Alexis Tsipras
Der griechische Regierungschef Alexis Tsipras will mit den Reparationsforderungen ein Wahlkampfversprechen umsetzen. Bildrechte: imago images / Pacific Press Agency

Parlamentsbeschluss Griechenland will Reparationen von Deutschland fordern

Nach Polen will jetzt auch Griechenland weitere Reparationsforderungen an Deutschland geltend machen. Das Parlament in Athen hat die Regierung verpflichtet, die Ansprüche durchzusetzen. Die Bundesregierung sieht keinen Handlungsbedarf.

Alexis Tsipras
Der griechische Regierungschef Alexis Tsipras will mit den Reparationsforderungen ein Wahlkampfversprechen umsetzen. Bildrechte: imago images / Pacific Press Agency

Griechenland will von Deutschland Entschädigungen für Verbrechen im Ersten und Zweiten Weltkrieg fordern. Das Parlament in Athen rief die Regierung des Landes am Mittwochabend mit großer Mehrheit dazu auf, alle notwendigen diplomatischen und rechtlichen Schritte einzuleiten. Konkret geht es um eine Summe von bis zu 290 Milliarden Euro.

Der griechische Regierungschef Alexis Tsipras sagte in seiner Rede im Parlament, er habe das Thema nicht mit der schweren Finanzkrise und den griechischen Schulden verquicken wollen. Nach dem Ende der internationalen Hilfsprogramme sei aber der richtige Zeitpunkt gekommen, um das Kapitel für Deutschland und Griechenland abzuschließen.

Die Forderung von Reparationszahlungen ist für uns eine historische und moralische Pflicht.

Alexis Tsipras, griechischer Regierungschef

Wahlkampfmanöver von Tsipras?

Tsipras hatte vor den Parlamentswahlen 2015 versprochen, Ansprüche an Deutschland geltend zu machen. Politiker der Opposition warfen ihm jetzt vor, mit den Reparationszahlungen nur Stimmen für die Parlamentswahl im Oktober gewinnen zu wollen. Andere Politiker erklärten, von Deutschland sei nichts zu holen.

Vasilis Leventis von der Union der Zentristen sagte: "Die deutsche Seite ist der Meinung, dass sie das Thema mit der Zahlung von 160 Millionen Mark an die Opfer und der Aufnahme von rund 420.000 Gastarbeitern abgegolten hat."

Berlin sieht keinen Handlungsbedarf

Deutschland lehnt weitere Reparationszahlungen an Griechenland ab. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte am Mittwoch in Berlin, die Bundesregierung wisse "um die große Schuld und das große Leid", das Deutschland zu Zeiten des Nationalsozialismus über Griechenland gebracht habe. Die Frage nach Reparationen sei aber juristisch wie politisch abschließend geregelt.

Die Bundesregierung stützt sich dabei auf den 1990 zur Wiedervereinigung unterzeichneten Zwei-plus-Vier-Vertrag, in dem es heißt, es seien "keine weiteren Reparationen" vorgesehen.

Es geht um Massaker und einen Zwangskredit

Die griechischen Forderungen beziehen sich auf Schäden und Plünderungen während des Ersten Weltkrieges. Zudem geht es um Massaker an der griechischen Bevölkerung und einen Zwangskredit während des Zweiten Weltkrieges.

So waren unter deutscher Besatzung von April 1941 bis September 1944 rund 300.000 griechische Staatsangehörige getötet worden. 1942 hatten die Besatzer bei der griechischen Zentralbank einen Zwangskredit aufgenommen, der damals auf knapp 500 Millionen Reichsmark beziffert wurde und heute mit Zinsen einige Milliarden Euro wert wäre.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 18. April 2019 | 06:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. April 2019, 08:53 Uhr

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72 Kommentare

19.04.2019 22:29 Erwin Schachten 72

Ja, was soll man sagen, das wird uns wohl noch weitere 70 Jahre verfolgen. Eher noch länger, warum auch nicht. So wie sich unsere Regierung verhält werden wir das wohl bezahlen, so wie wir schon seit 70 Jahren und länger bezahlen. Der doofe Deutsche hält doch seit Jahren die EU am Leben, ist doch gut wenn so ein Land wie Deutschland sich für den Rest der Welt krumm und dumm buckelt. Alle Welt lacht schon seit Jahren über uns, nur bei den Deppen in Berlin sitzt man wohl auf seinen Ohren.

19.04.2019 21:50 D.o.M. 71

Hat sich eigentlich die Ukraine schon gemeldet ? Und Weißrussland ? Norwegen ? Belgien ? Die Niederlande ? Es wäre doch eigentlich eine gute Gelegenheit, jetzt mit auf den Zug aufzuspringen. Und wenn der Mann erst nackig ist, läßt sich ihm nicht mehr in die Tasche fassen. Also hurtig meldet Euch, Serben, Tschechen, Slowenen ..... Wer zuerst kommt, mahlt zuerst.

