Migranten nach der Erstürmung der Exklave Ceuta Spanien Marokko
Afrikaner werden nach ihrem Sturm auf Ceuta von Beamten der Guardia Civil bewacht. Bildrechte: IMAGO

Spanische Nordafrika-Exklave Hunderte Migranten stürmen Ceuta

Bis zu 700 Migranten haben Spaniens Nordafrika-Exklave Ceuta gestürmt. Laut Polizei gingen sie "brutal wie nie zuvor" zu Werke. Erstmals wurden auch Branntkalk und selbstgebaute Flammenwerfer gegen Polizisten eingesetzt. Dutzende Beamte und Migranten wurden verletzt. Einige mussten in Krankenhäuser eingeliefert werden.

Migranten nach der Erstürmung der Exklave Ceuta Spanien Marokko
Afrikaner werden nach ihrem Sturm auf Ceuta von Beamten der Guardia Civil bewacht. Bildrechte: IMAGO

Hunderte teils mit selbstgebauten Waffen ausgerüstete Migranten haben am Donnerstagmorgen die spanische Nordafrika-Exklave Ceuta gestürmt. Wie mehrere spanische Medien unter Berufung auf die spanische Polizei berichteten, überwanden zwischen 400 und 700 Afrikaner von Marokko kommend den gut sechs Meter hohen doppelten Grenzzaun. Dabei kamen auch Bolzenschneider zum Einsatz.

Erstmals selbstgebaute Flammenwerfer im Einsatz

Sebstgebauten Flammenwerfer dliegt auf dem Boden neben dem Grenzzaun.
Erstmals kamen bei der Erstürmung einer spanischen Exklave selbstgebaute Flammenwerfer zum Einsatz. Bildrechte: Guardia Civil/dpa

Wie die spanische Tageszeitung "El País" berichtete, versuchten spanische und marokkanische Polizisten über eine Stunde lang den gewaltsamen Grenzdurchbruch zu verhindern. Dem Bericht zufolge setzten die Migranten erstmals bei einer Erstürmung einer spanischen Nordafrika-Exklave auch selbstgebaute Flammenwerfer und Branntkalk gegen Polizisten ein. Branntkalk führt bei Kontakt mit der Haut zu teils schlimmen Verätzungen. Beim Einsatz gegen die Augen können schwere Sehschäden oder gar Blindheit die Folge sein.

Dutzende Verletzte medizinisch versorgt

Die von der spanischen Polizei zur Verfügung gestellte Aufnahme zeigt Branntkalk der auf dem Boden neben dem Grenzzaun verstreut liegt. Hunderte Flüchtlinge sind am Donnerstag gewaltsam in die spanische Nordafrika-Exklave Ceuta gelangt
Auch Branntkalk wurde gegen Polizisten eingesetzt. Bildrechte: dpa

Nach Angaben des Roten Kreuzes mussten 22 Polizisten medizinisch behandelt werden. Vier Beamte der Guardia Civil wurden in ein Krankenhaus in Ceuta gebracht. Laut dem "El País"-Bericht wurden zudem 132 Migranten medizinisch versorgt. In anderen Quellen war lediglich von 30 verletzten Afrikanern die Rede. Die meisten von ihnen zogen sich ihre Verletzungen wohl bei der Überwindung des Grenzzaunes zu. Der Polizei zufolge wurden elf Migranten in ein Krankenhaus eingeliefert.

Größter Ansturm der vergangenen Jahre

Laut einem Polizeisprecher handelte es sich um den größten Ansturm der vergangenen Jahre auf die an der Straße von Gibraltar liegende Enklave Ceuta. Dabei seien die Migranten so "brutal wie noch nie zuvor" vorgegangen, wurde der Polizeisprecher von der Nachrichtenagentur Europa Press zitiert. Den Angaben zufolge versuchten Hunderte weitere Migranten, ebenfalls über die Grenzzäune zu klettern. Sie seien aber von spanischen und marokkanischen Beamten daran gehindert worden.

