Internationale Zusammenarbeit Gedämpfte Erwartungen vor digitalem G20-Gipfel

Der diesjährige G20-Gipfel sollte ursprünglich im saudi-arabischen Riad stattfinden. Auch da der Gipfel nun eine digitale Veranstaltung ist, erwarten Kanzlerin Merkel und ihr Stellvertreter Scholz nicht zuviel davon.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) spricht während der Generaldebatte zum Bundeshaushalt im Bundestag.
Ein Knackpunkt beim Treffen wird die gerechte Verteilung der Corona-Impfstoffe sein. Bildrechte: dpa

Ein abgewählter US-Präsident, der nicht abtreten will und Beratungen lediglich via Bildschirm, die sich wegen der Zeitunterschiede rund um den Erdball auf einige wenige Stunden beschränken – natürlich weiß Regierungssprecher Steffen Seibert, dass sich die Erwartungen an diesen Gipfel der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer am unteren Ende bewegen.

Und so weist Steffen Seibert zumindest auf den potenziellen Wert des G20-Forums hin. Es sei ein zentrales Forum für eine multilaterale Zusammenarbeit, das nach Überzeugung der Bundesregierung einen wichtigen Wert haben könne. "Gerade in einer Situation wie der Pandemie, die – auf die eine oder andere Art und nicht immer zeitlich parallel – alle Länder massiv getroffen hat."

Schulterschluss im Umgang mit der Pandemie

Die Bekämpfung der Pandemie und ihrer wirtschaftlichen Folgen wird dann auch im Mittelpunkt des ersten Gipfeltages am Samstag stehen. Die Bundeskanzlerin wird sich unter anderem mit einer öffentlich übertragenen Videobotschaft einbringen und dabei für einen globalen Schulterschluss werben.

Ein Knackpunkt dafür ist die gerechte Verteilung der Impfstoffe. Und diese Frage könnte auch bald spruchreif werden. Entsprechende Hoffnungen hat Angela Merkel ja gerade selbst nach dem EU-Gipfel geweckt: "Man muss ja sagen, dass die Nachrichten der letzten Tage bezüglich der Entwicklung eines Impfstoffes sehr zuversichtlich stimmen."

Wir rechnen in Europa mit Zulassungen, die im Dezember oder sehr schnell nach der Jahreswende erfolgen könnten.

Angela Merkel Bundeskanzlerin

Dann werde das Impfen beginnen. Und die deutsche Kanzlerin hat da natürlich eine Trumpfkarte im Ärmel, ist es doch ein deutsches Unternehmen – BioNtech, dass bei der Impfstoffentwicklung ganz vorn mitmischt.

Milliarden für Impfstoffe in ärmeren Ländern

Um aber auch die ärmeren Länder mit Impfstoffen zu versorgen, werden etliche Milliarden Euro benötigt. Deutschland beteiligt sich bereits als zweitgrößter Geber an der internationalen Impfstoff-Initiative Covax. Mit dabei sind rund 150 Länder, nicht aber die USA. Und so sind die Hoffnungen, dass es auf dem G20-Gipfel zu weiteren Finanzzusagen kommt, eher gedämpft.

Olaf Scholz (SPD), Bundesminister der Finanzen, gibt eine Pressekonferenz nach den Verhandlungen der Eurogruppe.
Auch Bundesfinanzminister Olaf Scholz wird an dem Treffen teilnehmen. Bildrechte: dpa

Mit am virtuellen Gipfeltisch sitzt neben der Kanzlerin auch Bundesfinanzminister Olaf Scholz. Und der hat sich auf vorbereitenden Beratungen der G20-Finanzminister immer wieder für die Solidarität mit den ärmeren Ländern eingesetzt: "Es ist deshalb wichtig, dass sich jetzt die wichtigsten Länder der Welt in den Gesprächen der Finanzminister darauf verständigt haben, den Ländern zu helfen, die jetzt Hilfe brauchen." Es gehe etwa um ein Schuldenmoratorium und um direkte Hilfen bei den gegenwärtigen Krisenlasten.

