Fahrzeuge der Rettungskräfte sind vor der teilweise eingestürzten Autobahnbrücke Ponte Morandi zu sehen.
Italiens Regierung will erreichen, dass der Autobahnbetreiber Autostrade per l'Italia nach dem Unglück von Genua seine Lizenz verliert. Bildrechte: dpa

Nach Brückeneinsturz in Genua Italien will Autobahnbetreiber die Konzession entziehen

Mit einem nationalen Trauertag gedenkt Italien heute der Opfer des Brückeneinsturzes von Genua. Für das Unglück macht die Regierung in Rom den privaten Autobahnbetreiber Autostrade per l'Italia verantwortlich. Ihm will sie nun die Konzession entziehen.

Fahrzeuge der Rettungskräfte sind vor der teilweise eingestürzten Autobahnbrücke Ponte Morandi zu sehen.
Italiens Regierung will erreichen, dass der Autobahnbetreiber Autostrade per l'Italia nach dem Unglück von Genua seine Lizenz verliert. Bildrechte: dpa

Nach dem Brückeneinsturz in Genua will die italienische Regierung dem privaten Autobahnbetreiber Autostrade per l'Italia die Lizenz entziehen. Ministerpräsident Guiseppe Conte sagte am Freitagabend, das Verkehrsministerium habe sich mit einem offiziellen Schreiben an das Unternehmen gewandt. Damit sei das Verfahren zum Konzessionsentzug eingeleitet. "Das Desaster verpflichtet uns neue Initiativen zu ergreifen, die drastischer sind als die vorheriger Regierungen", sagte Conte.

Regierung sieht Schuld bei Autostrade

Giuseppe Conte, Ministerpräsident von Italien, gibt im Bundeskanzleramt ein Pressestatement ab
Giuseppe Conte, Ministerpräsident von Italien, hat den Lizenzentzug eingeleitet. Bildrechte: dpa

Bereits zuvor hatte die Regierung Autostrade per l'Italia aufgefordert, binnen 15 Tagen nachzuweisen, dass der Betreiber all seinen Instandhaltungspflichten nachgekommen sei.

Arbeitsminister und Chef der populistischen Fünf-Sterne-Bewegung Lugi di Maio erklärte: "Diese Leute machen so weiter, Maut zahlen zu lassen, ohne eine ordentliche und außerordentliche Instandhaltung zu leisten, und jetzt ist es Zeit, 'basta' zu sagen."

Die Regierung macht Autostrade für die Katastrophe verantwortlich, obwohl es noch keine belastbaren Erkenntnisse zur Ursache des Brückeneinsturzes gibt. Das Unternehmen betreibt in Italien mehr als 2.800 Kilometer Autobahn. Die Muttergesellschaft Atlantia wird von der Familie Benetton kontrolliert, die mit ihrer Modefirma zu großem Reichtum gelangte. Die Familie ist für die Fünf-Sterne-Bewegung und die fremdenfeindliche Lega zur Zielscheibe geworden.

Weitere Leichen entdeckt

Blick auf die am Vortag eingestürzte Autobahnbrücke Morandi.
Ein Teilstück der Autobahnbrücke in Genua ist 45 Meter in die Tiefe gestürzt. Bildrechte: dpa

Die vierspurige Morandi-Brücke im Westen von Genua war am Dienstag auf einer Länge von mehr als 100 Metern eingestürzt. Nach neuesten Angaben ist die Zahl der Toten auf 41 gestiegen. Wie der Zivilschutz erklärte, haben Feuerwehrleute in der Nacht zum Samstag unter den Trümmern der Brücke drei weitere Leichen entdeckt. Sie seien in einem Auto gewesen, das von einem Betonblock begraben wurde. Unbestätigten Berichten zufolge soll es sich um ein ein Ehepaar und dessen neunjährige Tochter handeln.

Am Freitag hatten Experten erste Vermutungen für die Ursache des Unglücks genannt. Möglicherweise sei der Einsturz durch den Riss eines Tragseils verursacht worden, hieß es.

Mit einem nationalen Trauertag und einer zentralen Zeremonie gedenkt Italien an diesem Sonnabend der Opfer des Brückeneinsturzes. Zahlreiche ranghohe Vertreter des Staates werden zu der Zeremonie in einer Messehalle in Genua erwartet. Einem Bericht zufolge wollen die Familien einiger Opfer die Veranstaltung aus Protest gegen die Regierung boykottieren, die sie für die Katastrophe mitverantwortlich machen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 17. August 2018 | 23:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. August 2018, 11:15 Uhr