19.04.2019 20:34 Jürgen Förster 70

Natürlich weiß auch Tsipras, das solche Forderungen sich gut im Wahlkampf anhören, aber angesichts der Machtverhältnisse nicht durchsetzbar sind.
Er selbst hat schließlich sein Volk verraten und entgegen dessem klar geäußerten Willen dem deutschen Spardiktat unterworfen und den Ausverkauf GR an die "Investoren" genannten modernen Raubritter den Weg geebnet.
Das griechische Volk leidet unsagbar unter all dem, daher ist der Hochmut und die Verachtung die aus vielen Beiträgen spricht unangemessen und ignorant.

19.04.2019 18:57 Ralf 69

Deutschland die melk Kuh von Europa. Anderen Ländern geht es schlecht schon muss Deutschland herhalten. Aber warum immer und immer nur wir.

19.04.2019 18:55 Knau 68

Unfassbar erst helfen wir damit sie wieder auf die Beine kommen, dann wollen sie auch Geld auf diese Weise. für mich ein Grund dieses Land nicht mehr zu besuchen.

19.04.2019 16:42 jochen 67

39 # Ja, bei solch einer kriecherischen Regierung ist alles möglich. Ich vermute, unsere sogenannten politischen "Eliten" werden bei genügend ausländischen Druck jeden Preis mit unserem Steuergeld bezahlen. Das wird dann eine politische Lawine lostreten, denn dann verlangen alle früheren Kriegsgegner Entschädigung von uns Deutschen. Das wird mehr als teuer.
Mit der Merkel ist leider keine harte Politik zu machen. Das kann die nicht.

19.04.2019 16:18 jochen 66

64 # Nun tun Sie aber nicht so, als ob unsere früheren Gegner -keine- Greultaten an Deutschen verübt haben.
Das nur die deutsche Wehrmacht verantwortlich gemacht wird, das geht überhaupt nicht. Es zeugt doch von einem ungesunden Hass auf die eigene Nation. Und das ist behandlungsbedürftig.

19.04.2019 14:17 Wessi 65

@ 64 Aber der 2+4-Vertrag ist nun einmal rechtlich bindend, so sehr Ihre Richtung es auch bejammert.Ob die "Verantwortung der Taten der DEUTSCHEN" (genau so müsste es heissen) "geheuchelt" ist,wird durch diese Weigerung kaum belegbar, denn es sind ja Milliarden geflossen.Aus der DDR sogar Reparationen gen UDSSR.Entschädigungszahlungen im erwähnten Umfang täten UNSEREM Land nicht gut!Begrüssten Sie dieses? Nur aus Prinzip, weil Ihnen unser Land nicht gefällt+Sie eine andere Republik haben möchten?Könnte man vermuten.Aber letztendlich sind die Forderungen lediglich Wahlkampfgetöse.Man sägt den Ast nicht ab, auf dem man sitzt.Das gilt für GR+PL, aber auch für Ungarn.Siehe dazu in den letzten Fällen die zahlreichen Rückzieher.Das Gute daran: die westlichen EU-Staaten rücken zusammen...GB...das wird man sehen.Letztendlich hätten auch die Ansprüche auf Reparationen, inkl. Schweden+Schweiz wg. der wirtschaftl. Schwächung.Dazu wird es nicht kommen.

19.04.2019 13:44 Wo geht es hin? 64

Zitat aus dem Artikel: "Die Bundesregierung stützt sich dabei auf den 1990 zur Wiedervereinigung unterzeichneten Zwei-plus-Vier-Vertrag, in dem es heißt, es seien "keine weiteren Reparationen" vorgesehen." Zitat Ende. Das erklärt, warum in dem 2+4 - Vertrag das Wort "Friedensvertrag" nicht erwähnt wird. Wäre dieses Wort aufgetaucht, dann wäre das Thema Reparationen für die Greuel der Nazis nämlich nach dem international geltendem Völkerrecht wieder hochaktuell. Aber so weit geht denn die alltäglich geheuchelte "Verantwortung für die Taten der Nazis" denn wohl doch nicht - bekanntlich hört beim Geld ja die Freundschaft auf. Und nicht nur Reparationen betrifft das Wort "Friedensvertrag". DANN wäre der "Beitritt" nach Meinung etlicher Völkerrechtsexperten ungültig und eine gemeinsame Verfassung durch freie, geheime Wahl der deutschen Bürger zwingend geworden. Und auch DAS will man um jeden Preis vermeiden...

19.04.2019 13:42 Mane 63

Hoffe die Bevölkerung wählt jetzt richtig und keiner macht mehr Urlaub in solche Länder.