Abwärtsspirale der Weltwirtschaft verhindern

Eine letzte Beratung der Finanzminister gab es Freitagnachmittag. Danach lobte Olaf Scholz den Zusammenhalt der großen Wirtschaftsnationen in der Corona-Krise. Billionen Euro seien eingesetzt worden, um eine fatale Abwärtsspirale der Weltwirtschaft zu verhindern. Deutschland habe einen entscheidenden Teil dazu beigetragen.

Der Bundesfinanzminister will mit seinem Loblied auf die Handlungsfähigkeit der G20 für ein gutes Klima sorgen. Und auch zum Ablauf der Gipfelvorbereitungen äußern sich Regierungskreise positiv. Die saudischen Gastgeber hätten das in einem guten Geiste sehr gut gemanagt. Und auch die Zusammenarbeit mit den USA auf Fachebene laufe eigentlich gut.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 21. November 2020 | 05:00 Uhr

5 Kommentare

GEWY vor 1 Wochen

Hallo @Kelte von...., Dank für die Blumen. Weil Sie Ihre Antwort als Satire gekennzeichnet haben, ist es Spott. Damit kann ich leben. Ich habe ja abstrahiert.
Zum BIP: Wir sprechen von der Weltwirtschaft (nicht USA, Kamerun usw.). Da sind die Zahlen so. Ein "Klick" genügt.
Das BIP(für Sie) = Wirtschaftswachstum, konnte 1960 gar nicht hoch sein. Die Industrienationen von Japan, die damalige SU, Europa bis USA hatten gerade die Kriegsschäden und -folgen bewältigt. Der Rest von Südamerika, Afrika, Vorderasien, Arabische Halbinsel bis Indien und China waren was das BIP betrifft unbedeutend.
Heute: BRD seit 1960 zehnfach höheres BIP
China seit 1960 hundertfach höheres BIP
was das bei einmal 80 Mill. und zum anderen 1400 Mill. Bewohnern bedeutet ist wohl klar.
Dazu muss man nicht "naiv und doof" sein. Nein, einfach lesen, informieren oder eben "klicken".
Und das "Schneller, Höher, Weiter" geschenkt.
Liebes MDR Team: Das ist keine Satire. Bitte nicht löschen. Danke.

Kelte vom Oechsenberg vor 1 Wochen

Nabend GEWY. Herzlichen Glückwunsch für ihre geistige Fitness, ihre Online-Aktivitäten und vor allem ihren volkswirtschaftlichen Sachverstand im doch schon fortgeschrittenen Alter. Da Sie 1960 schon im Berufsleben gestanden haben und nach ihrer Aussage schon gut situiert waren, vermute ich ihr derzeitiges Alter um die 80 Jahre.
Nun mal ehrlich: Für wie naiv und doof halten Sie denn eigentlich die Leser ihrer Kommentare? Auch ich habe 1960 schon gelebt. Übrigens hieß es früher anderersherum: "Schneller, Höher, Weiter".
Ach so: Von welchem BIP, also welchem Land, sprechen Sie eigentlich? BRD, USA, Kamerun, Taiwan, Brunei etc.?
Liebes MDR Team: Dies ist eine Satiere. Bitte nicht löschen. Danke

GEWY vor 1 Wochen

Wenn ich das lese "Abwärtsspirale der Weltwirtschaft verhindern". Was ist das? Eine für den "Normalverbraucher" nicht greifbare Größe. Geschwafel ohne Substanz? 1960 lag das BIP pro Kopf bei 446 USD, 2017 bei 10.714 USD. Also das 23-fache. Ich habe 1960 gelebt und schon im Berufsleben gestanden. Im materiell-technischen, sozialen, erzieherischen und bildungstechnischen Umfeld der Zeit entsprechend gut. Ohne Existenzangst mit dem Blick auf eine sichere Zukunft unserer Kinder. Was ist heute? Wer hat denn Angst vor eine Abwärtsspirale der Wirtschaft? Ich könnte mir vorstellen das viele "Normalverbraucher" sich eine Abwärtsspirale in die Zeit um 1960 wünschen, denn von den "23-fachen" ist bei denen nichts, aber auch gar nichts angekommen. Abstrahiert? Ja. Aber auch bitte nachdenken, wie weit die Politik sich von den Menschen entfernt hat und ob die Ziele immer bei WEITER; HÖHER, SCHNELLER liegen sollten.