Eine Frau trägt 2011 in Frankfurt am Main Info-Material über den Euro in einer Tasche der Europäischen Zentralbank.
Am Montag läuft das dritte und letzte Hilfspaket von über 80 Milliarden Euro für Griechenland aus. Bildrechte: dpa

Letztes Hilfspaket Ende der Finanzspritzen für Griechenland

Am Montag läuft das dritte und letzte Hilfspaket von über 80 Milliarden Euro für Griechenland aus. Seit 2010 hing das Land am Tropf internationaler Geldgeber, was auch in Deutschland immer wieder zu heftigen Debatten über das Für und Wider der Griechenland-Rettung führte. Das zumindest vorläufige Ende des griechischen Finanz-Dramas wird in der Bundespolitik größtenteils mit Erleichterung aufgenommen.

von Matthias Reiche, Hauptstadtkorrespondent MDR AKTUELL

Eine Frau trägt 2011 in Frankfurt am Main Info-Material über den Euro in einer Tasche der Europäischen Zentralbank.
Am Montag läuft das dritte und letzte Hilfspaket von über 80 Milliarden Euro für Griechenland aus. Bildrechte: dpa

Der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, Carsten Schneider, geht davon aus, dass das griechische Finanzdrama vorbei ist.

Der Finanzexperte plädierte immer dafür, Griechenland in der EU zu halten und den Euro zu stabilisieren: "Beides ist gelungen. Griechenland hat Vertrauen zurückgewonnen und der Euro ist stabil geblieben, entgegen aller Unkenrufe. Deutschland selbst hat Fehler gemacht, insbesondere haben wir zu sehr am Anfang aufs Sparen gesetzt und zu wenig auf die strukturellen Reformen, die zu mehr Wirtschaftswachstum führen. Das waren Fehler von CDU und FDP, weil sie die Debatte in Deutschland gescheut haben, dass es im Zweifel uns etwas kosten kann."

Deutschland mit 100 Milliarden im Risiko

Wie viel das am Ende sein könnte, wird man frühestens in 20 Jahren wissen, wenn ein großer Teil der Kredite fällig wird, sagt Alexander Kritikos. Der deutsch-griechische Finanzexperte arbeitet beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung. Griechenland habe in den vergangenen acht Jahren rund 275 Milliarden Euro aus den drei Hilfsprogrammen bekommen, so Kritikos. Die deutschen Steuerzahler seien derzeit mit rund 100 Milliarden Euro im Risiko.

"Griechenland braucht Luft zum Atmen"

Grünen-Bundestagsabgeordneter Sven-Christian Kindler
Kindler: Griechenland braucht weitere Schuldenerleichterungen. Bildrechte: IMAGO

Derart reine Zahlen verstellen den Blick auf die Realität, glaubt Sven-Christian Kindler. Der Finanzexperte der Grünen plädiert für weitere Schuldenerleichterungen. Denn das Land sei wirtschaftlich etwas stabiler, aber hoffnungslos überschuldet und liege sozial am Boden: "Eine falsche harte Sparpolitik hat die Krise in Griechenland massiv verschärft. Ein Drittel der Menschen in Griechenland ist von Armut gefährdet. Die Hälfte der Jugendlichen ist arbeitslos", sagt Kindler. Griechenland brauche jetzt Luft zum Atmen und den Spielraum für Investitionen.

Athen weiter unter verschärfter Beobachtung

Dafür aber müssen vor allem die eingeleiteten Reformen konsequent weiterführt werden. Deshalb wird Athen auch weiter unter verschärfter Beobachtung stehen, sagt Eckhardt Rehberg. Für den haushaltspolitischen Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion ist besonders wichtig, dass man bei der Griechenland-Rettung im Parlament, trotz der unterschiedlichen Positionen auch innerhalb seiner eigenen Partei, immer eine gemeinsame Linie fand: "Wir haben jetzt noch einmal festgeschrieben, dass die Parlamentsbeteiligung auch weiterhin gewahrt werden muss." Was auch deshalb wichtig ist, weil die Rettung Griechenlands alles andere als beschlossene Sache ist. So hält der Internationale Währungsfonds die Schuldenlast dauerhaft für nicht tragbar.

Griechenland wieder auf Wachstumskurs

Eckhardt Rehberg
CDU-Wirtschaftspolitiker Rehberg ist bei Griechenland optimistisch. Bildrechte: IMAGO

Der CDU-Wirtschaftspolitiker Rehberg jedoch ist optimistisch, dass sich das Land bald wieder zu guten Konditionen auf dem freien Markt selbst finanzieren kann. "Was die Schuldentragfähigkeit betrifft: Wenn man nur um ein Zehntel das Wachstum nach oben oder nach unten stellt, gerechnet auf die nächsten dreißig, vierzig Jahre, verändert sich die Analyse", sagt Rehberg. Er halte nichts davon, zu weit in die Zukunft zu blicken und schon über das Jahr 2050 oder 2060 zu spekulieren.

Solange wird Griechenland mindestens brauchen, um seine Schulden aus den Rettungsprogrammen zu begleichen. Ein Hoffnungszeichen könnte sein,  dass das Land wieder auf Wachstumskurs ist, auch wenn der mit ein bis zwei Prozent bisher noch sehr verhalten ausfällt.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL Radio | 19. August 2018 | 07:11 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. August 2018, 05:00 Uhr

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14 Kommentare

20.08.2018 07:20 Wo geht es hin? 14

@PeterPlys: Ich empfehle Ihnen mal einen aktuellen Artikel in der "TAZ" (die ja nun wahrlich nicht in die Nähe der Kritiker der derzeitigen Politik zu verorten ist) zum Thema. Ob Sie nach dem Studium dieses Artikels noch immer den gleichen Standpunkt vertreten - schau mer mal...