Diejenigen, die es bis nach Ceuta schafften, begaben sich anschließend in das Aufnahmelager der Stadt. Dem "El País"-Bericht zufolge nahm die spanische Polizei bei der Aktion aber auch mehrere Migranten noch am Fuße des Zauns fest und schickte sie nach Marokko zurück.

Zehntausende warten auf günstige Gelegenhet

Ceuta, Marokkos Grenzstadt zu Spanien, 1990
Ceuta liegt auf der südlichen Seite der Straße von Gibraltar. Bildrechte: IMAGO

Neben Ceuta verfügt Spanien in Nordafrika mit dem 250 Kilometer weiter östlich gelegenen Melilla noch über eine zweite Exklave, die demzufolge auch EU-Gebiet ist. In der Nähe der beiden Gebiete harren seit Jahren Zehntausende vorwiegend aus westafrikanischen Ländern stammende Menschen aus, die darauf hoffen, irgendwie in die EU zu gelangen. So viele Afrikaner wie jetzt, haben die 8,4 Kilometer lange Grenze nach Ceuta aber seit langem nicht überquert. Im Februar vergangenen Jahres hatten binnen vier Tagen mehr als 850 Migranten die Grenze nach Ceuta überquert.

Neuer Innenminister will Stacheldraht entfernen

Sollte die neue sozialistische Regierung in Madrid ihre Ankündigungen umsetzen, dürfte das künftig noch leichter werden. Der neue spanische Innenminister Fernand Grande-Marlaska hatte nach seiner Ernennung im Juni angekündigt, dass er den rasiermesserscharfen Stacheldraht an den Zäunen von Ceuta und Melilla entfernen wolle.

Bereits jetzt hat Spanien Italien bei der Neuankunft von Migranten aus Afrika überholt. Nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) kamen in diesem Jahr bereits fast 19.600 Menschen in Spanien an.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 26. Juli 2018 | 13:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 26. Juli 2018, 16:34 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

148 Kommentare

28.07.2018 21:03 Johny 148

Warum widmet die EU diese beiden Exklaven nicht gleich zu solchen "Ankerzentren" um? Eine Politik, die an der Grenze nicht mehr differenziert, wird eine Gesellschaft erschaffen, die aus Selbstschutz fortan genauso wenig differenziert.

28.07.2018 21:01 jochen 147

127# Spätestens seit 2017, nachdem ein sogenannter kulturfremder uns bei einem hässlichen Raubüberfall um einen wertvollen Gegenstand erleichtert hat, wird keiner dieser fremden unser Haus jemals wieder betreten.
Erzählen Sie hier nichts von angeblichen Rassisten und rechtsradikalen. Alles hat eine Ursache.
Und die deutsche Ursache liegt eindeutig in Berlin.
Und diese hirnrissigen hasserfüllten r/r/grünen Kommentare bringen den Kommentarschreibern nur noch mehr berechtigten Hass entgegen.

28.07.2018 20:53 Wolfgang Nawalny 146

@140 Malocha - Zu Ihren Ausführungen ...

Die Frage "Was wäre wenn ... ? " hat noch nie was gebracht. Schönen Tag noch.

28.07.2018 20:50 jochen 145

127# Nehmen Sie ein paar von diesen Gästen, damit Sie wieder zur Besinnung kommen.

28.07.2018 20:49 Wessi 144

@ 141 ich empfinde es als viel legitimer vor Hunger und Armut zu fliehen als vor sozialistischer Einheitspolitik (die ja auch viel Positives hatte,hätten wir doch heute mehr davon...).Es geht um Menschen.Die DDR war als Konsequenz aus deutschen Untaten real existierend.Vllt. bin ich so sozialistisch Menschen zu achten und Rassismus zu verachten. Ich will kein abgeschottetes Gebiet mit einem antiimperialistischem, in d. Fall, Rassismus-Schutzwall drum herum. Flucht ist eben rücksichtslos.Jeder DDR-Grenzschützer dürfte bis heute leiden, weil er vllt. Menschen erschoß.Das will ich nicht.Gerade weil es Europa gut geht+der Kontinent Afrika über Jahrhunderte von Europa ausgebeutet wurde.Wer bestimmt was "hier erwünscht ist"?

