Eine Skulptur von Marianne, Symbol der französischen Repuplik, ist während einer Demonstration der sogenannten Gelbwesten am Arc de Triomphe (Triumphbogen) beschädigt worden
Diese Figur am Triumphbogen wurde bei den Krawallen beschädigt Bildrechte: dpa

Nach Gewalt in Paris Macron schweigt und fordert Gespräche mit "Gelbwesten"

133 Verletzte, 412 Festnahmen - die Proteste der sogenannten "Gelbwesten" in Paris sind in Gewalt umgeschlagen. Präsident Macron rief nun die Regierung auf, mit Demonstranten zu reden. Selbst äußern wollte er sich nicht.

Eine Skulptur von Marianne, Symbol der französischen Repuplik, ist während einer Demonstration der sogenannten Gelbwesten am Arc de Triomphe (Triumphbogen) beschädigt worden
Diese Figur am Triumphbogen wurde bei den Krawallen beschädigt Bildrechte: dpa

Nach den gewaltsamen Protesten der "Gelbwesten" hat Frankreichs Präsident Emmanuel Macron zu Gesprächen aufgerufen. In einer Krisensitzung habe er angewiesen, Vertreter von Parteien und "Gelbwesten" zu einem Treffen einzuladen, teilte der Élysée-Palast mit. Macron machte sich am Sonntag ein Bild von der Lage in Paris. Selbst wollte er sich nicht zu den Krawallen äußern. Die Gespräche mit den "Gelbwesten" sollen demnach am Montag beginnen.

Bei den Protesten waren am Wochenende allein in Paris 133 Menschen verletzt worden, unter ihnen 23 Sicherheitskräfte. Außerdem seien 412 Menschen festgenommen worden. Auch in anderen französischen Städten gab es Ausschreitungen. Nach Angaben des Innenministeriums beteiligten sich landesweit fast 140.000 Menschen an den Protesten.

Autos angezündet und Triumphbogen beschmiert

Dabei war es in den Straßen von Paris zu chaotischen Szenen gekommen, als Randalierer Barrikaden errichteten, Autos anzündeten und Fensterscheiben einwarfen. Der Triumphbogen wurde mit Graffiti besprüht. Die Ordnungskräfte setzten Tränengas und Wasserwerfer ein.

Im Süden des Landes ereignete sich in der Nacht bei einer weiteren Kundgebung der "Gelbwesten" ein tödlicher Unfall. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft prallte ein Autofahrer auf das Ende eines Staus, der sich vor einer Barrikade gebildet hatte.

Wer sind die "Gelbwesten? Die "Gelbwesten" haben sich nach Warnwesten im Auto benannt. Anfangs richtete sich ihr Protest vor allem gegen eine Erhöhung der Spritsteuer. Doch inzwischen sind die Proteste breit, das Teilnehmerspektrum im mehreren Städten reicht von Links- bis Rechtsaußen. Hinter den "Gelbwesten" steht keine Gewerkschaft und keine Partei.

Protest gegen Spritsteuer wird zum Protest gegen Macron

Emmanuel Macron, Präsident von Frankreich, unterhält sich am Tag nach den Ausschreitungen in der Nähe des Arc de Triomphe in Paris mit Feuerwehrleuten
Emmanuel Macron, am Tag nach den Krawallen, mit Feuerwehrleuten Bildrechte: dpa

Es ist bereits das dritte Protestwochenende in Frankreich in Folge. Ursprünglich richteten sich die Demonstrationen und Straßenblockaden gegen eine Steuererhöhung für Kraftstoffe. Inzwischen steht die gesamte Wirtschaftspolitik von Präsident Emmanuel Macron und seiner Regierung in der Kritik.

Macron hat inzwischen zwar zugesagt, die umstrittene Ökosteuer anzupassen, das geht den Aktivisten aber nicht weit genug. Die "Gelbwesten" fordern außerdem eine Anhebung von Mindestlohn und Renten.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 02. Dezember 2018 | 14:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 02. Dezember 2018, 22:26 Uhr

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23 Kommentare

03.12.2018 15:38 Fragender Rentner 23

@Frank L. zu 13

Und wieviele aus Deutschland haben ihn hoffiert und noch heute?

