Istanbul Hagia Sophia soll wieder Moschee werden

Die Hagia Sophia soll wieder für Muslime zum Gebet geöffnet werden. Das oberste türkische Verwaltungsgericht erklärte den Museumsstatus für unrechmäßig. Präsident Erdogans Plänen steht damit nichts mehr im Weg.

Türkei, Istanbul: Menschen besichtigen die Hagia Sophia, die derzeit ein Museum und als Teil des historischen Viertels in Istanbul als Weltkulturerbe der Unesco gelistet ist.
Seit den 1930er Jahren war die Hagia Sophia ein Museum. Bildrechte: dpa

Die Hagia Sophia in Istanbul kann wieder zur Moschee werden. Das höchste Verwaltungsgericht der Türkei machte heute den Weg frei für die Pläne von Staatschef Erdogan. Das Gericht urteilte am Freitag, dass die Umwandlung des Bauwerks in ein Museum durch den Staatsgründer der modernen Türkei, Mustafa Kemal Atatürk, im Jahr 1934 unrechtmäßig gewesen sei. Unmittelbar danach unterzeichnete Präsident Recep Tayyip Erdogan ein Dekret, wonach die Muslime in dem Weltkulturerbe wieder beten dürfen.

Griechenland: Provokation für zivilisierte Welt

Die russisch-orthodoxe Kirche in Russland äußerte ihr Bedauern über die Gerichtsentscheidung. Unter anderem auch die USA und das Nachbarland Griechenland hatten verlangt, die Hagia Sophia als Museum zu erhalten. Das griechische Kultusministerium erklärte nach der Entscheidung,man wolle sich nicht in die inneren Angelegenheiten der Türkei einmischen. Die Hagia Sophia sei jedoch ein Bauwerk für die ganze Menschheit. Die Umwandlung in eine Moschee sei eine Provokation für die ganze zivilisierte Welt.

Die Unesco hatte erklärt, sie müsse den Status als Weltkulturerbe bei einer Umwidmung überprüfen. Das Bauwerk sei bei ihr als Museum registriert, dies beinhalte Verpflichtungen. Die Hagia Sophia war 2019 mit über 3,7 Millionen Besuchern die größte Touristenattraktion der Türkei.

Christen und Muslime erheben Anspruch auf Hagia Sophia

Auf die Hagia Sophia erheben Christen wie Muslime gleichermaßen Anspruch. Sie war fast ein Jahrtausend lang die christliche Hauptkirche Konstantinopels. Als die Türken im 15. Jahrhundert die Stadt eroberten, wurde sie zur Moschee umfunktioniert. In den 1930er-Jahren machte der türkische Staatsgründer Atatürk die Hagia Sophia zum Museum - dieser Beschluss wurde heute von dem Gericht annulliert. Das eindrucksvolle Bauwerk gehört zum UN-Weltkulturerbe.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 10. Juli 2020 | 16:00 Uhr