Geberkonferenz 250 Millionen Euro Soforthilfe für Libanon

Auf einer digitalen Geberkonferenz haben Frankreich und die Vereinten Nationen mehr als 250 Millionen Euro für den Libanon gesammelt. Mehrere Geber verknüpften ihre Zusage allerdings mit der Forderung nach Reformen im Land.

Auf dem Bildschirm des spanischen Präsidenten Sanchez ist Emmanuel Macron, Präsident von Frankreich, zu sehen, der während der internationalen Geberkonferenz für den Libanon spricht. An der vom französischen Staatschef Macron und den Vereinten Nationen organisierten Geberkonferenz sollen nach französischen Angaben Vertreter von rund 30 Staaten und Organisationen per Videoschalte teilnehmen.
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatte zu der Geberkonferenz geladen. Bildrechte: dpa

Bei der internationalen Geberkonferenz für den Libanon sind 252,7 Millionen Euro Soforthilfe zusammengekommen. Das gab der Élyséepalast nach der von Frankreich und den Vereinten Nationen organisierten Videoschalte bekannt.

EU und Deutschland erhöhen Soforthilfe

Heiko Maas (SPD), Außenminister
Sagte weiteres Geld aus Deutschland zu: Heiko Maas Bildrechte: dpa

Frankreich trägt nach Aussagen aus dem Präsidialamt 30 Millionen Euro. Die EU erhöhte ihre Hilfe über die bereits zugesagten 33 Millionen Euro auf insgesamt 63 Millionen Euro. Bundesaußenminister Heiko Maas kündigte weitere zehn Millionen und damit 20 Millionen Euro Soforthilfe Deutschlands für den Libanon an. "Die Menschen in Beirut brauchen unsere Hilfe und sie brauchen Anlass zur Hoffnung."

Zuvor hatten die Vereinten Nationen erklärt, der Libanon benötige fast 100 Millionen Euro Hilfe sofort. Das gehe es aus einem Dokument hervor, das der Élyséepalast nach der Geberkonferenz übermittelt habe. Mit dem Geld soll der Libanon bei der medizinischen Versorgung, Nahrungsmitteln und Unterkünften für die Bevölkerung unterstützt werden.

IWF will Reformen für Unterstützung

Berlin: Eine Maschine steht auf dem Rollfeld in Schönefeld und wird mit Hilfsgütern beladen. Nach der schweren Explosion im Hafen von Beirut am 4. August schickt das DRK Hilfsgüter in den Libanon.
Hilfsgüter des DRK für den Libanon Bildrechte: dpa

Auch der Internationale Währungsfonds will dem Libanon mit einem Rettungspaket helfen, verlangt dafür aber eine politische Einigung auf umfassende Reformen in dem Land. IWF-Chefin Kristalina Georgiewa sagte auf der Videoschalte von Gebernationen, man könnte Milliarden mobilisieren. Nötig seien aber eine Sanierung der öffentlichen Finanzen und eine Stabilisierung des Bankensystems, befristete Regelungen, um Kapitalabflüsse zu stoppen sowie eine Sanierung defizitärer staatlicher Unternehmen und mehr Hilfen für Arme.

Macron: Libanons Behörden müssen reagieren

Auch Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatte als Organisator der Konferenz gewarnt, im Libanon dürften Gewalt und Chaos nicht die Oberhand gewinnen. Die libanesischen Behörden müssten auf "die Sehnsüchte reagieren, die das libanesische Volk derzeit legitimerweise in den Straßen von Beirut zum Ausdruck bringt". Die Geberländer forderte er auf, "schnell und effektiv" zu handeln und ihre Hilfe vor Ort so zu koordinieren, "dass sie für die libanesische Bevölkerung so effizient wie möglich ist".

Proteste nach Explosionskatastrophe

Am Dienstag hatten zwei gewaltige Explosionen die libanesische Hauptstadt Beirut erschüttert. Nach Behördenangaben wurden dabei mehr als 150 Menschen getötet und mehr als 6000 weitere verletzt, 300.000 wurden obdachlos. Die Bevölkerung macht die Regierung für das Unglück verantwortlich, das auf die jahrelange unsachgemäße Lagerung von Ammoniumnitrat im Hafen zurückgeht. Bei Protesten waren am Sonnabend mehr als 200 Menschen verletzt worden, ein Polizist kam ums Leben. Ministerpräsident Hassan Diab kündigte Neuwahlen an.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL FERNSEHEN | 09. August 2020 | 19:30 Uhr