Kämpfer der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat 2014 im syrischen Rakka
Ein IS-Dschihadist 2014 nach der Eroberung von Rakka in Syrien: Gefangene ausländische IS-Kämpfer gelten für ihre Heimatländer nun als Sicherheitsrisiko. Bildrechte: IMAGO

Hintergrund Ausländische IS-Dschihadisten in Syrien und im Irak

In Syrien sind mehrere tausend ausländische Kämpfer der Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" mit ihren Frauen und Kindern von den kurdischen Truppen festgenommen worden. Die IS-Anhänger stellen ihre Heimatländer vor ein Dilemma: Bei einer Rückkehr gelten sie als unkalkulierbares Sicherheitsrisiko. Ein Überblick nach Zahlen und Herkunftsstaaten.

Kämpfer der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat 2014 im syrischen Rakka
Ein IS-Dschihadist 2014 nach der Eroberung von Rakka in Syrien: Gefangene ausländische IS-Kämpfer gelten für ihre Heimatländer nun als Sicherheitsrisiko. Bildrechte: IMAGO

Deutschland

Von den mehr als 1.050 Dschihadisten, die sich von Deutschland aus auf den Weg nach Syrien oder in den Irak gemacht haben, ist nach Angaben des Bundeskriminalamts inzwischen rund ein Drittel wieder in Deutschland, darunter auch viele Frauen. Medienberichten zufolge sitzen mehrere Dutzend deutsche Staatsbürger in Syrien in kurdischer Haft.

Die Bundesregierung erkennt allen ein Rückkehrrecht zu, macht jedoch bisher keine Anstalten, Deutsche aus Syrien zurückzuholen. Außenminister Heiko Maas sagte dazu, solange es keine Informationen und Ermittlungsverfahren gebe, halte er eine Rückholung "für schwer realisierbar".

Das Auswärtige Amt verweist darauf, dass seit der Schließung der deutschen Botschaft in Damaskus keine konsularische Betreuung in Syrien möglich sei. Die Bundesregierung prüfe aber Optionen, um deutschen Staatsbürgern eine Ausreise zu ermöglichen, insbesondere in humanitären Fällen.


Frankreich

Von den französischen IS-Kämpfern befinden sich rund 130 in kurdischer Haft, darunter 70 bis 80 Kinder. Paris hat angekündigt, sie nach Frankreich zurückzuholen, doch bleibt unklar, wie eine Rückführung rechtlich und logistisch funktionieren soll. Während mehr als 300 französische Dschihadisten in den vergangenen Jahren getötet wurden, werden noch etwa 250 Kämpfer und ihre Angehörigen in Syrien auf freiem Fuß vermutet.


Großbritannien

Im Januar ging die Regierung in London von rund 200 britischen Dschihadisten in Syrien und im Irak aus, die sie als ernste Gefahr einstuft. Knapp 400 IS-Anhänger waren bis Juni 2018 in die Heimat zurückgekehrt, die meisten von ihnen Kinder und Frauen. Rund 40 Rückkehrer mussten sich wegen Verbrechen vor Gericht verantworten, während die Regierung für die anderen ein Programm aufgelegt hat, um sie zu deradikalisieren.


Belgien

Auch aus der belgischen Dschihadistenszene sind viele Anhänger in das Konfliktgebiet gereist. Von den mehr als 400 belgischen Dschihadisten wurden Ende 2018 noch 150 im Irak und Syrien vermutet. Hinzu kommen etwa 160 Kinder und Jugendliche, die belgische Staatsbürger sind. Die Regierung in Brüssel will Kinder unter zehn Jahren zurückholen, wenn eine belgische Abstammung klar belegt ist. Sonst will sie "von Fall zu Fall" entscheiden.


Russland

Mit fast 4.500 Dschihadisten stellt Russland eines der größten ausländischen Kontingente der IS-Miliz, wobei die meisten aus den muslimischen Kaukasusrepubliken stammen. Während die Regierung darauf setzt, die Kämpfer vor Ort zu töten, hat sie dem tschetschenischen Präsidenten Ramsan Kadyrow die Aufgabe gegeben, die Rückholung der Frauen und Kinder zu organisieren. Bisher kehrten so rund 200 Angehörige zurück.


Tunesien

Auch aus Tunesien hat sich eine große Zahl von Dschihadisten der IS-Miliz angeschlossen. Auf 3.000 bis 5.000 wird die Zahl tunesischer Extremisten geschätzt, die im Irak, in Syrien und Libyen kämpfen. Auch Tunesien will seine Staatsbürger nicht zurück, kann ihnen aber die Rückkehr nicht verwehren. Präsident Béji Caid Essebsi erklärte, ihnen drohe im Rückkehrfall ein Prozess und eine Haftstrafe.


Marokko

Nach Schätzungen von 2015 haben sich mehr als 1600 Marokkaner Dschihadistengruppen in Syrien und dem Irak angeschlossen. Rückkehrer werden systematisch vor Gericht gestellt und zu Haftstrafen von bis zu 15 Jahren verurteilt. Seit Mitte 2018 wurde so mehr als 200 Rückkehrern der Prozess gemacht.

(Quelle: AFP)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 18. Februar 2019 | 02:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. Februar 2019, 16:49 Uhr