28.07.2018 20:31 Kritischer Bürger 143

@malocha 140: +...Würden Sie in der Heimat hungern oder Kriegshandlungen fürchten müssen, in irgendeinem Horrorcamp oder auf hoher See im Schlauchboot festhängen, würden Sie die Dinge wohl anders sehen....+
Und für dieses MÖGLICHE FESTHÄNGEN oder gar UMKOMMEN auf See bezahlen solche Leute wie die Migranten dann noch über 2.000 Euro pro Person oder mehr?
Ich erinnere in diesem Zusammenhang immer gern an folgendes Sprichwort: Jeder ist seines Glückes Schmied!

28.07.2018 20:10 Kritischer Bürger 142

@Wessi 133:Menschen die sich so nach Europa bewegen und keine Rücksicht auf Grenztruppen etc. nehmen SIND HIER NICHT ERWÜNSCHT! Ob es nun ein Einwanderungsgesetz gibt oder nicht; Meinen Sie das sich solche Menschen daran halten? Die Prager Botschaft oder Ungarn hat absolut nichts hiermit zu tun, denn es waren Menschen die bis dahin ein Leben hatten, ein Einkommen nur KEIN SOZIALISTISCHE EINHEITSPOLITIK! Aber auch hier verweise ich darauf es gab 1989 Menschen die nicht wussten was wird, ob es einen neuen "Prager Frühling" geben würde und doch haben sich solche Menschen zusammengefunden um etwas zu bewegen! Nur das kann man wohl darauf zurückführen das es hier in D Schulbildung gab, eine Berufsausbildung und daraus herleitend MEHR GRUNDWISSEN, als diese Flüchtlinge an der Marokkanisch/Spanischen Grenzregion also jetzt in Ceuta hatten! Vllt. sollte man diese beiden Grenzgebiete Ceuta und Melilla zu neutralen Gebieten erklären, wo KEINERLEI EUROPÄISCHES RECHT allein bestand hat!

28.07.2018 19:54 malocha 141

"Max", leider werde ich nicht immer, nein, eigentlich nie gefragt, wer hier alles leben darf und wer nicht. Auf Leute ihres Schlags könnte ich auch gut verzichten.
Ihre zweite Frage deutet auf ein fortgeschrittenen Verfolgungswahn hin, da sie schwurbelig andeuten, irgendeine finstere Macht wolle das schöne Land zerstören indem es all diese furchtbar bösen Flüchtlinge zu uns hole (obwohl derzeit dank Massensterben im Meer und Folter in Lybien kaum noch einer ins Land kommt).
Vermutlich sitzen sie bei Mutti zuhause und sind sich nicht im Ansatz der Priviligien bewusst, die Sie nur deshalb genießen, weil Sie zufällig hier als weißer, deutscher Mann geboren wurden. Würden Sie in der Heimat hungern oder Kriegshandlungen fürchten müssen, in irgendeinem Horrorcamp oder auf hoher See im Schlauchboot festhängen, würden Sie die Dinge wohl anders sehen.

28.07.2018 19:53 Johny 140

„Diese Flüchtlinge klopfen nicht an die Türe, sie treten sie ein.“ (Viktor Orban)

28.07.2018 19:48 Norbert 139

@135 na dann schauen Sie sich mal die Ausgebeuteten an, scheinbar alle zwischen 16 und 25 und fast nur männlich. Diesen Herrenmenschenstuss sparen Sie sich besser. Ich habe mir bis jetzt nicht 43 Jahre den Buckel krumm gemacht damit Leute sich aus einem Pott bedienen wo Sie noch nie was eingezahlt haben oder jemals werden, und ob diese Leute gegen Boko Haram gekämpft haben oder selbst dazu gehören wer weiss das, Sie ? Machen Sie sich auch mal kundig bevor Sie hier loslegen wieviel diese Leute tatsächlich bekommen, da wäre ein H4 Empfänger froh drüber.