Soldaten und Geistliche vor St. Antonius Kirche in Colombo Sri Lanka
Soldaten und Geistliche vor der St.-Antonius-Kirche in Colombo. Bildrechte: dpa

Attacken auf Kirchen und Hotels Islamisten-Gruppe soll hinter Anschlägen in Sri Lanka stecken

Hinter den Selbstmordanschlägen auf Sri Lanka soll eine einheimische Islamisten-Gruppe stecken. Das hat die Regierung in Colombo mitgeteilt. Bei der Anschlagsserie auf Kirchen und Hotels starben fast 300 Menschen. Einer hatte neben der US-Staatsangehörigkeit auch einen deutschen Pass.

Soldaten und Geistliche vor St. Antonius Kirche in Colombo Sri Lanka
Soldaten und Geistliche vor der St.-Antonius-Kirche in Colombo. Bildrechte: dpa

Nach den verheerenden Selbstmordanschlägen auf Kirchen und Hotels in Sri Lanka hat die Regierung in Colombo eine einheimische Islamisten-Gruppe verantwortlich gemacht. Regierungssprecher Rajitha Senaratne sagte am Montag, hinter den Anschlägen mit fast 300 Toten stecke die Gruppe National Thowheeth Jama'ath (NTJ). Zuvor habe es bereits Hinweise auf Anschlagspläne der Gruppe gegeben. Die Behörden würden derzeit noch überprüfen, ob die Gruppe "internationale Unterstützung" hatte.

Ein Forensiker des Verteidigungsministeriums hatte zuvor mitgeteilt, dass alle sechs Anschläge von Selbstmordattentätern ausgeführt wurden. Es habe sich um nahezu zeitgleiche Explosionen gehandelt. Die Regierung sprach von einer "völlig neuen Art von Terrorismus".

Alle 24 Festgenommenen Einheimische

Offiziell bekannt hatte sich zu der Tat bis zum Montag aber niemand. Die Polizei vermeldete 24 Festnahmen. Nach Angaben von Premierminister Ranil Wickremesinghe stammen alle Festgenommenen aus Sri Lanka. Zugleich räumte er ein, dass dem Geheimdienst seines Landes Hinweise auf einen möglichen Anschlag vorgelegen hätten. Nun müsse untersucht werden, warum keine enstprechenden Maßnahmen ergriffen worden seien.

Ein Todesopfer hatte deutschen Pass

Nach Angaben der Polizei wurden bei den Bombenanschlägen auf drei Kirchen und drei Luxushotels am Ostersonntag mindestens 290 Menschen getötet und rund 450 verletzt. Mindestens 35 der Todesopfer sind den Angaben zufolge Ausländer. Unter den in Krankenhäusern behandelten Verletzten befinden sich laut Polizei 19 Ausländer. Eines der Todesopfer hatte nach Informationen des Auswärtigen Amtes neben einem US-amerikanischen auch einen deutschen Pass. Soweit bisher bekannt seien keine weiteren Deutschen unter den Opfern, teilte das Außenminiosterium weiter mit.

Fahrzeug mit Bombe gesprengt

Sicherheitskräfte begutachten die Zerstörungen in der St. Anthony's in Kochchikade in Colombo, Sri Lanka.
Sicherheitskräfte begutachten die Zerstörungen in der St.-Antonius-Kirche. Bildrechte: dpa

In der Nähe eines der Anschlagsorte wurde am Montag unterdessen ein weiterer Sprengsatz gefunden. Wie die Polizei mitteilte, sprengten Bombenentschärfer in der Nähe der St.-Antonius-Kirche ein Fahrzeug, in dem ein Sprengkörper entdeckt worden war. An einem anderen Ort der Stadt seien an einer Bushaltestelle 87 Zünder sichergestellt worden.

Acht Detonationen

Insgesamt gab es bei der Anschlagsserie am Sonntag mindestens acht Detonationen, darunter drei in vollbesetzten Kirchen und drei weitere in Luxushotels. In den Kirchen fanden zum Zeitpunkt der Anschläge gerade Ostergottesdienste statt. Deshalb gab es dort auch die meisten Todesopfer. Am Sonntagabend wurde nach Angaben eines Sprechers der Luftwaffe in der Nähe des größten Flughafens von Sri Lanka, rund 30 Kilometer von Colombo entfernt, ein Sprengsatz gefunden und entschärft.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 22. April 2019 | 07:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. April 2019, 13:30 Uhr