Fall Nawalny Gysi kritisiert Drohung mit Sanktionen gegen Russland

Gregor Gysi hat vor einer Vorverurteilung Russlands im Fall Nawalny gewarnt. Bei anderen Ländern sei man äußerst vorsichtig, sagte er. Auch Russland müsse erstmal die Chance zur Aufklärung haben. Moskau sagte am Freitag eigene Ermittlungen zu, sollten sich die Informationen über Gift in den Proben des Patienten bestätigen.

Gregor Gysi im Interview
Gregor Gysi (Linke) fordert, Russland die Chance zur Aufklärung des Falls Nawalny zu geben. Bildrechte: imago images/Christian Spicker

Der Linkspolitiker Gregor Gysi hält es für falsch, Russland im Fall der Vergiftung des Kremlkritikers Alexej Nawalny schon jetzt mit Sanktionen zu drohen. Gysi sagte MDR AKTUELL, Russland müsse erstmal die Chance zur Aufklärung haben. Danach könne man Schlussfolgerungen ziehen.

Gysi kritisierte außerdem eine Ungleichbehandlung. Bei Russland würden alle sofort nach Sanktionen rufen. Bei anderen Ländern sei man äußerst vorsichtig. Als Beispiel nannte er Saudi-Arabien und den Fall des getöteten Journalisten Khashoggi.

Gysi warnt vor Vorverurteilung

Gysi warnte außerdem vor einer Vorverurteilung der russischen Regierung. Er fragte, was solle Präsident Putin für ein Interesse haben, so etwas anzuordnen. Die Beziehungen zum Westen seien schon schlecht. Gysi sagte wörtlich, Putin müsste besonders dämlich sein, wenn er das angeordnet haben sollte.

Die EU hatte am Donnerstagabend angekündigt, dass sie sich Sanktionen vorstellen kann. Mehrere deutsche Politiker hatten vorgeschlagen, die Arbeiten an der Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 zu stoppen.

Moskau könnte Ermittlungen einleiten

Russland schließt eigene Ermittlungen in dem Fall nicht aus. Kremlsprecher Dmitri Peskow sagte der russischen Agentur Interfax zufolge am Freitag: "Sollten sich die Informationen über giftige Substanzen in den Proben des Patienten bestätigen, dann besteht natürlich kein Zweifel daran, dass die Ermittlungen beginnen. In diesem Fall zählen wir auf den Dialog mit unseren deutschen Kollegen."

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 04. September 2020 | 07:30 Uhr