Brände am Amazonas Brasilien lehnt G7-Hilfen ab

Die G7-Länder haben auf ihrem Gipfel in Biarritz eine Soforthilfe zum Schutz des Regenwalds zugesagt: Mit rund 18 Millionen Euro wollen sie den Kampf gegen die Brände im Amazonas-Gebiet unterstützen. Doch Brasilien lehnt das ab.

Ein Militärflugzeug, das bei den Bränden im Amazonasgebiet im Einsatz ist.
Mit rund 18 Millionen Euro wollen die G7 vor allem Löschflugzeuge finanzieren. Bildrechte: dpa

Brasiliens Regierung weist die von den G7-Staaten zugesagte Hilfe gegen die vielen Waldbrände im Amazonas-Gebiet zurück. Dafür gab es neue verbalen Attacken gegen Frankreichs Präsidenten Emmanuel Macron und dessen "Kolonialismus".

Jair Bolsonaro (l), Präsident von Brasilien, bei militärische Ehren neben Armeekommandanten General Edson Leal Pujol (M) bei einer Militärveranstaltung zum Tag des Soldaten im Hauptquartier der Armee.
Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro Bildrechte: dpa

Vom Kabinett des Präsidenten Jair Bolsonaro hieß es, das Geld solle eher verwendet werden, die Wälder in Europa neu aufzuforsten. Kabinettschef Onyx Lorenzoni sagte: "Brasilien ist eine demokratische und freie Nation und hatte nie koloniale und imperialistische Verhaltensweisen, wie es vielleicht das Ziel des Franzosen Macron ist."

Die brasilianische Regierung hatte Macron schon in den vergangenen Tagen wiederholt scharf angegriffen, weil er die Amazonas-Waldbrände auf die Agenda des G7-Gipfels gesetzt hatte. Bolsonaro warf Macron "kolonialistische Mentalität" und "Instrumentalisierung" der Brände vor.

Macron schafft es nicht mal, einen vorhersehbaren Brand
in einer Kirche zu verhindern, die Teil des Welterbes ist, und er will uns Lektionen für unser Land erteilen?

Brasiliens Kabinettschef Lorenzoni in Anspielung auf den Brand in der Pariser Kathedrale Notre-Dame im April 2019

Die G7 hatte wegen der verheerenden Waldbrände etwa 18 Millionen Euro an Soforthilfen zugesagt, womit vor allem Löschflugzeuge finanziert werden sollten. Brasiliens Umweltminister Ricardo Salles begrüßte die Unterstützung zunächst. Nun aber erklärte auch Außenminister Ernesto Araújo, man brauche keine "neue Initiative für das Amazonas-Gebiet". Es gebe bereits ausreichende Strukturen im Rahmen der UNO-Klimakonvention für den Kampf gegen Abholzung und für Aufforstung.

Thema soll auch auf die UN-Agenda

Schon am Sonntag hatte die Gruppe der sieben wichtigen Industriestaaten bei ihrem Gipfel in Biarritz an der französischen Atlantik-Küste finanzielle und technische Hilfe in Aussicht gestellt. Macron hatte auch Chiles Präsidenten Sebastián Piñera empfangen. Die UNO-Vollversammlung soll Ende September über Wiederaufforstung im Regenwald beraten. Auch dafür wäre die Zustimmung aus Brasilien nötig. Kolumbien hatte den Vorschlag eines regionalen Pakts zum Schutz des Regenwalds angekündigt.

80.000 Waldbrände seit Jahresbeginn

Obwohl vor allem Brasilien von den Waldbränden betroffen ist, hatte Bolsonaro den Franzosen vorgeworfen, sich in innere Angelegenheiten seines Landes einzumischen. Macron reagiert unter anderem mit der Drohung, das EU-Freihandelsabkommen mit den südamerikanischen Merosur-Staaten zu blockieren.

Das Amazonas-Gebiet ist ökologisch von globaler Bedeutung. Seit Wochen wüten tausende Waldbrände. Nach Angaben des brasilianischen Forschungsinstituts Inpe belief sich die Zahl der Brände seit Jahresbeginn auf fast 80.000 – nicht wenige dürften von Brandstiftern gelegt worden sein, die sich auch von der neuen Linie des rechtsgerichteten Präsidenten bestärkt sehen. Soja-Anbaubetriebe und Viehzüchter fordern in der Region schon seit längerer Zeit mehr Acker- und Weideland.

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Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 26. August 2019 | 15:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 27. August 2019, 09:22 Uhr

4 Kommentare

Leachim-21 vor 25 Wochen

gebe ihnen voll Recht und würde sogar die Behauptung aufstellen indem die Kanzlerin diese Abkommen in Kraft gesetzt würd zeigt auf wie Sie ihr Eigenes Volk bei der Klimafrage belügt und betrügt. auch fällt auf das die Presse diesen Wiederspruch nicht aufdeckt. auch sollte man als Bürger mal überlegen warum man erst jetzt von diesen Freihandelsabkommen hört und nicht schon früher. für mich persönlich zeigt dieser Artikel einmal mehr auf wie unsere Bundespolitiker sowie die EU-Politiker eine Politik gegen das eigene Volk betreiben .

Frank vor 25 Wochen

Auch Deutschland und die EU begünstigen die Abholzung und Brandrodungen im Amazonasgebiet mit ihren umfangreichen Agrarimporten aus Brasilien seit Jahren.

Das unlängst geschlossene EU-Freihandelsabkommen mit dem Mercosur wird Brasiliens Agrarexporte weiter steigern und "neue Anbauflächen" erforderlich machen. Mercosur sollte umgehend gestoppt werden. Es ist fatal, dass sich die Bundesregierung dafür starkmacht, dass der Pakt in Kraft gesetzt wird. Er ist ein gigantisches Geschenk für Bolsonaro. Denn seine Unterstützer, die Agrarindustriellen seines Landes, würden enorm von den Zollvergünstigungen profitieren und noch mehr klimaschädliche Sojabohnen und Steaks in die EU liefern. Wollen wir das ?

US-Präsident Donald Trump hat nun gestern seinen Landwirtschaftsminister angewiesen, 9.5 Millionen Hektar im Tongass National Forest (Alaska) vom Abholzungsverbot auszunehmen. [Quelle: SPON 28.8.19]

Frage an FFF: Ist die derzeitige Wirtschaftzsordnung wirklich noch zeitgemäß oder nicht ?

Ekkahard Kohlfeld vor 25 Wochen

wie zweischneidiges Schwert - ist Brasiliens Angelegenheit - die lassen uns auch Skipisten in mangelhafte Bewaldung schlagen um Waldbesitzer und Touristenverbänden reicher werden zu lassen und haben Europa bei der Rodung seiner Wälder nicht reingeredet. klar braucht Erde Regenwald Brasiliens aber wenn dort die Rodung um 70% beschlossen wird müssen wir die "Kröte" schlucken oder kolonial das Land besetzen, was nicht automatisch die Rettung des Klimas zur Folge hätte.