Flüchtlinge und Migranten verlassen im Hafen eine Fähre.
Flüchtlinge im Hafen von Piräus, die aus dem überfüllten Lager Moria RIC (Registration and Identification Center) aufs Festland gebracht wurden. Bildrechte: dpa

Asylpolitik Griechen wollen Tausende Flüchtlinge in Türkei zurückschicken

Nach Unruhen im überfüllten Flüchtlingslager auf Lesbos hat Athen Notmaßnahmen angeordnet. Familien und kranke Menschen werden aufs Festland gebracht. Tausende Migranten sollen in die Türkei zurückgeschickt werden. Parallel verhandelt die EU mit den Türken über die Zukunft ihres Flüchtlingspakts.

Flüchtlinge und Migranten verlassen im Hafen eine Fähre.
Flüchtlinge im Hafen von Piräus, die aus dem überfüllten Lager Moria RIC (Registration and Identification Center) aufs Festland gebracht wurden. Bildrechte: dpa

Nach den Ausschreitungen im überfüllten Flüchtlingslager Moria auf der Insel Lesbos hat die griechische Regierung umfangreiche Maßnahmen angekündigt. Demnach sollen bis Ende 2020 mehr als 10.000 Migranten ohne Anspruch auf Asyl zurück in die Türkei geschickt werden. Zudem wurden die Patrouillen der Küstenwache in den Meerengen zwischen den Inseln im Osten der Ägäis und der Türkei verstärkt.

Erste Familien nach Piräus gebracht

Wie das Staatsfernsehen mitteilte, wurden am Dienstag 215 Flüchtlinge auf das griechische Festland gebracht. Eine Fähre brachte vor allem Familien mit Kindern sowie Kranke von der Insel in die Hafenstadt Piräus. In den nächsten Tagen sollen demnach Hunderte weitere Migranten aus Lagern auf Lesbos und den Inseln Samos, Chios, Leros und Kos auf das Festland gebracht werden.

Migranten und Flüchtlinge stehen neben brennenden Hauscontainern im Flüchtlingslager Moria
Am Wochenende war es im Registrierungscamp Moria auf Lesbos zu Ausschreitungen gekommen. Bildrechte: dpa

Ein Maßnahmenpaket zur Entspannung der Lage auf Lesbos sieht ferner vor, die seit Monaten stagnierenden Asylverfahren auf den Inseln zu beschleunigen. Künftig soll binnen drei Monate über Anträge entschieden werden. Der für Migration zuständige stellvertretende Minister Giorgos Koumoutsakos kündigte dazu Änderungen im Asylgesetz an sowie mehr Personal zur Bearbeitung der Asylanträge.

In und um das Registriercamp Moria hatte es am Sonntag schwere Ausschreitungen gegeben, eine Frau starb bei einem Brand. Am Dienstag herrschte nach griechischen Angaben Ruhe.

Verhandlungen mit der Türkei

Damit der Notfallplan zur Entspannung der Lage auf den griechischen Inseln funktioniert, muss jedoch die Türkei die Überfahrt von täglich Hunderten Migranten stoppen. Aus diesem Grund will der neue griechische Regierungschef Giorgos Koumoutsakos am Donnerstag nach Ankara reisen und mit dem türkischen Innenminister Süleiman Soylu reden. Auch Bundesinnenminister Horst Seehofer, sein französischer Kollege Christophe Castaner und EU-Migrationskommissar Dimitris Avramopoulos werden zu Gesprächen über den Flüchtlingspakt der EU mit der Türkei erwartet.

Auf den griechischen Inseln im Osten der Ägäis harren zurzeit knapp 30.000 Migranten aus. Das ist die höchste Zahl seit Inkrafttreten des EU-Türkei-Flüchtlingspaktes im März 2016. Im April war die Zahl der auf den Inseln lebenden Migranten auf 14.000 zurückgegangen. Seitdem sind aber wieder verstärkt Migranten gekommen.  

 

Deutsche Beamte sollen bei Asylanträgen helfen

Der Flüchtlingspakt der EU mit der Türkei sieht unter anderem vor, dass die EU alle Migranten, die illegal über die Türkei auf die griechischen Inseln kommen, zurückschicken kann. Die Bearbeitung der Asylanträge kommt jedoch wegen Personalmangels auf den griechischen Inseln nur mühsam voran.

Am Freitag sind dazu Gespräche in Griechenland geplant. Athen hofft auf deutsche und französische Fachleute zur Bearbeitung von Asylanträgen auf den Inseln.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 01. Oktober 2019 | 08:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 01. Oktober 2019, 12:36 Uhr

30 Kommentare

kennemich vor 1 Wochen

Du meinst wenn sie eine Ausbildung machen können oder es scheinen wie auch manchmal bestätigt wird im Niedriglohnsektor arbeiten?

Mal nur etwas weiter denken.

L.E. vor 1 Wochen

Dem Kommentar von @Wachtmeister Dimpfelmoser kann ich noch hinzufügen, dass der schwarze Kontinent nach Forbes ganze 23 Milliardäre mit einem Vermögen von zusammen 75,4 Mrd. Dollar beherbergt.
Nach dem Motto: "Unsere Armut ist unser Reichtum" wird permanent versucht, den Geldfluss von andren Ländern nach Afrika nicht versiegen zu lassen. Hier muss angesetzt werden.

H.E. vor 1 Wochen

@ Wachtmeister Dimpfelmoser
Diesen Artikel habe ich ebenfalls gelesen, der absolute Hammer. Aber so geht es nicht nur in Äquatorialguinea, sondern in den allermeisten Staaten Afrikas, angefangen von NIGERIA etc.. Da müssen sich unsere Politiker bei der Ursachenbekämpfung von Flucht/Migration etc. doch etwas anderes einfallen lassen. Bei den Entwicklungshilfegeldern sollen z.B. von 200 Millionen nur 20 Millionen bei der Bevölkerung ankommen also 10 Prozent, wie man vor einiger Zeit lesen konnte.