Eine Medaille mit dem Konterfei von Alfred Nobel ist am 08.12.2007 im Nobel Museum in der Altstadt von Stockholm zu sehen.
Er gilt als einer der wichtigsten Preise überhaupt und als Auszeichnung mit politischer Tragweite: der Friedensnobelpreis. Bildrechte: dpa

Hintergrund Friedensnobelpreisträger werden Erwartungen nicht immer gerecht

Er ist der einzige Nobelpreis, der nicht in Stockholm, sondern in Oslo vergeben wird. Doch den Friedensnobelpreis macht noch viel mehr besonders. Die Preisträger stehen im internationalen Rampenlicht. Sie sind Hoffnungträger und sollen moralische Instanzen sein. Allzu oft können sie den hohen Ansprüchen allerdings nicht genügen und stehen in der Kritik.

Eine Medaille mit dem Konterfei von Alfred Nobel ist am 08.12.2007 im Nobel Museum in der Altstadt von Stockholm zu sehen.
Er gilt als einer der wichtigsten Preise überhaupt und als Auszeichnung mit politischer Tragweite: der Friedensnobelpreis. Bildrechte: dpa

Wer den Friedensnobelpreis bekommt, hat seinen Platz in den Geschichtsbüchern sicher. Da er als einer der wichtigsten Preise gilt, sind die Entscheidungen des Komitees aber nur selten unumstritten.

Immer wieder Kritik an Nobelkomitee und Preisträgern

Die Erwartungen an die Preisträger sind hoch. Und dementsprechend werden sie immer wieder enttäuscht. Die Entscheidung, wer den Friedensnobelpreis erhalten soll, sorgt zum Teil bereits im norwegischen Nobelkommitee selbst für Zerwürfnisse.

Immer wieder kam es wegen umstrittener Entscheidungen sogar zu Rücktritten im Nobelkomitee selbst. So zum Beispiel 1994, als Palästinenserführer Jassir Arafat zusammen mit den israelischen Politikern Jitzchak Rabin und Schimon Peres geehrt wurde. Das gleiche passierte 1973, als US-Außenminister Henry Kissinger und dem vietnamesischen Politiker Le Duc Tho der Preis für ein Waffenstillstandsabkommen im Vietnamkrieg zugesprochen wurde.

Vorschusslorbeeren für Barack Obama

Barack Obama
Barack Obama erhielt den Friedensnobelpreis im Jahr 2009. Bildrechte: dpa

Immer wieder wurde auch die Frage diskutiert, ob es richtig ist, aktive Politiker auszuzeichnen. Die Frage nach Vorschusslorbeeren etwa wurde laut, als 2009 der damalige US-Präsident Barack Obama geehrt wurde – nach nur neun Monaten im Amt. Dass Obama in den folgenden Jahren als mächtigster Mann der Welt auch auf militärische Mittel setzte und Realpolitik betrieb, gab Kritikern neue Nahrung.

Kritik an Preisträgerin Aung San Suu Kyi

Seit Jahren aktuell ist auch die Diskussion um die Preisträgerin von 1991: Myanmars heutige Defacto-Regierungschefin Aung San Suu Kyi war damals als Oppositionspolitikerin für ihren gewaltfreien Kampf für die Demokratie in ihrer Heimat mit dem Friedensnobelpreis geehrt worden. Seit dem vergangenen Jahr steht sie in der Kritik, zu lange zur Vertreibung der muslimischen Rohingya-Minderheit in ihrem Land geschwiegen zu haben. Auch als die 72-Jährige Mitte September 2017 ihr Schweigen zu dem Thema brach, vermied sie klare Schuldzuweisungen.

Myanmars Regierungschefin Aung San Suu Kyi spricht in einer landesweit übertragenen Rede über die Flüchtlingskrise im Land.
Die Preisträgerin von 1991 steht heute stark in der Kritik. Bildrechte: dpa

Deswegen unterzeichneten Hunderttausende eine Online-Petition mit der Forderung, Aung San Suu Kyi den Friedensnobelpreis wieder abzuerkennen – ein Schritt, den die Satzung der Nobelstiftung jedoch nicht vorsieht. Auch andere Nobelpreisträger, wie der südafrikanische Geistliche und Menschenrechtler Desmond Tutu, die pakistanische Kinderrechtsaktivistin Malala Yousafzai und der Dalai Lama übten klare Kritik an der einstigen Freiheitsikone.

Der frühere Leiter des Nobelinstituts und ehemalige Sekretär des Nobelkomitees, Geir Lundestad, zeigte sich ebenfalls enttäuscht: "Aung San Suu Kyi war eine äußerst beliebte und verdienstvolle Preisträgerin, heldenhaft angesichts der Umstände. Ich kann ihr Verhalten im Umgang mit den Rohingya aber nicht gutheißen."

