Frankreich Generalstreik und Massenprotest gegen Macron

Hunderttausende Menschen in ganz Frankreich haben am Donnerstag gegen die Regierung Macron und ihre geplante Rentenreform protestiert. Es waren die größten Demonstrationen seit Jahren. Ein Generalstreik legte das öffentliche Leben lahm. In Paris kam es zu schweren Ausschreitungen.

Polizisten stehen inmitten von dichten Rauchschwaden.
Im Paris gab es am Donnerstag Zusammenstöße zwischen etwa 500 gewaltbereiten Demonstranten und der Polizei. Bildrechte: dpa

In Frankreich haben die Proteste gegen Präsident Emmanuel Macron einen neuen Höhepunkt erreicht. Mehr als eine halbe Million Menschen gingen am Donnerstag gegen die Regierungspläne zur Rentenreform auf die Straße. Das waren fast doppelt so viele Demonstranten wie bei der "Gelbwesten"-Krise vor einem Jahr.

Zugleich legte ein Generalstreik das öffentliche Leben weitgehend lahm. In Paris und anderen Städten kam es zu Ausschreitungen. Mehr als 70 Demonstranten wurden vorübergehend von der Polizei in Gewahrsam genommen. Auch in den Städten Nantes und Bordeaux sowie in Lyon und Rennes kam es vereinzelt zu Krawallen.

Umstrittene Rentenreform

Demonstrationszug in den Straßen von Paris während des Streiks.
Demonstrationszug in Paris. Bildrechte: dpa

Auf Protestbannern stand "Schützt unsere Renten" und "Soziale Unsicherheit tötet". Bis zum Nachmittag beteiligten sich laut Angaben der Behörden mehr als 510.000 Menschen an Kundgebungen in rund 70 Städten. Die größte Kundgebung in Paris war dabei noch nicht eingerechnet. Dort gingen nach Angaben der Gewerkschaft CGT 250.000 Menschen auf die Straße.

Zug- und Flugverkehr beeinträchtigt

Der Ausstand bei der Bahn und im Pariser Nahverkehr ist "unbefristet" angekündigt. Davon betroffen sind auch Züge zwischen Deutschland und Frankreich. In Paris fuhren die meisten U-Bahnen nicht. Touristenattraktionen wie der Eiffelturm und Schloss Versailles blieben geschlossen.  

Auch viele Schulen wurden bestreikt, in Krankenhäusern, bei der Feuerwehr, der Polizei und bei der Müllabfuhr kam es ebenfalls zu Ausständen, ebenso an Flughäfen und in Erdöl-Raffinerien.

Auch am Freitag fallen die meisten Züge aus sowie etwa jeder fünfte Flug aus, wie die Bahngesellschaft und die Luftfahrtbehörde mitteilten. CGT-Chef Philippe Martinez drohte der Regierung mit wochenlangen Protesten.

Regierung bleibt hart

Die Regierung erklärte, der Präsident halte "entschlossen" an seinen Reformplänen fest. Macron hatte die Reform wegen der "Gelbwesten"-Proteste aufgeschoben. Im Kern will er die mehr als 40 verschiedenen Rentensysteme vereinheitlichen und das Defizit der Rentenkassen abbauen, das bis 2025 auf 17 Milliarden Euro steigen könnte. Die Gewerkschaften fürchten massive Kürzungen.

Nach Umfragen unterstützt eine Mehrheit der Franzosen den Generalstreik, der auch von der Opposition mitgetragen wird.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 05. Dezember 2019 | 18:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. Dezember 2019, 19:15 Uhr