Andrea Leadsom Ministerin für Parlamentsfragen Großbritannien
Die Unterhausvorsitzende Leadsom hat Mays Kabinett verlassen. Bildrechte: imago images / i Images

Brexit Mays Unterhaus-Chefin tritt aus Protest zurück

Der Rückhalt von Großbritanniens Premierministerin May im Brexit-Streit schwindet weiter. Ihre Ministerin für Parlamentsfragen, Leadsom, erklärte ihren Rücktritt. Sie glaube nicht mehr an Mays Brexit-Strategie.

Andrea Leadsom Ministerin für Parlamentsfragen Großbritannien
Die Unterhausvorsitzende Leadsom hat Mays Kabinett verlassen. Bildrechte: imago images / i Images

Weitere Schlappe für Großbritanniens Premierministerin Theresa May: Aus Protest gegen den Brexit-Kurs der Regierung ist die britische Ministerin für Parlamentsfragen, Andrea Leadsom, zurückgetreten. Die überzeugte Brexit-Befürworterin erklärte in einem am Mittwochabend via Twitter veröffentlichten Schreiben, sie unterstütze das Angebot Mays nicht, das Parlament über ein weiteres Brexit-Referendum abstimmen zu lassen.

Leadsom glaubt nicht an Mays Strategie

Leadsom sagte, sie glaube nicht mehr daran, dass Mays Strategie dazu führen werde, das Ergebnis des Brexit-Referendums umzusetzen. Der Schritt der Unterhausvorsitzenden kam, nachdem neue Rücktrittsforderungen an die Regierungschefin ungehört verhallt waren. Der Druck auf May, ebenfalls ihr Amt abzugeben, dürfte damit erheblich wachsen.

Mays neueste Kompromisse

May hatte am Dienstag eine Reihe von Kompromissen vorgestellt, um ihren mit der EU ausgehandelten Brexit-Deal doch noch durchs Unterhaus zu bekommen. Dafür kündigte sie Zugeständnisse an die Opposition und die Brexit-Hardliner an. Außerdem stellte sie den Abgeordneten unter anderem ein zweites Referendum in Aussicht. Zudem sieht Mays neuer Gesetzentwurf vor, dass das Parlament darüber abstimmen darf, ob das Vereinigte Königreich für eine gewisse Zeit in einer Zollunion mit der EU verbleiben soll.

Die von May am Dienstag vorgestellten Vorschläge stießen auf deutliche Ablehnung bei vielen konservativen Parteikollegen wie auch bei der oppositionellen Labour-Partei.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 22. Mai 2019 | 21:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. Mai 2019, 22:47 Uhr

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3 Kommentare

24.05.2019 08:02 Werner 3

@2: Diese Regierung wurde weder für, noch gegen den Brexit gewählt, sondern zur Umsetzung des Wählerwillens dieses Referendums, wie das jede andere demokratische Regierung auch hätte tun müssen/ sollte. Neben Ideen für die Zukunft, Stärkung des Wohlstandes, Stärkung des Zusammenhalts der Gesellschaft, Klimaschutz... IM Interesse IHRER WÄHLER - so zumindest die demokratische Theorie. Die Praxis sieht seit fast 20 Jahren immer gegenteiliger aus. Und weil sie das gerade oft nicht mehr, sondern immer intensiver, rücksichtsloser und unverschämter tun, was ihre "Interessenten" aus Banken und Wirtschaft fordern, ist die größte Gefahr entstanden, die es aktuell für "unsere Demokratie" gibt: die Störenfriede bei dieser Geld- und Macht-Umleitung. Die ellenkilometerlangen Listen der Lobbyisten mit Hausausweis im BT und im EU- Parlament, und wer im Ringelpietz zwischen Politik, Wirtschaft und Medien auf Schlüsselpositionen gesetzt/abgesetzt wird, passen hier nicht rein.

23.05.2019 18:05 Carolus Nappus 2

"Es hat ein Referrendum zur EU gegeben. Ergebnis: Austritt."
"Die Regierung in GB hat den Erwartungen nicht entsprochen, für was sie gewählt wurde."
Genau das ist die Krux. Die Regierung (und schon gar nicht das Parlament bzw. dessen Abgeordnete) wurde nicht für den Brexit gewählt. Denn wenn ich mich recht entsinne, ging der Plan Mays eine solide Mehrheit für ihren Kurs zu bekommen, gerade nicht auf.

23.05.2019 13:28 Werner 1

Es hat ein Referendum zur EU gegeben. Ergebnis: Austritt. Dieser Wille wurde zur Umsetzung durch die Regierung, an die Regierung weitergegeben, wie es in Demokratien üblich ist. Die Regierung wollte es nicht umsetzen, oder war innerhalb ganzer 3 Jahre! sachlich-, fachlich... rechtlich... nicht dazu in der Lage- Totalausfall, aus welchem Grund auch immer- erstmal egal. Dass bei bei den Befürwortern Enttäuschung bis Wut, und Trotzreaktionen entstehen, ist die logische Folge - unideologisch betrachtet, reagiert jeder Aufsichtsrat/ Anleger gegenüber dem Vorstand ähnlich (Bayer). Die Regierung in GB hat den Erwartungen nicht entsprochen, für was sie gewählt wurde. Wird ihr Absicht, statt Unvermögen nachgewiesen, stehen sie auch noch mindestens als "Demokratie-mit-den-Füßen-Treter" da. Dann treten die "Rechtspopulisten" in die andere Populisten-Lücke, und bekommen natürlich medial die volle Schuld zugewiesen...