Insgesamt 70 Freigelassene Russland und Ukraine vollziehen Gefangenenaustausch

Zum ersten Mal haben Moskau und Kiew im großen Stil politische Gefangene ausgetauscht. Darunter sind 24 ukrainische Seeleute, der ukrainische Regisseur Oleg Senzow und ein russischer Journalist.

Freigelassener ukrainischer Seemann
Einer von 24 freigelassenen ukrainischen Seemännern wird von Verwandten bei seiner Ankunft am Internationalen Flughafen von Kiew begrüßt. Bildrechte: dpa

Nach jahrelangem Konflikt haben Russland und die Ukraine jeweils 35 Gefangene freigelassen. Die Flugzeuge waren am Mittag fast zeitgleich in Moskau und Kiew gelandet. Dabei sind dem russischen Anwalt Mark Feigin zufolge alle 24 ukrainischen Seeleute, die im November 2018 von Russland vor der Krim gefangen genommen worden waren.

In Kiew wurden sie noch auf dem Rollfeld des Airports Borispol von ihren Angehörigen und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj begrüßt. Er sagte, der Gefangenenaustausch sei ein erster Schritt, um den Konflikt mit Russland zu beenden. Er wolle sich auch um die Freilassung der restlichen Gefangenen bemühen. In Russland sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow, man sei froh, dass die russischen Bürger wieder zu Hause seien.

Auch Regisseur Senzow dabei

Der ukrainische Regisseur Oleg Sentsow, dem in Russland Terrorismus vorgeworfen wurde, umarmt seine Verwandte bei seiner Ankunft am Internationalen Flughafen von Kiew. Russland und die Ukraine haben mit einem großen Austausch von Gefangenen begonnen.
Oleg Sentsow umarmt seine Verwandte bei seiner Ankunft in Kiew. Bildrechte: dpa

Unter den Freigelassenen ist auch der ukrainische Regisseur Oleg Senzow. Er sagte nach der Landung in Kiew, er danke allen Menschen, "die für uns gekämpft haben". Senzow saß fünf Jahre in russischer Haft. Er war wegen "terroristischer Angriffe" zu 20 Jahren Haft verurteilt worden. Das EU-Parlament hatte Senzow 2018 mit dem Sacharow-Preis für Menschenrechte ausgezeichnet und von Moskau seine Freilassung gefordert.

Russischer Journalist freigelassen

Kirill Wyschinski
Kirill Wyschinski bei seiner Ankunft in Moskau Bildrechte: dpa

In Moskau stieg unter anderem der Journalist Kirill Wyschinski aus dem Flugzeug. Er war Direktor der Niederlassung der russischen Nachrichtenagentur RIA Novosti in der Ukraine und war im vergangenen Jahr wegen Hochverrats verhaftet worden. Seitdem hatte er in Untersuchungshaft gesessen. Vergangene Woche hatte die ukrainische Justiz angeordnet, ihn unter Auflagen freizulassen.

Zudem verfügte ein ukrainisches Gericht am Donnerstag, einen ehemaligen Kämpfer aus dem Separatistengebiet im Osten des Landes unter Auflagen freizulassen. Der Mann soll für die Luftabwehr der prorussischen Separatisten in Donezk zuständig und am Abschuss von Flug MH 17 über der Ostukraine beteiligt gewesen sein.

Positive Worte von Merkel und Trump

Der Austausch sei ein hoffnungsvolles Zeichen, erklärte Bundeskanzlerin Angela Merkel. Sie freue sich für Oleg Senzow und die ukrainischen Seeleute, die nun endlich wieder nach Hause könnten. Es lohne sich, weiter mit aller Kraft an der Umsetzung der Minsker Vereinbarung zu arbeiten. Die Bundesregierung sei dazu bereit.

Auch von US-Präsident Donald Trump kamen wohlwollende Worte. Er begrüßte den Gefangenenaustausch und schrieb auf Twitter: "Sehr gute Neuigkeiten, vielleicht ein erster großer Schritt zum Frieden. Glückwunsch an beide Länder!"

Putin nennt Austausch richtungsweisend

Der russische Präsident Wladimir Putin hatte erst vor wenigen Tagen einen großen und richtungsweisenden Austausch angekündigt und erklärt, dadurch sollten die Beziehungen zwischen den beiden Ländern verbessert werden. Sowohl Putin als auch sein ukrainischer Amtskollege Wolodymyr Selenskyj hatten davon gesprochen, dass der Gefangenenaustausch kurz bevorstehe.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 07. September 2019 | 11:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 07. September 2019, 12:29 Uhr

3 Kommentare

Anhaltiner vor 24 Wochen

"Ukraine und Putin tauschen Gefangene aus – darunter ist ein wichtiger Kronzeuge"tönt der Focus.Fakten ,Fakten,Fakten so H. Markwort .Ihre Überschrift "Russland und Ukraine vollziehen Gefangenenaustausch" trifft dagegen den Kern der Nachricht.

Sapere Aude vor 24 Wochen

Zündstoff im Russland-Ukraine-Konflikt: die Kertsch-Brücke sollte von Nato auf bitten der Ukraine entfernt und Krim durch alle Natoverbündeten in Luft und Marineübung besetzt werden

Sapere Aude vor 24 Wochen

Russland braucht Druck. Nur mit Sanktionen bewegen die sich kaum und geben wohl die Ukraine nicht zurück. Deutschland könnte Erdgas und Erdöl-Trassen kappen, stilllegen und zurückbauen. Ukraine in NATO aufnehmen, weil Türkei abtrünnig wird, russisches Abwehrsystem und nun auch noch A-Bomben bauen will. Unsere Verbündeten versorgen gerne wenn auch teurer. Wir sollten unser Geld Verbündeten statt Russen geben.