19.08.2018 18:24 PeterPlys 13

@10 Frank
Von Ihnen kommen ja auch nur Phrasen. Dieser seit Jahren behauptete Crash des Euroraumes ist ja auch nur eine...
Es wird nicht dazu kommen, das ist meine Phrase darauf, belegt durch den starken Euro, der sogar die Stabilisierung einiger Euro-Länder schafft. Einzelne Staaten würden ohne eine starke EU schlechter dastehen. Aus solchen Fehlern muss man natürlich lernen, aber es gibt keine Alternative zur EU.

19.08.2018 18:02 Peter 12

@10 Frank: Blicke in die Glaskugel oder Wunschdenken haben nichts mit der Realität zu tun.
Vor 10 Jahren hatte man angesichts der Finanzprobleme von Spanien, Irland, Portugal und Griechenland Zweifel an der Zukunft des Euro.
Nun schafft es Griechenland als letztes dieser Länder, sich unabhängig von internationaler Hilfe zu finanzieren.
Ich freue mich über diese Entwicklung.
Für Sie scheint das eine Niederlage zu sein. Na ja, es ist wie im richtigen Leben: Aus Niederlagen lernt man etwas.

19.08.2018 18:01 Anne 11

"Liebe Leute, so geht Solidarität in Europa, ob Ihr das wahrhaben wollt oder nicht." Das ist nicht Solidarität, sondern das Ruinieren von wirtschaftlich starken Ländern." Als größte Investitionshemmnisse in Griechenland gelten hohe Besteuerung, mangelnde Rechtssicherheit und Korruption. Nach Meinung von Analysten spiegeln die schwachen Investitionen auch eine in der Wirtschaft weit verbreitete Ungewissheit vor dem Ende des Hilfsprogramms." (Handelsblatt)

19.08.2018 17:01 Frank 10

@ 8: Mit Phrasendrescherei kann man Mathematik nicht austricksen, ob Sie das verstehen wollen oder nicht. Der Euroraum wird chrashen, es ist nur eine Frage der Zeit. Das Erwachen wird bitter sein, auch für Sie! Dann reden wir nochmal, wenn auch Sie zwangsweise die Realität zur Kenntnis nehmen müssen und in ihr leben müssen!

19.08.2018 14:14 Axel 9

Liebe MDR-Redaktion,

ich verbitte mir hier zum letzten Male, das der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, Carsten Schneider in Ihrer Berichterstattung als "Finanzexperte" tituliert wird!
Der Mann hat vielleicht ein wenig Ahnung von doppelter Buchführung, mehr auch nicht. Ihn aus diesem Grund fälschlicherweise ein ums andere mal als "Experten" zu bezeichnen ist total unangebracht und eine Frechheit für jeden redlichen Wirtschaftswissenschaftler!

Fragen Sie sich selbst: WARUM sind die deutschen Steuerzahler derzeit mit rund 100 Milliarden Euro im Risiko??? Antwort: Nicht zuletzt aufgrund der "Expertise" des "Finanzexperten" Carsten Schneider!

19.08.2018 12:50 Peter 8

Klasse, wie die alternative Gemeinde hilflos versucht, Griechenlands positive Entwicklung der letzten Jahre schlecht zu reden.
Liebe Leute, so geht Solidarität in Europa, ob Ihr das wahrhaben wollt oder nicht.

19.08.2018 12:45 Montana 7

Politiker haben gut reden. Die Politiker haben doch Geld in Hülle und Fülle. Der Steuerzahler muss wie immer blechen. Ein Tag ohne jegliche Steuern, die Politiker würden alt aussehen.

19.08.2018 10:48 Steffen 6

Kommentar Nr.2 sagt es klipp und klar! Der Hr.Schneider hat gar keine Ahnung um welche Dimensionen es geht, ich wüsste nicht, das ich in letzter Zeit vernommen habe, das es jetzt boomt da unten. Aber ein Herr Schneider redet und handelt immer so. Ich weiß noch vor vielen Jahren als er und seine SPD Fraktion gemeinsam mit der CDU diesen riesigen Waffendeal mit Saudi-Arabien durchgeboxt haben. Ein paar Jahre später, wirbt er in seinem Wahlkreis EF/WE mit dem Slogan Waffenexporte verbieten zur Bundestagswahl! Na geht's noch, was denn nun, aber Hauptsache immer schön lächeln. Sollte er nochmal antreten, stelle ich ihn mir am Wahlkampfstand zur Rede.

19.08.2018 10:46 Altmeister 50 5

Nach wirtschaftsrechtlichen Maßstäben müßten die 100 Mrd € Risiko- Kredite Deutschlands als uneinbringliche Forderungen ausgebucht werden.
Die Politik zimmert sich hier eigene Wunschökonomie zurecht, wie wir sie aus dem Sozialismus kennen. Das alles mit Rückendeckung einer europäischen Zentralbank, die zur Kaschierung von Pleiten offen zur Staatsfinanzierung übergegangen ist. Die Gesetze der Ökonomie( Mathematik) lassen sich trotzdem nicht aushebeln und werden mittelfristig entweder zur knalligen Inflation oder zur Wähungsreform führen.