Enttäuschte Hoffnungen

In die Kritik geriet auch der frühere polnische Präsident Lech Walesa, der 1983 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden war. Immer wieder wurden später Vorwürfe laut, wonach der frühere Chef der Gewerkschaft Solidarnosc einst für die kommunistische Geheimpolizei gespitzelt habe.

Die Geschichte enttäuschter Hoffnungen – sie reicht beim Friedensnobelpreis noch viel weiter zurück: So hatte zum Beispiel der italienische Pazifist Ernesto Moneta den Unmut von Kriegsgegnern auf sich gezogen. Vier Jahre nach seiner Ehrung mit dem Friedensnobelpreis machte er sich 1911 für den Kriegseintritt seines Landes gegen das Osmanische Reich stark.

Die Preisträger des Friedensnobelpreises Bei den vergangenen 130 Verleihungen in der Geschichte des Friedensnobelpreises zählten vier Mal auch Deutsche zur Reihe der Geehrten: Gustav Stresemann 1926 für den Abschluss der Locarno-Verträge mit den ehemaligen Kriegsgegnern im Westen, Ludwig Quidde 1927 für die deutsch-französische Aussöhnung, der von den Nazis verfolgte Journalist und Schriftsteller Carl von Ossietzky 1935 und Bundeskanzler Willy Brandt im Jahr 1971.

Insgesamt wurden bislang 88 Männer und 16 Frauen geehrt, darunter Persönlichkeiten wie Mutter Teresa oder Martin Luther King. 19 mal wurde der Preis ausgesetzt – in Zeiten der Weltkriege oder weil sich kein geeigneter Kandidat anbot. Letztmals geschah dies 1972. Dagegen kam es auch zu Mehrfachauszeichnungen: So war das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) bereits dreimal der Preisträger: 1917, 1944 und 1963. Das Büro des Hohen UN-Kommissars für Flüchtlinge erhielt den Preis zweimal: 1954 und 1981.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 05. Oktober 2018 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. Oktober 2018, 05:01 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

5 Kommentare

10.12.2018 13:27 kleinerfrontkaempfer 5

Das ist ja nun nix Neues!
Die Zweckdienlichkeit der Mittel ist schon vorbestimmt. Ganz objektiv und demokratisch.

10.12.2018 12:43 Bernd L. 4

Frau Kyi kämpft für IHR Volk und hat dafür ihr Leben gewidmet. Sie hat gesehen, was die Islamisierung ihrer Nachbarländer angerichtet hat und kämpft dagegen. Für mich eine Ikone, ich wünschte, wir hätten eine solche Führungsperson in unserem Lande.
Obama hat gleich nach der Preisverleihung seinen ersten Angriffskrieg begonnen. Er hat den Spitzenplatz unter Friedensnobelpreisträgern hinsichtlich der Kriege. Übrigens hat Frau Kyi keinen Krieg geführt.

10.12.2018 10:26 Blumenfreund 3

Das ist ein rein politischer Preis des Westens.

05.10.2018 13:52 ralf meier 2

Da lese ich: ' Dass Obama in den folgenden Jahren als mächtigster Mann der Welt nicht nur auf friedfertige Mittel setzte und Realpolitik betrieb, gab Kritikern neue Nahrung. '

Realpolitik nennt der Autor das... was Herr Obama so an Kriegen zu verantworten hat. Wie fühlt man sich, wenn man so etwas schreibt.

Hier ein Verweis auf einige Qualitätsmedien, die die Dinge lieber beim Namen nennen.

Heise Telepolis vom 10.11.216: Obama: 'Neue Atomwaffen, neue Kriege, mehr Waffenverkäufe als unter Bush'
n-tv 14.10.2014 'Der ewige Krieg Obama bricht das Recht' .
Bento: Bento 16.05.2016: 'Obama ist jetzt offiziell US-Kriegspräsident No. 1'.

05.10.2018 12:28 lummox 1

wenn ich denke an Obama in der nacht, bin ich um meine illusionen gebracht. damals habe ich noch gedacht: schlimmer wirds nimmer.
(kleine geschichte nebenan, als der deutsche dichter Max Herrmann-Neiße zu zeit des ersten weltkriegs ein anti-kriegsgedicht mit dem namen "Kriegsbegeisterung" veröffentlichte wurde er von dem französischen schriftsteller Romain Rolland als kriegstreiber verunglimpft, ohne das werk je gelesen zu haben.)
bei solchen preisen sollte man genauer prüfen welche leute sich als friedensapostel feiern lassen.