hamas im Gazastreifen.

Eine wichtige Rolle spielen die Al-Kuds-Brigaden zudem im Jemen. Dort tobt seit Jahren ein Bürger- und Stellvertreterkrieg. Der Iran unterstützt dabei die Huthi-Rebellen – die wiederum die Militärallianz um Saudi-Arabien und deren Verbündete im Jemen bekämpfen.

Warum eskalierte die Lage im Irak?

Die Spannungen zwischen den USA und dem Iran hatten sich zuletzt laufend verschärft. Schauplatz war zunehmend der Irak. So gab es im Irak vermehrt Angriffe pro-iranischer Milizen gegen Militärbasen, in denen US-Truppen stationiert sind. Als am 27. Dezember dabei ein US-Mitarbeiter getötet wurde, bombardierten die USA Stellungen der Miliz im Irak und Syrien. Die US-Vergeltungsangriffe führten wiederum zur Belagerung der US-Botschaft in Bagdad.

US-Präsident Donald Trump macht den Iran für die eskalierende Lage verantwortlich und ordnete den gezielten Angriff an, bei dem General Qassem Soleimani getötet wurde.

Unterstützer schiitischer Milizen haben vor dem Gebäude der US-Botschaft ein Fahrzeug umgeworfen, während aus dem Gebäude Rauch austritt.
Unterstützer schiitischer Milizen am 31. Dezember 2019 vor dem Gebäude der US-Botschaft im irakischen Bagdad. Bildrechte: dpa

Welche Folgen werden befürchtet?

Das geistliche und staatliche Oberhaupt des Irans, Ajatollah Ali Chamenei, drohte am Freitag mit massiver Vergeltung für den Tod seines hochrangigen Militärs. Die Rache des Irans werde "zu einem geeigneten Zeitpunkt und an einem geeigneten Ort" erfolgen, hieß es aus dem iranischen Sicherheitsrat.

International wird eine Eskalation des Konflikts zwischen den USA und dem Iran befürchtet, die zu einem Flächenbrand im Nahen Osten führen könnte. UN-Generalsekretär Antonio Guterres warnte am Freitag bereits vor einem neuen Golfkrieg.

Am Samstag kam es bereits zu Raketeneinschlägen in der irakischen Hauptstadt Bagdad und auf einer Militärbasis. Berichte über Opfer gab es zunächst nicht.

Unklar ist noch, welche Bedeutung der Tod von Soleimani für die Al-Kuds-Brigaden und deren Organisation haben. Nachfolger Soleimanis wird sein bisheriger Stellvertreter General Ismaeil Gha'ani. Mit dem 63-Jährigen solle der Weg der Al-Kuds-Einheit genauso weitergeführt werden wie mit Soleimani, erklärte Ajatollah Chamenei nach Angaben der Nachrichtenagentur Tasnim in einem Schreiben.

Was sind die Folgen für Deutschland?

Die Bundesregierung befürchtet Auswirkungen auf die Sicherheitslage auch in Deutschland. Am Samstag wurde bekannt, dass das Bundeskriminalamt (BKA) bereits an einer neuen Einschätzung der Gefährdungslage arbeitet. Dabei geht es laut Bundesinnenministerium vorrangig um amerikanische und israelische Einrichtungen.

Direkte Auswirkungen hatte der Angriff auf Soleimani für die im Irak stationierten Bundeswehrsoldaten. Sie helfen dort bei einer Ausblidungsmission von Sicheitskräften. In der Nacht zu Samstag setzte die Bundesregierung die Mission zunächst aus. Später teilte Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer aber mit, dass der Einsatz fortgesetzt werden soll.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 03. Januar 2020 | 16:30 Uhr