Nadia Murad, Menschenrechtsaktivistin aus dem Irak, und Denis Mukwege, Arzt aus dem Kongo, erhalten im Rathaus von Oslo den Friedensnobelpreis
Die diesjährigen Träger des Friedensnobelpreises: Nadia Murad und Denis Mukwege. Bildrechte: dpa

Verleihung in Oslo Nadia Murad und Denis Mukwege nehmen Friedensnobelpreis entgegen

Die jesidische UN-Sonderbotschafterin Nadia Murad und den kongolesischen Arzt Denis Mukwege haben in Oslo den Friedensnobelpreis entgegengenommen. Beide kämpfen dagegen, dass sexuelle Gewalt in Kriegen und bewaffneten Konflikten als Waffe eingesetzt wird.

Nadia Murad, Menschenrechtsaktivistin aus dem Irak, und Denis Mukwege, Arzt aus dem Kongo, erhalten im Rathaus von Oslo den Friedensnobelpreis
Die diesjährigen Träger des Friedensnobelpreises: Nadia Murad und Denis Mukwege. Bildrechte: dpa

Die jesidische UN-Sonderbotschafterin Nadia Murad und der kongolesische Arzt Denis Mukwege haben in Oslo den Friedensnobelpreis entgegen genommen. Sie wurden für ihren Einsatz gegen sexuelle Gewalt als Waffe in militärischen Konflikten ausgezeichnet.

Nadia Murad: Botschafterin der Jesiden

Murad forderte in ihrer Dankesrede einen internationalen Schutz für Jesiden. Sie war 2014 von der Terroristenmiliz "Islamischer Staat" aus ihrem Heimatdorf im Irak entführt worden und anschließend in Gefangenschaft geraten. Sie wurde drei Monate lang versklavt, gefoltert und vergewaltigt. Bei dem Überfall auf ihr Dorf verlor sie ihre Mutter und sechs Brüder.

Menschenrechtsaktivistin Nadia Murad Basee Taha trifft Flüchtlinge Idomeni
Nadia Murad Bildrechte: IMAGO

Nachdem sie mit Hilfe einer Nachbarsfamilie über Mossul flüchten konnte, gelangte sie 2015 über Griechenland nach Baden-Württemberg, wo sie bis heute lebt. Sie gehört zu den rund 1.100 von IS-Terroristen missbrauchten Jesidinnen, die auf Initiative des baden-württembergischen Regierungschefs Winfried Kretschmann nach Deutschland geholt wurden.

Murad engagiert sich seit 2016 als Sonderbotschafterin der Vereinten Nationen für die Anerkennung des Völkermords an den Jesiden. Zudem kämpft sie für die Rechte der Opfer von Menschenhandel. 2016 erhielt sie den Sacharow-Preis des Europaparlaments.

Denis Mukwege: "Der Mann, der Frauen repariert"

"Der Mann, der Frauen repariert", so wird der Arzt Denis Mukwege genannt. Der 63-Jährige gilt als weltweit führender Experte für die Behandlung von Verletzungen durch Gruppenvergewaltigungen.

Denis Mukwege
Denis Mukwege Bildrechte: IMAGO

1999 gründete er das Panzi-Krankenhaus in Bukavu im Osten des Kongo. Hier bietet er Patienten neben der Wiederherstellung ihrer Geschlechtsorgane auch psychologische, juristische und finanzielle Unterstützung an.

Nach eigenen Angaben haben er und sein Team mehr als 50.000 Frauen behandelt. Als Menschenrechtler setzt sich Mukwege außerdem auf politischer Ebene gegen Vergewaltigungen als Kriegswaffe ein.

Nachdem er 2012 die kongolesische Regierung vor den Vereinten Nationen wegen ihrer Rolle im Bürgerkrieg im Osten des Landes kritisiert hatte, stürmten fünf Bewaffnete sein Haus und nahmen zwei seiner Töchter als Geiseln. Ein Schuss verfehlte Mukwege, sein Leibwächter wurde erschossen. Die Familie floh daraufhin nach Belgien, kehrte aber wieder nach Bukavu zurück. Geschützt wird er von einem Team aus Freiwilligen, vor allem Frauen.

Für seinen Einsatz für die Opfer sexueller Gewalt erhielt Mukwege 2013 bereits den Alternativen Nobelpreis und 2014 den Sacharow-Menschenrechtspreis des Europaparlaments.

Viele Kandidaten

Nadia Murad, Menschenrechtsaktivistin aus dem Irak, hält ihre Nobelpreisrede im Rathaus von Oslo
Nadia Murad hält ihre Nobelpreisrede in Oslo. Bildrechte: dpa

Das norwegische Nobelkomitee hatte wie in jedem Jahr die Auswahl zwischen einer Vielzahl von Kandidaten. 216 Personen und 115 Organisationen waren für den Preis vorgeschlagen worden. Der Preis ist mit neun Millionen schwedischen Kronen (rund 860.000 Euro) dotiert.

In einer Reihe mit Mutter Teresa und Nelson Mandela

Der Friedensnobelpreis zählt zu den bedeutendsten Auszeichnungen der Welt. Unter den früheren Preisträgern finden sich hoch angesehene Persönlichkeiten wie Albert Schweitzer (1952), Mutter Teresa (1979) oder Nelson Mandela (1993). Im vergangenen Jahr ging der Preis an die Internationale Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen (ICAN).

Allerdings sind die Verleihungen häufig auch umstritten. Der ehemalige US-Präsident Barack Obama wurde 2009 zum Beispiel nach nur wenigen Monaten im Amt ausgezeichnet. In den vergangenen Jahren stand auch die Preisträgerin Aung San Suu Kyi aus Myanmar in der Kritik, weil sie die Vertreibung der muslimischen Rohingya-Minderheit aus ihrem Land zuließ.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 10. Dezember 2018 | 14:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. Dezember 2018, 22:37 Uhr