Möchte mal wissen wie sie zu den Erhöhungen in Frankreich stehen?

Wenn dies in Deutschland geschehen würde, was sind das dann für Leute?

03.12.2018 15:32 Fragender Rentner 22

So ist es wieder mal, erst die Bevölkerung zur Kasse bitte und nun sich wundern ??? :-(((

Als sie noch relativ friedlich waren, was hat es ihm da interessiert ???

03.12.2018 13:08 Montana 21

03.12.201811:35 Wachtmeister Dimpfelmoser : Wenn das so weiter geht, so könnte die Dame Recht haben. Die Franzosen lassen sich nichts gefallen.

03.12.2018 11:35 Wachtmeister Dimpfelmoser 20

Gesetzt den Fall, es käme - wie es heute Morgen eine im Deutschlandfunk interviewte junge Französin nicht mehr ausschließt - in Frankreich zu einer Art Bürgerkrieg: Wäre das ein Fall für die europäische Armee? Und wie sollte deren Einsatz mit welchen Zielen denn dann konkret erfolgen? Und mit Deutschen und Franzosen, die das Sturmgewehr im Anschlag haben? Vielleicht kann man Herrn Macron mal dazu befragen!?

03.12.2018 08:54 Dieter 19

Die Züge kommen immer scheller ins Stocken, erst der Schulzzug, dann der Merzzug, jetzt der Macronzug. Der Wähler ist oft leicht zu täuschen, aber irgendwann durchschauen viele die Marionetten doch.

03.12.2018 07:27 annerose will 18

Macron ist ein typischer Elitär, der den Massen bei der letzten Wahl als "Heilsbringer" präsentiert wurde und so geradenochmal die Wahl LePens verhinderte, was die Eliten unbedingt erreichen wollten. Er machte jedoch genau das, was das Volk nicht wolle: neoliberale Politik für die Eliten und nicht fürs Volk. Nun braucht man sich nicht zu wundern. Die Franzosen kämpfen für ihre Rechte auch anders als wir Deutschen - zumindest momentan. Bei der nächsten Wahl in Deutschland präsentiert man uns einen "weichgespülten" F. Merz, der schon jetzt Positionen vertritt, die er früher nie so über die Lippen brachte - Ähnlichkeiten mit Macron deuten sich an....

03.12.2018 07:22 gerd 17

Hatte sich Macron nicht an die Spitze einer linken Bewgung gesetzt um Le Pen zu verhindern ,ja das ist ihm gelungen und danach zog er seine neoliberale Politik durch und er verachtet das Volk ,seine Herkunft aus der Elite und als Banker zeigt er Schamlos ,er macht Politik für die Elitären und für ein globalistisches Europa nicht für sein Volk unsere deutschen Politiker sollten sich das ganz genau anschauen hier hat auch jeder eine gelbe Weste.

02.12.2018 22:47 Montana 16

Präsident Macron rief nun die Regierung auf, mit Demonstranten zu reden. Selbst äußern wollte er sich nicht.
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Das war doch schon immer so. Die sog. Regierung muß nun herhalten, während Macron den Schwanz einzieht.

02.12.2018 22:01 Moritzmax 15

Falsch Peter, links und radikal sind die natürliche Verbindung! Auch Herr Macron hat das erkannt. Deshalb die Gesprächsbereitschaft. Ach, Peter, Ihre Beiträge sind so erfrischend.

02.12.2018 21:30 Norbert NRW 14

@7 sie haben vergessen zu erwähnen - gegen rechte Gewalttäter- die anderen sind ja Aktivisten, oder verstehe ich da was falsch ? Wobei die Zerstörung nicht tolerierbar ist, aber wer weiss schon wie die Hintergründe dort tatsächlich sind ausserhalb der offiziellen Darstellungen.